Vie­le Part­ner ar­bei­ten für Pro­jekt „Lan­den­gel“zu­sam­men

Mo­dell­vor­ha­ben für die Zu­kunft der me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung in der Dorf­re­gi­on Sel­ten­rain nimmt Gestalt an

Thüringer Allgemeine (Bad Langensalza) - - Bad Langensalzaer Allgemeine - Von Klaus Wug­ga­zer

Kirch­hei­lin­gen. Ein Ge­sund­heits­und So­zi­al­zen­trum völ­lig neu­er Art mit um­fas­sen­dem An­ge­bot für die ge­sam­te dörf­li­che Re­gi­on um Kirch­hei­lin­gen: Das ist, kurz ge­sagt, das Pro­jekt „Lan­den­gel“, das die dort be­hei­ma­te­te Stif­tung Land­le­ben seit Län­ge­rem vor­an­treibt. Und es kommt wei­ter vor­an.

Der „Lan­den­gel“wur­de von der lan­des­ei­ge­nen Zu­kunfts­A­gen­tur IBA als mög­li­ches Mo­dell­pro­jekt für das künf­ti­ge Ge­sund­heits­we­sens im länd­li­chen Raum in Thü­rin­gen no­mi­niert. Der Kreis­tag soll am Mitt­woch, 24. Ok­to­ber, dar­über be­fin­den, ob der Un­st­rut-Hai­nich-Kreis of­fi­zi­el­ler Un­ter­stüt­zer und Pro­jekt­part­ner wird. Und die Ge­mein­de Kirch­hei­lin­gen denkt dar­über nach, die Ge­bäu­de der jet­zi­gen Am­bu­lanz an die Stif­tung zu über­ge­ben für die Um­set­zung des zen­tra­len Pro­jek­tTeils „Lan­dam­bu­la­to­ri­um“. Frank Baum­gar­ten und Chris­to­pher Kauf­mann von der Stif­tung stell­ten in der jüngs­ten Rats­sit­zung in Kirch­hei­lin­gen das Pro­jekt für die Dorf­re­gi­on „Sel­ten­rain“und sei­nen ak­tu­el­len Stand vor. 2016 hat­te es sei­nen An­fang ge­nom­men. Kauf­mann hat die Fe­der­füh­rung.

17 Part­ner hät­ten mitt­ler­wei­le ver­bind­lich zu­ge­sagt, beim Lan­den­gel mit­zu­ar­bei­ten. Dar­un­ter sind Ärz­te und an­de­re im Ge­sund­heits­we­sen Tä­ti­ge, ört­li­che Fir­men, aber auch So­zi­al­ver­bän­de wie die The­pra so­wie die Agrar­ge­nos­sen­schaft.

Ent­ste­hen soll auf rund 2000 Qua­drat­me­tern Flä­che – die jet­zi­ge Am­bu­lanz hat 500 – ein Zen­trum, in dem wei­ter fes­te Ärz­te prak­ti­zie­ren. Aber auch re­gel­mä­ßi­ge Sprech­stun­den von Spe­zia­lis­ten sol­len hier statt­fin­den. Per Tele­me­di­zin kön­ne man auch mit ent­fern­te­ren Part­nern wie Uni-Kli­ni­ken ko­ope­rie­ren, sag­te Kauf­mann.

Im Am­bu­la­to­ri­um sol­len zu­dem Di­ens­te an­ge­bo­ten wer­den von der Fuß- und Haar­pfle­ge über Apo­the­ken- bis zum Bür­ger­ser­vice, für den der eben­falls ge­plan­te „Dorf­küm­me­rer“sor­gen soll. In den Sel­ten­rain-Dör­fern – Ur­le­ben, Blan­ken­burg, Sund­hau­sen, Bruch­stedt – soll es „Ge­sund­heits­ki­os­ke“ge­ben. Dort könn­ten Ärz­te oder auch ei­ne Ge­mein­de­schwes­ter, de­ren Stel­le ein eben­so wich­ti­ger Teil des Pro­jekts ist, klei­ne­re Be­hand­lun­gen vor­neh­men.

Sie sol­len eben­falls über Tele­me­di­zin mit dem Zen­trum in Kirch­hei­lin­gen ver­netzt wer­den. Es ge­he um ei­ne um­fas­sen­de Da­seins­vor­sor­ge auf dem Land, be­ton­ten Kauf­mann und Baum­gar­ten. Des­halb sei auch ein Fahr­dienst, der jetzt schon exis­tiert, Teil des Pro­jekts. Mög­lich sei auf Dau­er auch der Auf­bau ei­ner ei­ge­nen mo­bi­len Pfle­ge-In­fra­struk­tur.

Jähr­lich wür­den laut ak­tu­el­len Be­rech­nun­gen in der Sel­ten­train-Re­gi­on rund 10 Mil­lio­nen Eu­ro für die Ge­sund­heit aus­ge­ge­ben: „Wir wol­len, dass die­se Wert­schöp­fung mehr in der Re­gi­on bleibt“, sag­te Baum­gar­ten.

Auf Dau­er bie­te sich die Um­wand­lung des jet­zi­gen Ver­eins in ei­ne Ge­nos­sen­schaft an, die An­bie­ter und Nutz­nie­ßer von Ge­sund­heits­diens­ten ver­ei­ne. Da­bei brau­che man die ak­ti­ve Un­ter­stüt­zung der Be­völ­ke­rung.

Bei al­lem aber ge­he es um die Zu­kunft der Dör­fer: „Man soll be­ru­higt hier woh­nen und alt wer­den kön­nen und kei­ne Angst da­vor ha­ben, auch mal krank zu sein.“Die Stif­tung Land­le­ben bie­tet auch be­reits ein Wohn­mo­dell für äl­te­re Men­schen.

Wenn man wei­ter gut vor­an­kom­me, kön­ne das Vor­ha­ben, das nun Kan­di­da­ten­sta­tus ha­be, 2019 of­fi­zi­el­les IBA-Pro­jekt wer­den. Das er­öff­ne auch neue För­der­mög­lich­kei­ten und ei­ne ak­ti­ve Be­glei­tung durch das Land. Weit­hin ein­ma­lig sei das Pro­jekt auf je­den Fall, so Kauf­mann. Kom­men­des Jahr wol­le man mit der kon­kre­ten Um­set­zung star­ten. Bis 2023 soll das ge­sam­te Pro­jekt dann ste­hen.

Tele­me­di­zin und un­be­dingt ein Fahr­dienst

Dia­na Preuß (44), an­ge­hen­de Er­zie­he­rin aus Mühl­hau­sen: Mei­ne bei­den Zwil­lin­ge Eli­as und La­ra-So­phie (3) ha­ben vie­le Flau­sen im Kopf. Sie räu­men mit Vor­lie­be Schrän­ke aus oder ver­streu­en Baustei­ne un­ter dem Tisch. Aber mit Zwil­lin­gen hat man doch we­ni­ger Ar­beit, weil sie sich auch viel mit­ein­an­der be­schäf­ti­gen kön­nen.

Fo­to: Mar­tin Lind­ner

Ein zen­tra­ler Teil des Pro­jekts „Lan­den­gel“ist die Ein­rich­tung ei­nes Lan­dam­bu­la­to­ri­ums in der jet­zi­gen Am­bu­lanz am Kirch­hei­lin­ger An­ger. Dann sol­len hier auf deut­lich er­wei­ter­ter Flä­che zu­sätz­li­che Ge­sund­heits- und Be­ra­tungs­an­ge­bo­te ver­eint wer­den. Fo­to: Klaus Wug­ga­zer

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