„Ich bin nicht so für den au­to­ri­tä­ren Füh­rungs­stil, son­dern set­ze auf Dia­log“

Bad Lan­gen­sal­z­as Bür­ger­meis­ter Mat­thi­as Reinz über sei­ne ers­ten 100 Ta­ge im Amt und den Wunsch, Schönstedt ein­zu­ge­mein­den

Thüringer Allgemeine (Bad Langensalza) - - Bad Langensalzaer Allgemeine - Von Klaus Wug­ga­zer

Bad Lan­gen­sal­za. Mat­thi­as Reinz (par­tei­los) ist seit 1. Ju­li neu­er Bür­ger­meis­ter von Bad Lan­gen­sal­za. Zu­vor war der Be­rufs­sol­dat eh­ren­amt­li­cher Orts­chef in Schönstedt. Wir spra­chen mit ihm über sei­ne ers­ten 100 Ta­ge im Amt.

Herr Reinz, wie geht es Ih­nen? Sehr gut, dan­ke. Ich bin lang­sam in dem Amt an­ge­kom­men. Aber es war schon ein biss­chen ge­wöh­nungs­be­dürf­tig.

War­um?

Am An­fang war mein Vor­gän­ger Bern­hard Schö­nau im Bü­ro noch über­all zu spü­ren. In­zwi­schen ist ja hier drin man­ches neu.

Wa­ren die ers­ten Ta­ge auf­re­gend?

Ja, man­ches war auf­re­gend, man­ches ist es bis heu­te für mich. Aber es macht viel Spaß.

Nun be­feh­li­gen Sie ei­nen nicht ganz klei­nen Ap­pa­rat. Wie sind Sie in der Ver­wal­tung an­ge­kom­men?

Ganz gut. Ich war ja vor­her schon Bür­ger­meis­ter. Die Struk­tur der Ver­wal­tung ist über­all ähn­lich, nur hier eben grö­ßer.

Was ha­ben Sie sich zu­erst vor­ge­nom­men?

Ich will mit je­dem Mit­ar­bei­ter ein­zeln spre­chen. Noch ha­be ich das nicht mit al­len ge­schafft. Da­bei geht es ne­ben dem Ken­nen­ler­nen auch dar­um, was der­je­ni­ge an der Stadt­ver­wal­tung gut fin­det und was nicht. Und es geht auch um per­sön­li­che Din­ge. Auch da be­geg­net mir manch­mal im Geist mein Amts­vor­gän­ger.

Wie be­geg­nen die Mit­ar­bei­ter Ih­nen?

Sehr auf­ge­schlos­sen. Ich set­ze auch auf Of­fen­heit und Dia­log. Ich bin nicht so für den au­to­ri­tä­ren Füh­rungs­stil, ich möch­te mit den Men­schen ins Ge­spräch kom­men. Ich pfle­ge ei­nen fai­ren, kol­le­gia­len Um­gang, und das wird auch ho­no­riert. Das kann auch dem Be­triebs­kli­ma nicht scha­den. Ich ha­be zum Bei­spiel auch ei­ne ge­mein­sa­me Weih­nachts­fei­er vor­ge­schla­gen. Das hat es bis­her nicht ge­ge­ben. Den­noch muss man in be­stimm­ten Si­tua­tio­nen han­deln, um­set­zen, durch­set­zen. Auch das ge­hört da­zu.

Und wie ist der Um­gang mit Füh­rungs­kräf­ten?

Ein­mal die Wo­che tref­fe ich mich mit al­len Fach­be­reichs­lei­tern, um an­ste­hen­de Pro­ble­me di­rekt zu klä­ren und um vor­aus­zu­schau­en, was an­steht. Auch das gab es bis­her nicht.

Steht Ih­nen je­mand zur Sei­te? Die wich­tigs­te Per­son ist mei­ne As­sis­ten­tin.

Sie ha­ben ei­ne As­sis­ten­tin? Ja, Frau Schirr­meis­ter. Bis­her war sie Se­kre­tä­rin des Bür­ger­meis­ters. Ich fand As­sis­ten­tin pas­sen­der, und wir ha­ben uns dar­auf ge­ei­nigt. Sie hat über die Jah­re so viel Er­fah­rung ge­sam­melt und hat gro­ßes Fach­wis­sen zu al­len The­men. Auch mit dem Ver­wal­tungs­lei­ter Si­mon Bach ar­bei­te ich sehr eng und gut zu­sam­men. Und na­tür­lich mit den Fach­be­reichs­lei­tern.

Wie vie­le St­un­den hat Ih­re Ar­beits­wo­che?

Am An­fang gab es schon Wo­chen, in de­nen ich 60, 70 St­un­den ge­ar­bei­tet ha­be. Jetzt pen­delt es sich lang­sam bei gut 50 St­un­den ein.

Sind Sie viel un­ter­wegs oder sit­zen Sie eher im Bü­ro?

Vor al­lem am Wo­che­n­en­de bin ich sehr viel un­ter­wegs. Ich ver­su­che, je­den Ter­min wahr­zu­neh­men, zu dem ich ein­ge­la­den bin. Ich will mit mög­lichst vie­len Leu­ten in Be­rüh­rung kom­men. Bei fünf oder sechs Ter­mi­nen an ei­nem Tag kann ich aber lei­der nicht im­mer so lan­ge da blei­ben, so wie zum Bei­spiel beim Kon­zert des Ju­gend­blas­or­ches­ters Nä­gel­stedt. Ich wur­de kri­ti­siert, weil ich nach ei­ni­gen Stü­cken wei­ter muss­te. Aber da muss ich ein­fach um Nach­sicht bit­ten, weil auch noch an­de­re Leu­te auf mich war­ten. Öf­ters neh­me ich auch mei­ne Frau und mei­nen klei­nen Sohn mit, wenn es passt. Die Fa­mi­lie darf ja auch nicht zu kurz kom­men.

Ist das mit den vie­len Ter­mi­nen auf Dau­er durch­zu­hal­ten? Nein, das wird nicht funk­tio­nie­ren. Aber ge­ra­de in der An­fangs­zeit ist für bei­de Sei­ten der ers­te Ein­druck wich­tig. Spä­ter kön­nen wir sol­che Ter­mi­ne wie­der mehr ver­tei­len, auf die Bei­ge­ord­ne­ten.

Was war für Sie die größ­te Über­ra­schung?

Es gab kei­ne.

Ha­ben Sie et­was nicht ge­schafft, was Sie sich für die ers­ten 100 Ta­ge vor­ge­nom­men hat­ten?

Ich woll­te auch die Ge­wer­be­trei­ben­den nach und nach be­su­chen. Ich ha­be da­mit an­ge­fan­gen, bin aber noch nicht so weit ge­kom­men, wie ich das woll­te. Das auch, weil ich so oft an die Ar­beit im Bü­ro ge­bun­den war. Jetzt hof­fe ich lang­sam, das ver­stärkt an­ge­hen zu kön­nen.

Im Wahl­kampf ha­ben Sie ein­mal im Mo­nat auf dem Markt Brat­würs­te ge­bra­ten für ei­nen gu­ten Zweck. Sie woll­ten das fort­set­zen und ha­ben da­für auch Kopf­schüt­teln ge­ern­tet. Da muss­te ich mich tat­säch­lich ei­nes Bes­se­ren be­leh­ren las­sen. Das ist zeit­lich wirk­lich nicht zu ma­chen. Aber zum Pfef­fer­ku­chen­markt ha­be ich mir fest vor­ge­nom­men, wie­der am Grill zu ste­hen.

Ha­ben Sie Kon­takt zu Ih­rem Vor­gän­ger im Amt?

Wir tref­fen uns ab und zu bei Ver­an­stal­tun­gen, wo wir bei­de ein­ge­la­den sind. Aber re­gel­mä­ßig Kon­takt ha­ben wir nicht, auch von sei­ner Sei­te aus nicht. Sie woh­nen in Schönstedt. Ist das ein Vor- oder ein Nach­teil? We­der noch. Ich glau­be auch nicht, dass das die Leu­te stört. In Schönstedt zu woh­nen, ist auch nicht an­ders, als wenn ich in ei­nem der Bad Lan­gen­sal­za­er Orts­tei­le woh­nen wür­de. Wich­ti­ger ist doch: Mein Herz schlägt für die­se ein­zig­ar­ti­ge, au­ßer­ge­wöhn­li­che Stadt. Da­für muss sie nicht in mei­nem Aus­weis ste­hen.

In Sa­chen Trans­pa­renz und Bür­ger­be­tei­li­gung ha­ben Sie Neue­run­gen ein­ge­führt, et­wa die öf­fent­li­che Vor­be­rei­tung der Stadt­rats­sit­zun­gen und Ih­re fes­te Bür­ger-Sprech­stun­de im Rat­haus . Was kommt noch?

Ich wür­de ger­ne auch im Stadt­rat ei­ne Bür­ger­fra­ge­stun­de ein­rich­ten, für die man die Fra­gen vor­her schrift­lich ein­reicht, da­mit sie gleich in der Sit­zung be­ant­wor­tet wer­den kön­nen – ähn­lich wie im Kreis­tag.

Die Öf­fent­lich­keits­ar­beit der Stadt lässt auch sehr zu wün­schen üb­rig.

Die Stadt braucht wie­der ei­ne Stel­le für Pres­se- und Öf­fent­lich­keits­ar­beit, die auch noch ein paar an­de­re Auf­ga­ben be­kom­men kann. Für ei­ne Stadt die­ser Grö­ße ist das aus mei­ner Sicht nö­tig. Dar­über müs­sen wir beim Stel­len­plan und beim Haus­halt re­den.

Apro­pos Stadt­rat – da gärt es un­ter der De­cke of­fen­bar ge­wal­tig. we­nig zu spü­ren. Durch die Frak­ti­ons­wech­sel im Wahl­kampf geht ein Riss durch den Stadt­rat. Ei­ne Selbst­auf­lö­sung ist aber kaum um­setz­bar. Wir müs­sen bis zur Neu­wahl 2019 das Bes­te draus ma­chen, auch wenn der Wahl­kampf schon sei­ne Schat­ten vor­aus wirft. Ich ap­pel­lie­re er­neut an al­le Frak­tio­nen, im­mer sach­ori­en­tiert zu ar­bei­ten, nicht par­tei­po­li­tisch oder per­sön­lich ge­prägt.

Sie ha­ben als Par­tei­lo­ser kei­ne ei­ge­ne Frak­ti­on an der Sei­te. Re­den Sie mit den Frak­tio­nen? Ich bin bei vie­lem auf den Stadt­rat an­ge­wie­sen. Dar­um müs­sen mei­ne Be­schluss­vor­la­gen Hand und Fuß ha­ben. Ich ha­be die Frak­ti­ons­chefs mehr­fach zu Ge­sprä­chen ein­ge­la­den. Nächs­te Wo­che tref­fen wir uns wie­der.

Ha­ben Sie Kon­takt zu Ih­rem Nach­fol­ger in Schönstedt?

Ich war bei sei­ner Ve­rei­di­gung da­bei. Wir re­den ab und zu mit­ein­an­der. Ich wün­sche ihm al­les Gu­te.

Plötz­lich wird im Schönsted­ter Ge­mein­de­rat die Ein­ge­mein­dung nach Bad Lan­gen­sal­za wie­der The­ma. Sie stimm­ten einst als Bür­ger­meis­ter für die Selbst­stän­dig­keit und ge­gen die Land­ge­mein­de. Wie ist ihr Standpunkt jetzt?

Wir wer­den uns in den kom­men­den Ta­gen mit den Stadt­ratsFrak­ti­ons­chefs und den Fach­be­reichs­lei­tern hin­set­zen und ei­nen Ver­trags­ent­wurf er­stel­len, mit dem wir Schönstedt zei­gen, wie ei­ne Ein­ge­mein­dung nach Bad Lan­gen­sal­za ge­hen könn­te, die vor­teil­haf­ter wä­re als die Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner Land­ge­mein­de. Für die Stadt wä­ren das 1400 Ein­woh­ner mehr, al­so deut­lich hö­he­re Zu­wei­sun­gen, und Schönstedt ist schul­den­frei.

Sie wer­ben um Schönstedt?

Ja. Aber die Bür­ger müs­sen ent­schei­den, wo­hin es ge­hen soll, man müss­te sie al­so be­fra­gen. Das Er­geb­nis soll­te dann auch der Ge­mein­de­rat re­spek­tie­ren.

Aber Sie wa­ren vor Kur­zem noch für die Selbst­stän­dig­keit! Ja, ich war da­für, so­lan­ge das mög­lich ist. Aber der Haus­halt wird auch dort en­ger und lan­ge wird es al­lei­ne nicht mehr ge­hen. Au­ßer­dem bin ich jetzt als Bür­ger­meis­ter der Stadt ver­pflich­tet und muss auch mit Blick auf die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung an­ders den­ken. Dar­um bin ich dar­an in­ter­es­siert, ei­ne so gut auf­ge­stell­te Kom­mu­ne ein­zu­ge­mein­den. Schönstedt passt auch geo­gra­fisch gut ins Bad Lan­gen­sal­za­er Bild.

Das wird der neu­en Land­ge­mein­de Un­st­rut-Hai­nich nicht ge­fal­len.

Dort wür­de die per­spek­ti­vi­sche Ein­woh­ner­zahl für ei­ne Land­ge­mein­de oh­ne Schönstedt wohl nicht mehr er­reicht. Des­halb müs­sen wir vor­her mit dem Land re­den, ob man dort mit­ge­hen könn­te. Auch in die­ser Fra­ge will ich mit al­len of­fen und auf Au­gen­hö­he kom­mu­ni­zie­ren.

Teil  des Ge­sprächs er­scheint am Di­ens­tag, . Ok­to­ber

Von Ei­nig­keit ist da tat­säch­lich

Bür­ger­meis­ter Mat­thi­as Reinz an sei­nem Schreib­tisch im Rat­haus. Be­su­chern fällt als ers­tes das Aqua­ri­um ins Au­ge . Fo­to: Klaus Wug­ga­zer

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