Wenn die Ar­beit krank macht

Thüringer Allgemeine (Eichsfeld) - - Erste Seite - Von Kai Mu­dra

über das Krank­heits­pro­blem der Thü­rin­ger Po­li­zei

Si­cher­lich ist es na­iv, an­zu­neh­men, dass täg­lich je­der freu­de­strah­lend zur Ar­beit geht, um dort sei­ne Er­fül­lung zu fin­den. Es darf aber auch nicht sein, dass der Job krank macht. Doch sieht die Wirk­lich­keit oft so aus, wie ei­ne ak­tu­el­le Be­fra­gung bei der Thü­rin­ger Po­li­zei er­neut zeigt.

Knapp die Hälf­te der Po­li­zis­tin­nen und Po­li­zis­ten emp­fin­den ih­ren Job als psy­chisch be­las­tend, geht aus der Stu­die der Ge­werk­schaft der Po­li­zei her­vor. Wer täg­lich Ver­kehrs­un­fäl­le auf­nimmt, An­grei­fer und Op­fer von Schlä­ge­rei­en oder häus­li­cher Ge­walt tren­nen und be­fra­gen muss, wer im­mer wie­der und im­mer wi­der­wär­ti­ger be­schimpft und be­lei­digt wird, nur weil er Uni­form trägt und da­mit für die Si­cher­heit in Thü­rin­gen ein­steht, braucht ein di­ckes Fell. Und auch dann prallt der Be­rufs­all­tag nicht spur­los von den Frau­en und Män­nern ab.

Wenn da­zu noch po­li­zei­in­ter­ne Pro­ble­me, un­über­sicht­li­che Struk­tu­ren, kaum plan­ba­re Di­ens­te hin­zu­kom­men – die fast je­des ro­man­ti­sche Wo­che­n­en­de cras­hen – kann das so be­las­tend sein, dass der Frust in psy­chi­sche Lei­den um­schlägt.

Die Er­geb­nis­se der Stu­die soll­ten die Ver­ant­wort­li­chen auf­mer­ken las­sen.

Zu we­nig Per­so­nal, kaum noch Zeit, die Auf­ga­ben zu be­wäl­ti­gen aber auch sich ver­än­dern­de ge­sell­schaft­li­che Rah­men­be­din­gun­gen er­hö­hen zu­sätz­lich den Druck auf die Be­am­tin­nen und Be­am­ten.

Si­cher­lich, Po­li­zis­ten ma­chen sich auch kaum Freun­de, wenn sie Ra­ser stop­pen oder abends Klein­kri­mi­nel­le und Dro­gen­süch­ti­ge auf­spü­ren.

Dass all das der Ge­sund­heit der Be­am­ten nicht zu­träg­lich ist, wur­de be­reits vor Jah­ren er­kannt. Pas­siert ist lan­ge Zeit we­nig. Die Aus­rüs­tung wur­de erst jüngst ver­bes­sert und mehr Per­so­nal an­ge­kün­digt. Nun bie­tet der In­nen­mi­nis­ter der Ge­werk­schaft ei­nen Pakt in Form ei­ner Di­enst­ver­ein­ba­rung zum Ge­sund­heits­ma­nage­ment an.

Bleibt zu hof­fen, dass sich dies­mal wirk­lich et­was än­dert.

Er­furt.

In Thü­rin­gen sind über­durch­schnitt­lich vie­le Po­li­zis­ten er­krankt. Mit mehr als zehn Pro­zent er­reich­te die Quo­te im Vor­jahr nach An­ga­ben von In­nen­mi­nis­ter Ge­org Mai­er (SPD) ei­nen neu­en Hö­he­punkt.

Da­mit liegt der Kran­ken­stand bei der Po­li­zei et­wa dop­pelt so hoch wie bei der üb­ri­gen Be­völ­ke­rung im Frei­staat. Laut AOK er­krank­ten 2017 in Thü­rin­gen durch­schnitt­lich sechs Pro­zent ih­rer Mit­glie­der. Ähn­li­che Wer­te nennt auch die Bar­mer.

Be­reits vor acht Jah­ren hat­te das In­nen­mi­nis­te­ri­um – noch un­ter Cdu-füh­rung – ver­sucht, bei der Po­li­zei ein Ge­sund­heits­ma­nage­ment ein­zu­füh­ren. Da­mals lag der Kran­ken­stand bei 8,8 Pro­zent. Auf die Be­am­ten um­ge­rech­net, fehlt täg­lich fast das kom­plet­te Per­so­nal ei­ner Lan­des­po­li­zei­in­spek­ti­on zur Er­fül­lung der Auf­ga­ben.

Doch das ist nicht die ein­zi­ge schlech­te Nach­richt zum Ge­sund­heits­zu­stand

Kai Mu­dra

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.