Wahl in Ägyp­ten: Gro­ße Mehr­heit für Prä­si­dent Si­si

Nur we­ni­ge Wäh­ler stimm­ten für ei­nen Ali­bi-kon­kur­ren­ten des Amts­in­ha­bers. Zwei Mil­lio­nen Men­schen mach­ten aus Pro­test ge­gen das Re­gime den Wahl­schein un­gül­tig

Thüringer Allgemeine (Eichsfeld) - - Politik - Von Mar­tin Geh­len

Kairo.

Das Re­gime am Nil zog al­le Re­gis­ter. Die Stra­ßen wa­ren ge­pflas­tert mit Pla­ka­ten von Prä­si­dent Ab­del Fat­tah al-si­si. Ar­me Ägyp­ter er­hiel­ten für ihr Kreuz auf dem Stimm­zet­tel Le­bens­mit­tel­pa­ke­te oder Geld­schei­ne. Staat­li­che An­ge­stell­te und Be­leg­schaf­ten von Be­trie­ben wur­den ge­mein­sam in Bus­sen zur Ab­stim­mung chauf­fiert. Meh­re­re Gou­ver­neu­re ver­spra­chen Dör­fern mit der höchs­ten Be­tei­li­gung, sie bei der Ver­sor­gung mit Was­ser und Strom zu be­vor­zu­gen. An­de­re Ge­mein­den be­ka­men ei­nen neu­en Spiel­platz oder ei­ne Ver­samm­lungs­hal­le in Aus­sicht ge­stellt. Der kop­ti­sche Papst Ta­wa­dros II. und Pre­mier She­rif Is­mail ap­pel­lier­ten an die 95 Mil­lio­nen Lands­leu­te, ih­re staats­bür­ger­li­che Pflicht zu er­fül­len. Und das ägyp­ti­sche Staats­fern­se­hen in­sze­nier­te die drei­tä­gi­ge Ab­stim­mung dann als gut be­such­tes, fröh­li­ches Volks­fest mit Tanz und Ge­sang, wäh­rend Au­gen­zeu­gen in den Wahl­lo­ka­len in der Re­gel nur ei­nen mä­ßi­gen An­drang be­ob­ach­te­ten.

Und so hat die Stra­te­gie des Macht­ap­pa­ra­tes mit ih­rer Mi­schung aus Wer­ben, Dro­hen und Be­ste­chen am En­de nur be­dingt ge­nützt. Nach ver­schie­de­nen Me­dien­be­rich­ten kam Si­si zwar auf et­wa 90 bis 96 Pro­zent der Stim­men. Im Jahr 2014 er­hielt Si­si fast 97 Pro­zent. Die Wahl­be­tei­li­gung soll aber dies­mal von 47 Pro­zent bei der letz­ten Wahl auf rund 40 Pro­zent ge­fal­len sein. Nur rund drei Pro­zent stimm­ten Hoch­rech­nun­gen ver­schie­de­ner Me­di­en zu­fol­ge für den Ali­bi-kon­kur­ren­ten Mous­sa Mosta­fa Mous­sa, der ei­gent­lich auch Si­si un­ter­stützt. Of­fen­bar zwei Mil­lio­nen Men­schen schrie­ben da­ge­gen aus Pro­test an­de­re Na­men auf ih­ren Zet­tel und mach­ten die­sen so un­gül­tig. Das wä­ren drei­mal so vie­le Vo­ten, wie Mous­sa er­hielt. Das amt­li­che En­d­er­geb­nis soll am Mon­tag be­kannt ge­ge­ben wer­den. Die gan­ze Wahl sei zu „ei­ner Mil­li­on Pro­zent“de­mo­kra­tisch ge­we­sen, er­klär­te ein Spre­cher des Si­si-la­gers der BBC.

Der ägyp­ti­sche Prä­si­dent Ab­del Fat­tah al-si­si bei der Stimm­ab­ga­be in Kairo. Fo­to: Reu­ters

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