Ul­tra­or­tho­do­xes Ju­den­tum

Thüringer Allgemeine (Eichsfeld) - - Politik -

Ber­lin.

Das ul­tra­or­tho­do­xe bzw. cha­re­di­sche Ju­den­tum ist die theo­lo­gisch und so­zi­al kon­ser­va­tivs­te Rich­tung in­ner­halb des Ju­den­tums. Es ent­stand im 19. Jahr­hun­dert als Re­ak­ti­on auf die Eman­zi­pa­ti­ons­be­stre­bun­gen der Ju­den in Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa. Die Zahl der ul­tra­or­tho­do­xen Ju­den wird welt­weit auf cir­ca 1,3 bis 1,5 Mil­lio­nen ge­schätzt. Da­von lebt der größ­te Teil, cir­ca 700 000, in Is­ra­el. Die Ul­tra­or­tho­do­xen glau­ben, dass ein Ju­den­staat nur von dem Mes­si­as er­rich­tet wer­den darf. Da­her er­ken­nen sie den Staat Is­ra­el nicht an und leis­ten auch kei­nen Wehr­dienst. Or­tho­do­xe Ju­den hin­ge­gen er­ken­nen die In­sti­tu­tio­nen Is­ra­els an. (fmg)

Ber­lin.

Wäh­rend der Re­gie­rungs­bil­dung hat sich Wolf­gang Schäu­b­le mit Kom­men­ta­ren zu­rück­ge­hal­ten – jetzt öff­net der neue Bun­des­tags­prä­si­dent sein weit­läu­fi­ges Bü­ro im Reichs­tags­ge­bäu­de, vom dem aus er ei­nen Blick auf den Ber­li­ner Tier­gar­ten hat, für die Re­dak­teu­re die­ser Zei­tung. Über sei­nem Schreib­tisch hängt ein mo­nu­men­ta­les Wand­ob­jekt, ei­ne Ver­bin­dung von Ma­le­rei und Skulp­tur, die Schäu­bles Vor­gän­ger Nor­bert Lam­mert aus­ge­sucht hat. Vor ei­nem gel­ben Hin­ter­grund steht ei­ne Bron­ze­fi­gur, die ver­sucht, das Gleich­ge­wicht zu hal­ten. Der Ti­tel des Werks von Hein­rich Brock­mei­er und Uschi Klaas: „Ba­lan­ce“.

Ha­ben Sie Freu­de am neu­en Amt, Herr Schäu­b­le?

Wolf­gang Schäu­b­le:ja.

Gibt es ein Er­leb­nis aus den ers­ten Mo­na­ten, das sich bei Ih­nen be­son­ders ein­ge­prägt hat?

Da muss ich ein biss­chen pas­sen. Ich bin ein so alt­ge­dien­ter Par­la­men­ta­ri­er, dass ich mich nicht wirk­lich ein­ar­bei­ten muss­te. Neu ist, dass ich jetzt ei­ne an­de­re Ver­ant­wor­tung ha­be und dass es sechs Frak­tio­nen im Bun­des­tag gibt – so vie­le wie nie zu­vor.

Wie wirkt sich der Ein­zug der AFD in das Par­la­ment aus?

Die De­bat­ten sind grund­sätz­li­cher und strei­ti­ger ge­wor­den. Das hat auch et­was Po­si­ti­ves, was die Qua­li­tät und die Le­ben­dig­keit der Aus­ein­an­der­set­zung an­geht. Üb­ri­gens sagt die AFD von sich selbst, dass sie sich noch fin­den muss.

Wie neh­men Sie den an­hal­ten­den Streit zwi­schen den Uni­ons­par­tei­en wahr, ob der Is­lam zu Deutsch­land ge­hört?

Die Uni­on hat in ih­rer Ge­schich­te reich­lich be­wie­sen, dass sie kei­ne an­de­re Par­tei braucht, um sich zu strei­ten. Ich ha­be noch ei­ne leb­haf­te Er­in­ne­rung an 1976 und den Be­schluss der CSU von Kreuth, die Frak­ti­ons­ge­mein­schaft auf­zu­kün­di­gen. Ich hal­te es für klug, dass Horst See­ho­fer nun die Is­lam­kon­fe­renz wie­der­be­le­ben will, die ich 2006 als In­nen­mi­nis­ter ge­grün­det ha­be. Ich ha­be da­mals als ers­ter Re­gie­rungs­po­li­ti­ker ge­sagt: Der Is­lam ist ein Teil un­se­res Lan­des. Das hat gar nicht so viel Auf­re­gung aus­ge­löst, weil es ei­gent­lich ei­ne Tat­sa­chen­be­schrei­bung ist. Wenn ich sa­ge, das Wet­ter ist heu­te grau, dann ist das auch ei­ne Tat­sa­chen­be­schrei­bung.

Die Fra­ge ist doch, ob die be­schrie­be­ne Tat­sa­che wün­schens­wert ist.

Dar­über kann man un­ter­schied­li­cher Mei­nung sein.

Sa­gen Sie uns Ih­re.

Wir lie­gen im­mer falsch, wenn wir die Ve­rän­de­run­gen, die statt­fin­den, nicht ak­zep­tie­ren wol­len. Wir müs­sen mit den Ve­rän­de­run­gen

le­ben und ver­su­chen, sie zu gestal­ten. Wir kön­nen nicht den Gang der Ge­schich­te auf­hal­ten. Al­le müs­sen sich da­mit aus­ein­an­der­set­zen, dass der Is­lam ein Teil un­se­res Lan­des ge­wor­den ist.

Be­deu­tet kon­kret?

Die Mus­li­me müs­sen sich klar­ma­chen, dass sie in ei­nem Land le­ben, das nicht von mus­li­mi­schen Tra­di­tio­nen ge­prägt ist. Und der Rest der Be­völ­ke­rung muss ak­zep­tie­ren, dass es in Deutsch­land ei­nen wach­sen­den

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