Lan­ge Win­ter­näch­te vol­ler Stern­schnup­pen

Der Ster­nen­him­mel im De­zem­ber bie­tet zahl­rei­che Hö­he­punk­te. Son­nen­wen­de am 21.

Thüringer Allgemeine (Eisenach) - - Ratgeber - Von Hans-ul­rich Kel­ler

Ber­lin. Der Abend­him­mel ist im De­zem­ber leer ge­fegt von hel­len Pla­ne­ten. Zu­min­dest aber bie­tet der Fix­stern­him­mel ei­ne Rei­he hel­ler Ster­ne. Ge­gen 22 Uhr ist zur Mo­nats­mit­te das Win­ter­sechs­eck be­reits voll­stän­dig auf­ge­gan­gen. Es setzt sich aus den hel­len Ster­nen Ka­pel­la im Fuhr­mann, Al­de­ba­ran im Stier, Ri­gel im Ori­on, Si­ri­us im Gro­ßen Hund und Pro­kyon im Klei­nen Hund so­wie Pol­lux in den Zwil­lin­gen zu­sam­men. Hin­zu kom­men zwei wei­te­re hel­le Ster­ne: Be­tei­geu­ze im Ori­on und Kas­tor in den Zwil­lin­gen. An­fang De­zem­ber muss man noch ei­ne St­un­de auf Si­ri­us war­ten.

Ka­pel­la, ei­ne gel­be Dop­pel­son­ne in 42 Licht­jah­ren Ent­fer­nung, bil­det die Spit­ze des Win­ter­sechs­ecks. Sie steht im Win­ter abends steil über un­se­ren Köp­fen. Eben­falls hoch im Süd­os­ten strahlt der oran­ge-ro­te Al­de­ba­ran, Haupt­stern im Stier. Er steht vor ei­ner Grup­pe von Ster­nen, den Hya­den. Sie wer­den als Re­gen­ge­stirn be­zeich­net.

Si­ri­us fla­ckert im bläu­lich-wei­ßen Licht

Als zwei­ter Stern­hau­fen im Stier sind die Ple­ja­den zu nen­nen. Sie stel­len die sie­ben Töch­ter des At­las und der Ple­jo­ne dar. Rund 400 Licht­jah­re tren­nen uns von den Ple­ja­den­ster­nen, von de­nen nur die hells­ten, hei­ßes­ten und bläu­lich leuch­ten­den mit blo­ßem Au­ge zu se­hen sind. Im Fern­glas sieht man Dut­zen­de fun­keln­de Licht­pünkt­chen in den Ple­ja­den – ein be­ein­dru­cken­des Him­mels­ob­jekt.

Zwi­schen den bei­den Stern­hau­fen ver­läuft die Son­nen­bahn. Hya­den und Ple­ja­den wer­den da­her gern das „Gol­de­ne Tor der Ek­lip­tik“ge­nannt, das auch Mond und Pla­ne­ten pas­sie­ren. Im Süd­os­ten fla­ckert in bläu­lich-wei­ßem Licht Si­ri­us. Er ist der weit­aus hells­te Stern am Nacht­him­mel. Mit knapp neun Licht­jah­ren Ent­fer­nung ge­hört er zu den Nach­bars­ter­nen un­se­rer Son­ne. Bei den al­ten Ägyp­tern hieß er Sot­his. Mit sei­ner Hil­fe be­stimm­ten sie einst die Län­ge ei­nes Son­nen­jah­res. Da­bei stell­ten sie fest, dass das Son­nen­jahr ei­nen Vier­tel­tag län­ger ist als 365 Tage. Ih­nen wur­de so auch klar, war­um die Nil-über­flu­tung al­le vier Jah­re um ei­nen Tag spä­ter ein­traf. In 1461 Jah­ren ver­schob sich der Ter­min der Nil-über­schwem­mung durch al­le Jah­res­zei­ten. Das al­te ägyp­ti­sche Son­nen­jahr hieß des­halb auch Wan­der­jahr. Der Zei­t­raum von 1461 Jah­ren wird als Sot­his-pe­ri­ode be­zeich­net.

Fast senk­recht über un­se­ren Köp­fen sieht man ei­ne Ster­nen­fi­gur, die aus­sieht wie der Buch­sta­be W. Die mitt­le­re Spit­ze des W deu­tet auf den Po­lar­stern, der die Nord­rich­tung weist. Tief im Nord­os­ten stößt man auf den Gro­ßen Wa­gen. Er sieht aus wie ein ein­bei­ni­ger Rie­se. So nann­ten ihn auch nord­ame­ri­ka­ni­sche In­dia­ner­stäm­me: Hun­ra­kan. Am West­him­mel steht noch das Herbst­vier­eck, das Pe­ga­sus­qua­drat.

Mars ist am Mor­gen­him­mel zu se­hen. Im letz­ten Mo­nats­drit­tel wech­selt er aus dem Stern­bild Jung­frau in das der Waa­ge. Auch Ju­pi­ter kann am Mor­gen­him­mel ge­se­hen wer­den. Bei­de Pla­ne­ten sind über dem Süd­ost­ho­ri­zont zu er­spä­hen. Wäh­rend Mars röt­lich er­scheint, leuch­tet der Rie­sen­pla­net in wei­ßem Licht. Zu­dem ist Ju­pi­ter zur­zeit we­sent­lich hel­ler als Mars. Am 14. De­zem­ber sieht man die ab­neh­men­de Mond­si­chel zwi­schen Mars und Ju­pi­ter. Mer­kur ist mit blo­ßem Au­ge le­dig­lich vom 28. De­zem­ber bis Sil­ves­ter in der Mor­gen­däm­me­rung aus­zu­ma­chen. Sa­turn wird von der Son­ne am 21. im Stern­bild Schüt­ze über­holt. Der Ring­pla­net steht mit ihr am Tag­him­mel und bleibt nachts un­be­ob­acht­bar. Ve­nus hat sich vom Mor­gen­him­mel zu­rück­ge­zo­gen.

Bis zu 120 Me­teo­re in den Nacht­stun­den

Vom 5. bis 15. De­zem­ber ma­chen sich die Stern­schnup­pen der Ge­mi­ni­den be­merk­bar. Sie schei­nen dem Stern­bild Zwil­lin­ge zu ent­strö­men und schie­ßen in al­le Rich­tun­gen. Ih­re größ­te Ak­ti­vi­tät ent­fal­ten sie in der Nacht vom 12. auf 13. De­zem­ber. Stünd­lich bis zu 120 Me­teo­re, dar­un­ter auch recht hel­le Ob­jek­te, sind dann zu er­war­ten. Die güns­tigs­te Be­ob­ach­tungs­zeit sind die St­un­den um Mit­ter­nacht. Vom 15. bis 24. De­zem­ber flam­men die Ur­si­den auf. Ihr Aus­strah­lungs­punkt liegt im Stern­bild Klei­ner Bär. Ihr Ma­xi­mum er­rei­chen die Ur­si­den in der Nacht vom 20. auf 21.

Am 1. Ad­vents­sonn­tag, dem 3. De­zem­ber, wird um 16.47 Uhr die Voll­mond­pha­se er­reicht. Da der Erd­tra­bant am Mor­gen dar­auf mit 357 490 Ki­lo­me­ter in Erd­nä­he kommt, zeigt sich die größ­te Voll­mond­schei­be des gan­zen Jah­res. Ne­u­mond tritt am 18. um 7.30 Uhr ein. Die Son­ne wech­selt am 18. mor­gens in das Stern­bild Schüt­ze. Am 21. er­reicht sie um 17.28 Uhr den tiefs­ten Punkt ih­rer Bahn, die Win­ter­son­nen­wen­de tritt ein. Von da an steigt die Son­ne wie­der zum Him­mel­s­äqua­tor auf.

Der Win­ter­punkt ist iden­tisch mit dem Be­ginn des Tier­kreis­zei­chens St­ein­bock, wes­halb man auch vom Wen­de­kreis des St­ein­bocks spricht. Die Nacht vom 21. auf 22. De­zem­ber ist die längs­te Nacht des Jah­res. Sie dau­ert in Ham­burg 16 St­un­den und 33 Mi­nu­ten, in Ber­lin 16 St­un­den und 22 Mi­nu­ten, in Leip­zig 16 St­un­den und neun Mi­nu­ten so­wie in München 15 St­un­den und 40 Mi­nu­ten.

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