Kol­li­si­on mit Not­arzt­wa­gen

Thüringer Allgemeine (Eisenach) - - Thüringen - Von Ul­ri­ke Kern

Wei­mar. Ein Not­arzt­wa­gen im Ein­satz ist in Wei­mar mit ei­nem Trans­por­ter zu­sam­men­ge­sto­ßen. Drei Men­schen wur­den ver­letzt. Am Don­ners­tag­abend über­fuhr der Not­arzt­wa­gen mit Blau­licht und Son­der­si­gnal ei­ne ro­te Am­pel, wie ei­ne Po­li­zei­spre­che­rin mit­teilt. Ein Arz­nei­mit­tel-trans­por­ter ei­nes Apo­the­ken­diens­tes, für den die Am­pel grün zeig­te, wur­de seit­lich vom Not­arzt­wa­gen er­fasst. Der Trans­por­ter über­schlug sich. Der 38-jäh­ri­ge Fah­rer, die 54jäh­ri­ge Bei­fah­re­rin im Not­arzt­wa­gen und des­sen 36-jäh­ri­ger Fah­rer wur­den ver­letzt. (dpa) Burgk. Im Sep­tem­ber des Jah­res 2013 wur­de es brenz­lig in der Schloss­ka­pel­le auf Schloss Burgk. Über Jah­re hin­weg hat­ten Mit­ar­bei­ter Riss­bil­dun­gen an den De­cken und Wän­den be­ob­ach­tet. Doch zu die­sem Zeit­punkt schritt der Ver­falls­pro­zess deut­lich schnel­ler fort, Putz brö­ckel­te un­ab­läs­sig vom al­ten Mau­er­werk. So ent­schloss sich die Mu­se­ums­lei­tung und der Saa­le-or­la-kreis, in des­sen Trä­ger­schaft sich Schloss Burgk seit dem Jahr 1952 be­fin­det, die­sen Raum im Pa­last­ge­bäu­de für die Öf­fent­lich­keit zu sper­ren und die Ur­sa­chen zu un­ter­su­chen.

Bei der Ana­ly­se der Ge­wöl­be­kon­struk­ti­on stieß man auf Er­staun­li­ches, wie Sta­ti­ker Wolf­ram Sit­tel, ver­ant­wort­lich für die Trag­werks­pla­nung, mit­teil­te: Im Rah­men ei­ner Ka­pel­len­er­wei­te­rung hat man im Jahr 1620 ein­fach ei­ne Pa­last­mau­er her­aus­ge­nom­men. „Wir re­den da­bei über ei­ne an­dert­halb Me­ter di­cke Mau­er über ei­ne Län­ge von fünf Me­tern“, so der Sta­ti­ker wei­ter. „Das Ge­wöl­be mit ei­nem Ge­wicht von 16 Ton­nen hing da­nach qua­si in der Luft.“

Rund 400 Jah­re lang ging das ir­gend­wie gut. Aber die an die Schloss­ka­pel­le gren­zen­den Rä­um­lich­kei­ten, wie der Rit­ter­saal und der Chi­nasa­lon be­ka­men durch die un­ge­heu­ren Kräf­te Ris­se. Von der prunk­vol­len Schloss­ka­pel­le mit sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Sil­ber­mann-or­gel aus dem Jahr 1743 ganz zu schwei­gen. Das al­les galt es, zu er­hal­ten und sta­tisch zu si­chern – es be­stand aku­ter Hand­lungs­be­darf.

Man ei­nig­te sich mit der Denk­mal­schutz­be­hör­de dar­auf, in der Schloss­ka­pel­le den Zu­stand von 1910 als re­stau­ra­to­ri­sches Ziel an­zu­stre­ben. „Das ha­ben wir er­reicht. Und ich freue mich, dass wir die­se fünf Jah­re Bau­zeit bei lau­fen­dem Be­trieb so gut über­stan­den ha­ben. Ich möch­te al­len Be­su­chern für ihr Ver­ständ­nis dan­ken und al­len aus­füh­ren­den Fir­men für ih­re Um­sicht und Sorg­falt an­ge­sichts der nicht ganz ein­fa­chen Bau­stel­le“, er­klärt Mu­se­ums­lei­te­rin Sa­bi­ne Schemm­rich.

Ver­gan­ge­ne Wo­che war Bau­ab­nah­me. Im Sep­tem­ber zum Denk­mal­tag wird die Schloss­ka­pel­le in neu­em Glanz fei­er­lich wie­der­er­öff­net. Al­ler­dings, dar­über freu­en sich der lei­ten­de Re­stau­ra­tor Veit Grö­sch­ner aus Ru­dol­stadt und Sa­bi­ne Ber­ner von der Un­te­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de des Saa­le-or­la­krei­ses be­son­ders, wird man nichts von den zahl­rei­chen Ein­grif­fen se­hen.

Da­bei wa­ren die gi­gan­tisch. 2015 kon­zen­trier­te man sich auf Fi­nan­zie­rung und sta­ti­sche Si­che­rung der Ka­pel­le. Das be­durf­te ei­ni­ger Vor­keh­run­gen, denn der Raum be­fin­det sich im Schlos­sin­ne­ren – oh­ne ei­ge­nen Zu­gang. Folg­lich muss­te für den Ma­te­ri­al­trans­port an der Au­ßen­fas­sa­de auf dem schräg ab­fal­len­den Fels­pla­teau ein Ge­rüst ge­stellt wer­den. Im In­ne­ren bau­te man zum Schutz der kost­ba­ren Or­gel Staub­schutz­wän­de ein. So brauch­te Or­gel­bau­er Jan Wer­ner von der Fir­ma Her­mann Eu­le Or­gel­bau „nur“al­le 600 Pfei­fen ent­neh­men, vom fei­nen Staub­film be­frei­en und stim­men. Ein Auf­wand der ge­recht­fer­tigt ist, denn die Or­gel gilt als ein­zig­ar­ti­ges Kul­tur­denk­mal ers­ten Ran­ges und ist für die Mu­sik­ge­schich­te von un­schätz­ba­rem Wert, da sie in na­he­zu al­len Tei­len in ori­gi­na­lem Zu­stand er­hal­ten blieb.

Fei­ner Staub­film auf al­len 600 Pfei­fen

In der Schloss­ka­pel­le wur­de Bauf­rei­heit ge­schaf­fen, das In­ven­tar ent­fernt, vier Zu­gan­ker auf zwei Ebe­nen ge­setzt, die nun das Ge­wöl­be tra­gen, und der al­te Fuß­bo­den durch Ter­ra­kot­taf­lie­sen er­setzt. Dar­auf auf­bau­end setz­te man im Jahr 2017 und 2018 das Re­stau­rie­rungs­kon­zept um, stell­te die al­ten De­cken­ma­le­rei­en wie­der her, rei­nig­te Kan­zel, Ge­mäl­de und Fürs­ten­em­po­re. Ins­ge­samt wur­den für die Si­che­rung und Re­stau­rie­rung 500 000 Eu­ro in­ves­tiert, hieß es. Da­von wur­den 120 000 Eu­ro vom Thü­rin­ger Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge und Archäo­lo­gie zur An­teils­fi­nan­zie­rung als Zu­wen­dung aus dem Thü­rin­ger Lan­des­haus­halt und dem Bun­des­haus­halt „In­ves­ti­tio­nen für na­tio­na­le Kul­tur­ein­rich­tun­gen in Ost­deutsch­land“be­wil­ligt. Ins­ge­samt 15 Fir­men aus der Re­gi­on wa­ren an den Ar­bei­ten be­tei­ligt. Doch längst sind nach die­sem Bau­ab­schnitt die Ar­bei­ten auf dem Schloss nicht ab­ge­schlos­sen. Beim Öff­nen ei­ner be­nach­bar­ten Wand ist man im Chi­nasa­lon auf Thü­rin­gens äl­tes­te Boh­len­wand aus dem Jahr 1402 ge­sto­ßen. Doch die­se wird wie­der ge­schlos­sen, um den ba­ro­cken Cha­rak­ter des Rau­mes zu er­hal­ten – die nächs­te gro­ße Auf­ga­be war­tet al­so be­reits.

In der Schloss­ka­pel­le un­ter der Fürs­ten­em­po­re: Re­stau­ra­tor Veit Grö­sch­ner, Si­mo­ne Bar­gel vom Land­rats­amt Saa­le-or­la-kreis, Sta­ti­ker Wolf­ram Sit­tel, Sa­bi­ne Ber­ner von der Denk­mal­schutz­be­hör­de und Mu­se­ums­di­rek­tor Sa­bi­ne Schemm­rich (von links).

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