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Thüringer Allgemeine (Eisenach) - - Eisenacher Allgemeine -

ie Zeit, sie rast. Das hört man vor al­lem äl­te­re Men­schen häu­fig sa­gen. Tat­säch­lich ver­geht die Zeit na­tür­lich nicht mal schnel­ler oder lang­sa­mer, son­dern im­mer gleich: Tick-tack, Tick-tack, Tick-tack. Das liegt an die­sem Atom und sei­ner Se­kun­de. Wie auch im­mer, die Uhr bleibt nicht ste­hen und so ist in noch nicht mal mehr vier Wo­chen Elf­ter­elf­ter, al­so der Be­ginn der när­ri­schen Zeit.

Beim Kirmes­um­zug in Ber­ka/ Wer­ra wa­ren die Mit­glie­der des ört­li­chen Kar­ne­vals­ver­eins ge­ra­de mas­siv ver­tre­ten und ha­ben da­bei Spick­zet­tel mit Ter­mi­nen ver­teilt. In Ber­ka wird 2019 näm­lich „60 Jah­re Kar­ne­val“ge­fei­ert. Das könn­te man theo­re­tisch auch auf der In­ter­net­sei­te des Ver­eins nach­le­sen. Die je­doch war ges­tern über wei­te Stre­cken lahm­ge­legt. In Ber­ka hat die Su­che nach ei­nem Prin­zen­paar der­weil schon be­gon­nen. Bis zum Elf­ten-elf­ten soll­te es pa­rat und bis zum 9. No­vem­ber schon be­kannt sein.

Dann näm­lich hat der Ver­ein Jah­res­haupt­ver­samm­lung. Man weiht aber mög­lichst we­ni­ge über Na­men ein, vor al­lem Frau­en nicht, wird be­haup­tet. Je mehr da­von wis­sen, des­to grö­ßer sei die Ge­fahr, dass sich ei­ne ver­plap­pert. Es soll al­ler­dings auch ge­schwät­zi­ge Ker­le ge­ben. Ei­se­nach. Ge­richts­gar­ten. So heißt das Bau­vor­ha­ben der drei In­ves­to­ren Ha­jo Schaub, Det­lef Ma­r­uhn und Mat­thi­as Bey­er­schu­bert, das die­se in der Frit­zer­be-stra­ße ver­wirk­li­chen. Der Na­me nimmt Be­zug dar­auf, dass es sich bei dem Ge­bäu­de­kom­plex um das ehe­ma­li­ge Un­ter­su­chungs­ge­fäng­nis des Amts­ge­richts Ei­se­nach han­delt. Die­ses ist 1908 er­rich­tet wor­den. Es han­delt sich um mas­si­ve Häu­ser mit Au­ßen­wän­den, die bis zu 60 Zen­ti­me­ter dick sind.

In den 1980er Jah­ren hat der volks­ei­ge­ne Be­trieb Fahr­zeu­ge­lek­trik Ruh­la (FER) im al­ten Ge­fäng­nis sein Bü­ro- und Ver­wal­tungs­ge­bäu­de ein­ge­rich­tet. Nach der Wen­de stand das Ob­jekt lan­ge Zeit leer, die Flä­chen drum­her­um sind als wil­der Park­platz ge­nutzt wor­den.

„Wir ha­ben das Ge­bäu­de 2017 er­wor­ben mit der Vi­si­on, ei­ne mo­der­ne, in­ner­städ­ti­sche Wohn­an­la­ge ent­ste­hen zu las­sen“, sagt Ar­chi­tekt Mat­thi­as Bey­er-schu­bert, der schon vor ei­ni­ger Zeit von Ber­lin nach Ei­se­nach ge­zo­gen ist, aber in Ber­lin zwei Ge­schäfts­part­ner für das Pro­jekt ge­win­nen konn­te. Sie grün­de­ten die „Ge­richts­gar­ten Ei­se­nach“Gm­bh & CO.KG, ei­ne Toch­ter­fir­ma der Ma­r­uhn Im­mo­bi­li­en Grup­pe. Ha­jo Schaub und Det­lef Ma­r­uhn wa­ren am Frei­tag vor Ort, als Richt­fest ge­fei­ert wor­den ist.

Der neue Dach­stuhl in Holz­ta­fel­bau­wei­se ist noch nicht ganz fer­tig ge­stellt. Auf dem par­al­lel zum Amts­ge­richt ste­hen­den Ge­bäu­de­teil wur­de er be­reits auf­ge­baut, auf dem da­zu quer ste­hen­den Teil fehlt er noch. Der al­te, mäch­ti­ge Dach­stuhl muss­te ab­ge­ris­sen wer­den, weil er zu Ddr-zei­ten mit Holz­schutz­mit­teln be­han­delt wor­den ist. Da im Dach­ge­schoss auch ei­ne Wohn­nut­zung vor­ge­se­hen ist. konn­ten die mit Che­mi­ka­li­en durch­tränk­ten Bal­ken nicht blei­ben. Hoch über den Dä­chern der In­nen­stadt wer­den fünf Woh­nun­gen mit Ter­ras­sen ent­ste­hen – ei­ni­ge da­von mit Wart­burg­blick. Oder mit Blick auf das Ge­richt. Die al­te Ver­bin­dungs­brü­cke, die von den Zel­len zum Rich­ter führ­te, exis­tiert noch. Sie wird zu ei­ner Log­gia für die sich an­schlie­ßen­de Woh­nung. Der Durch­gang zum Ge­richt ist na­tür­lich zu­ge­mau­ert. In den letz­ten Mo­na­ten ist der al­te Fer-fir­men­sitz bis auf das Grund­ge­rüst oder den Roh­bau „zu­rück­ge­baut wor­den“. Das ehe­ma­li­ge Ein­gangs­ge­bäu­de ist ab­ge­ris­sen. Wän­de und De­cken sind durch­bro­chen und ab­ge­bro­chen, Fens­ter aus­ge­baut und Ge­sim­se ab­ge­stemmt. Al­te Heiz­kör­per, Tü­ren, Ta­pe­ten und Tep­pi­che muss­ten wei­chen.

„Der Lärm­pe­gel nimmt jetzt ab“, sag­te Bey­er-schu­bert an die Adres­se der Nach­barn ge­rich­tet und be­dank­te sich gleich­zei­tig für de­ren Ge­duld. In den Dank schloss er die be­tei­lig­ten Fir­men – sie sind aus Thü­rin­gen und dem be­nach­bar­ten Hes­sen – so­wie die Stadt­ver­wal­tung ein.

Ge­plant sind 31 Woh­nun­gen mit ver­schie­de­ne Grö­ßen, von 50 bis 150 Qua­drat­me­ter. Sie sind für Singles eben­so ge­eig­net wie für Paa­re und Fa­mi­li­en. Auf­zü­ge wer­den ein­ge­baut. Da­durch wird ein Teil der Woh­nun­gen bar­rie­re­frei.

Mat­thi­as Bey­er-schu­bert spricht da­von, dass dort meh­re­re Ge­ne­ra­tio­nen un­ter ei­nem Dach woh­nen kön­nen. Die Pkw-stell­plät­ze wer­den auf dem Grund­stück ge­schaf­fen. Ei­ne La­de­sta­ti­on für Elek­tro­au­tos ist ge­plant.

Die neu­en Fas­sa­den ha­ben nach An­ga­ben des Ar­chi­tek­ten mo­derns­te Ener­gie­stan­dards, die sich po­si­tiv auf die Be­triebs­kos­ten aus­wir­ken. Je­de Woh­nung be­kommt ei­nen Bal­kon und wird mit ei­ner Ein­bau­kü­che aus­ge­stat­tet.

Die ers­ten Be­woh­ner sol­len im Herbst kom­men­den Jah­res in den „Ge­richts­gar­ten“ein­zie­hen.

Der Richt­kranz schwebt über dem Roh­bau in der Fritz-er­be-stra­ße. Er­rich­tet als Un­ter­su­chungs­ge­fäng­nis für das be­nach­bar­te Amts­ge­richts, wur­de das Ge­bäu­de in den er Jah­ren der Ver­wal­tungs­sitz von Fahr­zeu­ge­lek­trik Ruh­la. Jetzt ent­ste­hen  Woh­nun­gen un­ter­schied­li­cher Grö­ße. Fo­tos: Bir­git Schell­bach ()

So soll die in­ner­städ­ti­sche Wohn­la­ge na­mens „Ge­richts­gar­ten“in der Fritz-er­be-stra­ße ein­mal aus­se­hen. Ent­wurf: Bey­er-schu­bert Ar­chi­tek­ten

Die In­ves­to­ren Ha­jo Schaub (von links) Mat­thi­as Bey­er-schu­bert und Det­lef Ma­r­uhn auf der Bau­stel­le. Am Frei­tag ist dort Richt­fest ge­fei­ert wor­den.

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