Ge­biets­re­form per Geld

Thüringer Allgemeine (Erfurt-Land) - - Erste Seite -

Die Ge­biets­re­form in Thü­rin­gen ist na­he­zu tot. Die neu­en Kreis­struk­tu­ren sind ab­ge­sagt, die er­zwun­ge­nen Ge­mein­de­fu­sio­nen eben­so. Der Ko­ali­ti­on fehl­te nach dem Aus vor dem Ver­fas­sungs­ge­richt die nö­ti­ge Zeit, um ih­re Plä­ne durch­zu­set­zen – ganz zu schwei­gen von den ei­ge­nen Mehr­hei­ten.

Doch ein klit­ze­klei­nes­biss­chen lebt die Ge­biets­re­form ja noch. So wie frü­he­re CDU-ge­führ­te Re­gie­run­gen setzt Ro­tRot-Grün nun auf frei­wil­li­ge Zu­sam­men­schlüs­se. Ver­spro­chen wer­den Fu­si­ons­prä­mi­en, Struk­tur­bei­hil­fen und, das ist neu: die Teil­ent­schul­dung.

Die Vor­ga­ben sind zwar stren­ger als frü­her; zum Bei­spiel hat sich die Min­destein­woh­ner­zahl auf 6000 Ein­woh­ner ver­dop­pelt. Aber es gilt, wie ge­sagt, das Prin­zip Frei­wil­lig­keit.

Oder? Bei je­der Maß­nah­me und je­dem Ge­setz wer­den grö­ße­re Kom­mu­nen sys­te­ma­tisch be­vor­teilt. Ob es um die Staf­fe­lung der Lan­des­gel­der geht oder um In­ves­ti­tio­nen: Klei­ne Ge­mein­den be­kom­men pro Ein­woh­ner den Bruch­teil des­sen, was die Gro­ßen er­hal­ten – und die­ser Bruch­teil sinkt.

Wer­den die Kla­gen dar­über zu groß, bes­sert man zwar wie­der nach. Den­noch ist of­fen­kun­dig: Statt ei­ner Ge­biets­re­form per Ge­setz soll es ei­ne Ge­biets­re­form per Geld ge­ben. Das Kal­kül: Sind die Dör­fer plei­te, fu­sio­nie­ren sie schon von selbst.

Ge­wiss, es gibt in Thü­rin­gen zu vie­le klei­ne, lang­fris­tig nicht über­le­bens­fä­hi­ge Kom­mu­nen. Das Grund­kon­zept der Ge­mein­de­re­form bleibt da­her rich­tig, trotz al­ler ge­mach­ten po­li­ti­schen Feh­ler. Doch die­ses Ziel recht­fer­tigt nicht, dass das Land je­ne Städ­te und Dör­fer, die nicht ins ge­woll­te Ras­ter pas­sen, mit An­sa­ge ver­ar­men lässt.

Mar­tin De­bes über die fi­nan­zi­el­le Not­la­ge Thü­rin­ger Kom­mu­nen

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