Kein Par­don mit 80-Jäh­ri­gen we­gen 15 Me­tern Dif­fe­renz

Städ­ti­scher Ent­sor­ger will in Wei­mar we­gen ei­ner Sack­gas­se und de­ren Län­ge die Müll­ton­nen nicht am Grund­stück ab­ho­len

Thüringer Allgemeine (Erfurt-Land) - - Thüringen - Von Micha­el Baar

Wei­mar. Seit Mo­na­ten füh­ren Do­ro­thea und Her­mann Schra­der ei­ne Kor­re­spon­denz mit dem Kom­mu­nal­ser­vice der Stadt Wei­mar. Das Ehe­paar be­ruft sich auf die Ab­fall­sat­zung der Stadt und for­dert den Ent­sor­ger auf, die Ab­ho­lung der Müll­ton­nen wie­der am Grund­stück zu ge­währ­leis­ten. Der Kom­mu­nal­ser­vice ver­weist da­ge­gen auf den Ab­hol­platz. Heute Abend ist der Fall der Schra­ders des­halb so­gar Grund ei­ner An­fra­ge im Stadt­rat.

Seit 1995 woh­nen Do­ro­thea und Her­mann Schra­der in der Stra­ße In der Süh­ne. Ein Jahr spä­ter wur­de die Stra­ße zur Sack­gas­se. Seit­dem hat der städ­ti­sche Ab­fall­ent­sor­ger am An­fang der Stra­ße ei­nen Ab­hol­platz für die Müll­be­häl­ter ein­ge­rich­tet. Die­sen ha­ben die Schra­ders auch zwei Jahr­zehn­te ge­nutzt. Sie sind aber in­zwi­schen weit über 80 Jah­re alt und kön­nen die Müll­be­häl­ter nicht mehr zum Ab­hol­platz brin­gen.

Der Ver­weis auf ihr Al­ter und die Sat­zung hat bis­lang we­nig ge­nutzt. „Ihr Grund­stück be­fin­det sich am En­de ei­ner An­lie­ger­stra­ße oh­ne Wen­de­mög­lich­keit“, schreibt die Werk­lei­tung des städ­ti­schen Be­trie­bes in ih­rer jüngs­ten Ant­wort. „Wir als Ent­sor­gungs­be­trieb sind an­ge­hal­ten, Stra­ßen mit Ein­schrän­kun­gen, ins­be­son­de­re Sack­gas­sen oh­ne Wen­de­mög­lich­keit, auf ihr Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al zu prü­fen.“Das ha­be 1996 und noch ein­mal 2017 statt­ge­fun­den. Da­bei ha­be sich der Ab­hol­platz als rich­tig er­wie­sen, schreibt die Werk­lei­tung und be­dau­ert, kei­ne an­de­re Lö­sung an­bie­ten zu kön­nen.

Die Re­dak­ti­on frag­te im Rat­haus nach: Wor­in be­steht denn in die­ser re­la­tiv brei­ten An­lie­ger­stra­ße das Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al? Die Ant­wort ver­weist auf ei­ne Fül­le von Kri­te­ri­en, die in je­der Stra­ße zu be­ach­ten sind, und auf Vor­schrif­ten der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft.

Was aber fehlt der Stra­ße in der Süh­ne kon­kret? Ant­wort: „In der Süh­ne fehlt ei­ne für Ent­sor­gungs­fahr­zeu­ge mit ei­nem zu­läs­si­gen Ge­samt­ge­wicht von bis zu 26 Ton­nen aus­ge­leg­te Wen­de­mög­lich­keit am Stra­ße­n­en­de.“So muss es den Schra­ders seit Mo­na­ten er­gan­gen sein! Fra­gen und Ant­wor­ten im­mer im Kreis. Dann aber trifft die Stadt doch kon­kre­te­re Aus­sa­gen: Ge­gen das Rück­wärts­fah­ren in der Stra­ße spre­che, dass „an bei­den Längs­sei­ten des Müll­wa­gens durch­gän­gig ein Si­cher­heits­ab­stand von min­des­tens 0,5 Me­tern über die ge­sam­te Rück­fahr­stre­cke ein­zu­hal­ten“sei. Das Ent­sor­gungs­fahr­zeug be­nö­ti­ge 3,55 Me­ter Brei­te in­klu­si­ve Si­cher­heits­ab­stand. Die Stra­ße sei zwar 5,65 Me­ter breit, kön­ne den Si­cher­heits­ab­stand zu par­ken­den Fahr­zeu­gen aber nicht ge­währ­leis­ten.

Und wenn am Ab­hol­tag ein be­fris­te­tes Park­ver­bot ein­ge­rich­tet wür­de? Dann ge­be es ei­nen wei­te­ren Grund: „Die Stre­cke, die in Rück­wärts­fahrt zu­rück­ge­legt wird, darf nicht län­ger als 150 Me­ter sein. Bei ei­ner Län­ge von über 150 Me­ter nimmt die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit der Kraft­fah­rer ab und das Ri­si­ko der Ge­fähr­dung von Pas­san­ten oder par­ken­den Fahr­zeu­gen steigt. Bei der Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung vor Ort wur­de ei­ne Ge­samt­län­ge von 165 Me­ter er­mit­telt.“Jetzt kann die Re­dak­ti­on tat­säch­lich hel­fen. Wir ha­ben nach­ge­mes­sen: Bis zur Gren­ze der bei­den letz­ten Grundstücke, den Schra­ders und den Be­woh­nern ge­gen­über, sind es ma­xi­mal 140 Me­ter, je nach Mess­punkt. Das Ent­sor­gungs­fahr­zeug muss gar nicht 165 Me­ter bis ans En­de der Stra­ße fah­ren.

Wenn die Werk­lei­tung ih­re ei­ge­nen Aus­sa­gen ernst nimmt, kann sie in der Stra­ße In der Süh­ne auf den Ab­hol­platz ver­zich­ten. Zu­mal sie das of­fen­bar seit Jah­ren auch in an­de­ren Sack­gas­sen macht. Auf die Ant­wor­ten im Stadt­rat sind nun auch die Schra­ders ge­spannt.

Her­mann Schra­der will, dass sei­ne Müll­ton­nen In der Süh­ne  ab­ge­holt wer­den. Fo­to: Micha­el Baar

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