Ko­ali­ti­on reibt sich an Agrar­po­li­tik

Kon­trä­re Stand­punk­te zum Re­form­pa­pier zu EU-För­der­mit­teln zwi­schen Um­welt- und Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um. Frei­tag wird ab­ge­stimmt

Thüringer Allgemeine (Erfurt-Land) - - Thüringen - Von Volk­hard Pac­zul­la

Erfurt. Im Um­welt­aus­schuss des Bun­des­ra­tes stimmt Thü­rin­gen zu, ent­hält sich dann aber bei der Schluss­ab­stim­mung? Ge­nau so wird es am Frei­tag pas­sie­ren. Grü­ne Agrar­po­li­tik steht in der Ko­ali­ti­on recht al­lein da. Es geht um die EU-Agrar­sub­ven­tio­nen in der För­der­pe­ri­ode nach 2020, al­so um et­li­che Mil­li­ar­den Eu­ro. Auch der Bun­des­rat, in dem Thü­rin­gen vier Stim­men hat, nahm ein Re­form­pa­pier von EU-Land­wirt­schafts­kom­mis­sar Phil Ho­gan (Ir­land) un­ter die Lu­pe. Im Fach­aus­schuss für Um­welt schloss sich Thü­rin­gen der Ho­gan-Über­le­gung an, Di­rekt­zah­lun­gen nicht mehr wie bis­her vor al­lem an der Flä­chen­grö­ße der Agrar­be­trie­be aus­zu­rich­ten. Nach­den­ken sol­len die EU-Mit­glieds­län­der über Kap­pungs­gren­zen und nach oben ge­rin­ger wer­den­de Zah­lun­gen pro Hekt­ar. Dies zu un­ter­stüt­zen war im Fach­aus­schuss ei­ne Idee Hes­sens. Thü­rin­gen sprang bei und ver­half der Stel­lung­nah­me zu ei­ner Mehr­heit.

Das Er­fur­ter Agrar­mi­nis­te­ri­um war da­von nicht in­for­miert. Mi­nis­te­rin Bir­git Kel­ler (Lin­ke) re­agier­te ent­spre­chend ver­schnupft auf ei­nen Be­richt des MDR. Ihr Res­sort leh­ne Kap­pung und de­gres­si­ve Gestal­tung der Di­rekt­zah­lun­gen ab, sag­te sie. Das sei auch nicht die Po­si­ti­on der Lan­des­re­gie­rung.

Der MDR hat­te von der Ge­fahr be­rich­tet, dass den ver­gleichs­wei­se gro­ßen Thü­rin­ger Agrar­un­ter­neh­men meh­re­re Mil­lio­nen Eu­ro Ein­bu­ßen dro­hen wür­den und sprach von ei­nem Al­lein­gang der Um­welt­mi­nis­te­rin An­ja Sie­ges­mund (Grü­ne). Der AfD-Ab­ge­ord­ne­te Tho­mas Ru­dy er­reg­te sich über ei­ne Kom­pe­tenz­über­schrei­tung der Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin. Al­lein zu­stän­dig sei hier Agrar­mi­nis­te­rin Kel­ler. Nun ma­che sich Ro­tRot-Grün zur Lach­num­mer, wenn die Lan­des­re­gie­rung am Frei­tag zur Schluss­ab­stim­mung im Bun­des­rat ih­rem ei­ge­nen An­trag ei­ne Ab­fuhr er­tei­le. Das ist et­was über­trie­ben. Es han­delt sich nicht ein­mal um ei­nen An­trag. So­wohl der Um­welt- als auch der Agrar­aus­schuss der Län­der­kam­mer wa­ren auf­ge­for­dert, Stel­lung­nah­men zum Ho­gan-Pa­pier ab­zu­ge­ben. Zur 964. Sit­zung des Bun­des­rats am Frei­tag wer­den dann un­ter Ta­ges­ord­nungs­punkt 16 al­le 50 Zif­fern der Stel­lung­nah­me ein­zeln ab­ge­stimmt. Bei ab­wei­chen­den Stand­punk­ten in­ner­halb ei­ner Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on ist es üb­lich, sich der Stim­me zu ent­hal­ten. Den Streit in Erfurt um die künf­ti­ge Agrar­po­li­tik ver­such­te Rot-Rot-Grün ges­tern mög­lichst tief zu hän­gen. Un­ge­ach­tet des­sen of­fen­bart die Ko­ali­ti­on hier ei­nen Ge­gen­satz, der sich nicht mit Kom­pro­mis­sen über­tün­chen lässt. Aus grü­ner Sicht soll­ten die durch Kap­pung und De­gres­si­on frei wer­den­den EU­Gel­der im Land ver­blei­ben und Land­wir­ten in an­de­ren Pro­gram­men zur Ver­fü­gung ste­hen. Der Thü­rin­ger Bau­ern­ver­band lehnt das ge­nau­so ab wie Agrar­mi­nis­te­rin Kel­ler.

Thü­rin­gens Um­welt­mi­nis­te­rin An­ja Sie­ges­mund (Grü­ne) steht in der Kri­tik. Fo­to: Dirk Bern­kopf

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