Wie wei­ter nach Trumps Je­ru­sa­lem-Ent­schei­dung?

Bei ei­nem Fo­rum der Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung zu Je­ru­sa­lem pral­len die Mei­nun­gen auf­ein­an­der. Pa­läs­ti­nen­ser for­dern Auf­merk­sam­keit für La­ge in be­setz­ten Ge­bie­ten

Thüringer Allgemeine (Erfurt-Land) - - Thüringen - Von Han­no Mül­ler

Wei­mar. Fa­waz Abu Sit­ta macht aus sei­ner Ent­täu­schung kei­nen Hehl. Der Pa­läs­ti­nen­ser, der in den 1970ern in Leip­zig Ju­ra stu­dier­te und vor ei­ni­gen Jah­ren mit Fa­mi­lie vor dem Gaz­akrieg nach Deutsch­land floh, nennt die An­er­ken­nung Je­ru­sa­lems als Haupt­stadt Is­ra­els durch Do­nald Trump ei­nen Rück­schritt für die Re­gi­on und für sein Volk.

„Die USA dis­qua­li­fi­zie­ren sich da­durch als Ver­mitt­ler zwi­schen Pa­läs­ti­nen­sern und Is­rae­lis. Mein Volk war nach dem Frie­dens­pro­zess von Os­lo vol­ler Hoff­nung auf ei­nen ei­ge­nen, un­ab­hän­gi­gen Staat. Jetzt müs­sen die Pa­läs­ti­nen­ser er­neut fest­stel­len, dass sie über den Ver­hand­lungs­tisch ge­zo­gen wer­den“, sag­te Abu Sit­ta bei ei­nem Fo­rum zu Je­ru­sa­lem im Wei­ma­rer Ho­tel Ama­li­en­hof.

Ein­ge­la­den hat­te die FDP-na­he Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung. Un­ter dem Mot­to „Die Rei­se nach Je­ru­sa­lem – Wer kriegt den letz­ten Stuhl?“ging es um die Fra­ge, in­wie­weit Trumps Initia­ti­ve Be­we­gung in die Dis­kus­si­on um ei­nen Frie­dens­plan im Na­hen Os­ten brin­gen kann oder ob sie gar das En­de der Zwei-Staa­ten-Lö­sung be­sie­gelt?

Mit Abu Sit­ta dis­ku­tier­te Wal­ter Klitz. Bis En­de 2016 war er Di­rek­tor der Nau­mann-Stif­tung in Je­ru­sa­lem, zu­stän­dig für Is­ra­el und Pa­läs­ti­na. Er ha­be die Krie­ge von 2012 und 2014 mit­er­lebt, als Tau­sen­de Ra­ke­ten aus den Ga­za­strei­fen auf Is­ra­el ab­ge­feu­ert wur­den und auch sei­ne Bü­ro­mann­schaft im­mer wie­der in die Luft­schutz­kel­ler flüch­ten muss­te. Das sei kei­ne an­ge­neh­me Zeit ge­we­sen. Nie­mand kön­ne Is­ra­el ein be­rech­tig­tes Si­cher­heits­in­ter­es­se ab­spre­chen.

Klitz be­zeich­net die Ent­schei­dung Trumps als wis­sent­li­chen Ver­stoß ge­gen das Völ­ker­recht. „Aber ist es wirk­lich die ‚Ohr­fei­ge des Jahr­hun­derts‘, wie Pa­läs­ti­nen­ser­füh­rer Abas es nann­te? Oder han­delt es sich um ei­nen be­rech­tig­ten Schritt, wie es Trump aus­drück­te, weil er sei­nen Wäh­lern re­chen­schafts­pflich­tig sei, was in den letz­ten 40 oder 50 Jah­ren tat­säch­lich er­reicht wor­den ist?“, frag­te Klitz. Seit An­fang der 50er-Jah­re sei­en in die Pa­läs­ti­nen­ser­ge­bie­te über 100 Mrd. Eu­ro in­ves­tiert wor­den, was et­wa der Sum­me des Mar­schall­pla­nes für ganz We­st­eu­ro­pa ent­spricht. Wirk­li­che Ent­wick­lun­gen sei­en aber nicht er­kenn­bar. Vor ei­ni­ger Zeit hät­te be­reits Russ­land Ost­je­ru­sa­lem als Haupt­stadt ei­nes Pa­läs­ti­nen­ser­staa­tes an­er­kannt. Je­ru­sa­lem sei aber auch kei­ne al­lei­ni­ge pa­läs­ti­nen­si­sche Stadt.

In der Dis­kus­si­on prall­ten die Mei­nun­gen auf­ein­an­der. Pa­läs­ti­nen­ser klag­ten mehr Auf­merk­sam­keit für die La­ge der Men­schen un­ter is­rae­li­scher Be­sat­zung ein. Ein Mann for­der­te, dass auch Deutsch­land sei­ne Bot­schaft nach Je­ru­sa­lem ver­le­gen sol­le, um zu zei­gen, dass es zu Is­ra­el steht. „Auf bei­den Sei­ten muss wie­der Ver­nunft ein­zie­hen und nach Lö­sun­gen für den Frie­den ge­sucht wer­den“, so schließ­lich das Fa­zit der Run­de.

Das Luft­bild, nach dem das Land­wirt­schafts­amt für Flur­stück / ent­schied: kei­ne land­wirt­schaft­li­che Nut­zung. (Er­läu­te­run­gen „Ge­wächs­häu­ser“und „Ga­ra­gen“durch TA) Gra­fik: Andre­as Wet­zel

Fo­rum der Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung zu Je­ru­sa­lem mit dem Pa­läs­ti­nen­ser Fa­waz Abu Sit­ta und Stif­tungs­ver­tre­ter Wal­ter Klitz (am Pult) , der lan­ge in Je­rus­la­em leb­te. Fo­to: FNS

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