Thü­rin­ger Wirt­schaft ha­dert mit Ener­gie­wen­de

Kri­tik an stei­gen­den Strom­prei­sen und zu­neh­men­der Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Aus­bil­dungs­plät­ze blei­ben un­be­setzt

Thüringer Allgemeine (Erfurt-Land) - - Wirtschaft - Von Pe­ter Rat­hay

Erfurt. Auch wenn die Stim­mung in der Thü­rin­ger Wirt­schaft der­zeit blen­dend ist, stei­gen­de Strom­prei­se be­rei­ten den Un­ter­neh­mern zu­neh­mend Sor­ge. „Rund 84 Pro­zent der be­frag­ten Fir­men in Thü­rin­gen se­hen be­reits ih­re Wett­be­werbs­fä­hig­keit be­droht“, er­klär­te die Prä­si­den­tin des Bun­des­ver­ban­des Ke­ra­mi­sche In­dus­trie, Sybille Kai­ser, die gleich­zei­tig Ge­schäfts­füh­re­rin der Por­zel­lan­fa­brik Herms­dorf ist.

Im bun­des­wei­ten Ver­gleich liegt der Frei­staat bei den Strom­prei­sen be­reits auf Platz fünf – 12,41 Cent wer­den pro Ki­lo­watt­stun­de fäl­lig. „Ei­ne Fir­ma in Bay­ern oder im Saar­land muss bei glei­chem Strom­ein­satz deut­lich we­ni­ger zah­len“, kri­ti­sier­te Kai­ser wei­ter. Die­ser Fakt spie­le bei In­ves­ti­tio­nen und Stand­ort­ent­schei­dun­gen ei­ne ent­schei­den­de Rol­le.

Schuld an der Mi­se­re sei letzt­end­lich die Po­li­tik, da ist man sich in der Wirt­schaft ei­nig. Die Fol­ge, dass ein­zel­ne Fir­men in den ver­gan­ge­nen Jah­ren be­reits Un­ter­bre­chun­gen der Strom­ver­sor­gung er­le­ben muss­ten. Selbst wenn die­se nur Se­kun­den­bruch­tei­le dau­ern, könn­ten dar­aus im­men­se Hart­mut Koch,

Prä­si­dent des Ver­ban­des der Wirt­schaft Thü­rin­gens Schä­den für die Pro­duk­ti­on ent­ste­hen. Ein zwei­stün­di­ger Aus­fall des Stroms in Thü­rin­gen wür­de bei­spiels­wei­se al­lein im ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be zu ei­nem fi­nan­zi­el­len Ver­lust von über zehn Mil­lio­nen Eu­ro füh­ren, er­ga­ben Be­rech­nun­gen.

Vie­le der Thü­rin­ger Fir­men hät­ten sich des­halb ge­gen Strom­aus­fäl­le oder Schwan­kun­gen in der Span­nungs­ver­sor­gung mit ei­nem ei­ge­nen Not­fall­sys­te­men ab­ge­si­chert. „Aber auch das ver­ur­sacht Zu­satz­kos­ten – wir spre­chen von Sum­men ab 100 000 Eu­ro.“

Strom hin oder her, auch in die­sem Jahr er­war­tet die Wirt­schaft ei­nen wei­te­ren Auf­wärts­trend, be­stä­tig­te Hart­mut Koch vom Ver­band der Wirt­schaft Thü­rin­gens. Ei­ner Um­fra­ge zu­fol­ge ge­hen 30 Pro­zent der Fir­men da­von aus, dass sich das ers­te Halb­jahr 2018 noch bes­ser ent­wi­ckeln wird als der Vor­jah­res­zeit­raum. „Des­halb bleibt auch die Nach­fra­ge nach Ar­beits­kräf­ten un­ver­än­dert hoch“, er­klär­te Koch wei­ter. Auch wenn im­mer mehr Fir­men Nach­wuchs aus­bil­den, be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr blie­ben 19 Pro­zent al­ler Plät­ze un­be­setzt. „Fach­kräf­te zu hal­ten und zu ge­win­nen , ist und bleibt ei­ne der zen­tra­len Her­aus­for­de­run­gen für die Thü­rin­ger Wirt­schaft in den kom­men­den Jah­ren.“

An­ge­sichts zahl­rei­cher an­ste­hen­der Pro­ble­me hof­fen die Un­ter­neh­men auf Rü­cken­wind durch die Lan­des- und Bun­des­po­li­tik, er­gab die VWT-Um­fra­ge wei­ter. Dem­nach for­dern 68 Pro­zent der Thü­rin­ger Fir­men hö­he­re In­ves­ti­tio­nen, da­mit die Wirt­schaft wei­ter sti­mu­liert wird, ge­folgt von Steu­er­sen­kun­gen (56 Pro­zent) und dem ra­schen Ab­bau des Haus­halts­de­fi­zits (45 Pro­zent). Hin­zu kommt der Ruf nach ei­ner Ver­bes­se­rung der In­fra­struk­tur, nach ver­stärk­ten Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­ten so­wie nach ei­nem be­schleu­nig­ten Breit­band­aus­bau.

„Die Wirt­schafts­stim­mung in Thü­rin­gen ist so gut wie lan­ge nicht.“

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