Ärz­te sol­len min­des­tens 30 Kas­sen­pa­ti­en­ten pro Wo­che be­han­deln

Kran­ken­kas­sen­ver­band for­dert Uni­on und SPD auf, den Me­di­zi­nern ein fes­tes Kon­tin­gent vor­zu­schrei­ben

Thüringer Allgemeine (Erfurt-Land) - - Politik - Von Phil­ipp Ne­u­mann

Ber­lin. Der größ­te Bro­cken, den Uni­on und SPD auf dem Weg zu ei­ner gro­ßen Ko­ali­ti­on bei­sei­te räu­men müs­sen, ist das The­ma Ge­sund­heit. Die SPD will er­rei­chen, dass sich ge­setz­li­che und pri­va­te Ver­si­che­run­gen noch wei­ter an­glei­chen. CDU und CSU wol­len den ak­tu­el­len Stand er­hal­ten – und wis­sen, dass das wohl nicht zu hal­ten sein wird.

Die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen ver­fol­gen die Ver­hand­lun­gen auf­merk­sam. Den Vor­schlag der SPD, den Ärz­ten mehr Ho­no­rar für die Be­hand­lung von Kas­sen­pa­ti­en­ten zu zah­len, leh­nen sie ab: Sie be­fürch­ten hö­he­re Kos­ten. Der Vi­zechef des obers­ten Kran­ken­kas­sen­ver­bands, Jo­hann-Magnus von St­a­ckel­berg, macht nun ei­nen Vor­schlag, der kei­ne Ex­tra-Aus­ga­ben ver­ur­sacht: „Ein Arzt, der ei­ne vol­le Zu­las­sung für die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung hat, soll­te zu­künf­tig min­des­tens 30 Sprech­stun­den wö­chent­lich für ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te an­bie­ten müs­sen“, sag­te von St­a­ckel­berg die­ser Re­dak­ti­on. Sei­ne Be­grün­dung: Die ge­setz­lich Ver­si­cher­ten – und da­mit 90 Pro­zent der Be­völ­ke­rung – fi­nan­zier­ten die In­fra­struk­tur un­se­res Ge­sund­heits­we­sens. Nur durch die Bei­trä­ge der 72 Mil­lio­nen Kas­sen­pa­ti­en­ten sei auch für Pri­vat­ver­si­cher­te ei­ne flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mög­lich.

Wer sich als Arzt nie­der­las­se, ent­schei­de sich da­für, ge­setz­lich Ver­si­cher­te be­han­deln zu dür­fen, be­grün­de­te der Ver­bands­vi­ze sei­ne Po­si­ti­on: „Wir wol­len, dass die be­vor­zug­te Ver­ga­be von Ter­mi­nen an Pri­vat­ver­si­cher­te künf­tig als Ver­stoß ge­gen die Pflich­ten ei­nes Kas­sen­arz­tes gilt und von den Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen sank­tio­niert wer­den muss.“

Hin­ter der For­de­rung steht die Sor­ge, dass es meh­re­re Mil­li­ar­den Eu­ro kos­ten wür­de, wenn die Ho­no­ra­re, die Ärz­te für die Be­hand­lung von Pri­vat­und für Kas­sen­pa­ti­en­ten be­kom­men, an­ge­gli­chen wer­den. Ex­per­ten ge­hen da­von aus, dass durch ei­ne ein­heit­li­che Ge­büh­ren­ord­nung der Bei­trags­satz zur Kran­ken­ver­si­che­rung um bis zu 0,6 Pro­zent­punk­te auf 16 bis 16,2 Pro­zent vom Brut­to stei­gen könn­te. Kas­sen­ver­bands­vor­stand von St­a­ckel­berg lehnt das auch aus ei­nem an­de­ren Grund ab: „Von 2011 bis 2015 sind die Arzt­ho­no­ra­re um 21 Pro­zent ge­stie­gen“, rech­net er vor. Wenn das Ho­no­rar stei­gen sol­le, dann hal­te man es „für selbst­ver­ständ­lich“, dass das nicht oh­ne bes­se­re Leis­tun­gen geht.

VW hat Tho­mas Steg vor­erst be­ur­laubt. Fo­to: dpa

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