Bun­des­tag be­schließt Pfle­ge­re­form

Hö­he­re Aus­ga­ben für Si­cher­heit ge­plant FDP for­dert Da­ten­aus­tausch Neu­er Vi­ze in Karls­ru­he

Thüringer Allgemeine (Erfurt-Land) - - Politik -

WKa­ta­ri­na Bar­ley (SPD), Jus­tiz­mi­nis­te­rin

MFran­zis­ka Gif­fey (SPD), Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin

MNi­co­la Beer (FDP), Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin

FAn­na­le­na Ba­er­bock, Par­tei­vor­sit­zen­de Bünd­nis 90/Grü­ne

FOKat­ja Kip­ping, Par­tei­che­fin Die Lin­ke

OA­li­ce Wei­del (AfD), Frak­ti­ons­che­fin

MJu­lia Klöck­ner (CDU), Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ber­lin. Ber­lin. Ber­lin.

Wer die Frau­en nicht über­zeugt, kann kei­ne Wah­len ge­win­nen. Das weiß kei­ner bes­ser als die CDU: Von 100 Deut­schen, die bei der letz­ten Bun­des­tags­wahl die CDU äh­len Frau­en an­ders? Das war ei­ne Sor­ge der Män­ner, die Frau­en lan­ge Zeit ver­wehr­ten zu wäh­len. Sie wür­den emo­tio­na­ler, we­ni­ger fak­ten­ba­siert und be­re­chen­bar wäh­len. Ich ant­wor­te mit ei­ner Ge­gen­fra­ge: War­um ist das wich­tig? Was wich­tig ist, ist, dass Frau­en wäh­len, dass sie Po­li­tik ma­chen, dass sie ih­re Stim­me laut hör­bar er­he­ben und ein für al­le Mal klar­ma­chen: Mein Ge­schlecht tut nichts zur Sa­che, mei­ne Mei­nung schon! Dass Par­tei­en wie die AfD eher we­ni­ger vonFrau­en ge­wählt wer­den, ob­wohl Frau­en und Män­ner gleich häu­fig rechts­po­pu­lis­tisch ein­ge­stellt sind, stimmt mich den­noch zu­ver­sicht­lich.“ ir ist wich­tig, dass Frau­en wäh­len ge­hen und dass mehr Frau­en für po­li­ti­sche Äm­ter kan­di­die­ren und ge­wählt wer­den. Dann be­wegt sich näm­lich auch mehr für Frau­en. Der­zeit sind Frau­en in kei­nem Par­la­ment in Deutsch­land gleich­be­rech­tigt ver­tre­ten. Im Bun­des­tag ist der Frau­en­an­teil nach der letz­ten Wahl um sechs Pro­zent auf 31 Pro­zent ge­sun­ken – das sind so we­ni­ge Frau­en wie vor 20 Jah­ren. Gleich­be­rech­ti­gung muss im­mer wie­der neu er­kämpft wer­den und ist noch längst nicht selbst­ver­ständ­lich. Heu­te geht es um glei­chen Lohn für glei­che Ar­beit, um die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf, um die Auf­wer­tung der so­zia­len Be­ru­fe und um den Schutz vor Ge­walt. Da­für müs­sen Frau­en sich ein­mi­schen und beiWah­len ih­re Stim­me ab­ge­ben.“ ei­ne Er­fah­rung ist: Frau­en wä­gen die Ar­gu­men­te bei ih­rer Wah­l­ent­schei­dung eben­so klug und ver­nünf­tig wie Män­ner ab. Oder eben nicht. Un­se­re De­mo­kra­tie wird von al­len Bür­gern und Bür­ge­rin­nen aus tie­fer Über­zeu­gung ge­tra­gen. Des­halb­bi­nich­stolz,dass­wir­jetzt­schon­seit100 Jah­ren glei­ches Wahl­recht für al­le ha­ben.“ ge­wählt ha­ben, wa­ren 57 Frau­en. Auch bei den Grü­nen war der Stim­men­an­teil der Frau­en deut­lich hö­her als bei den Män­nern. Die SPD wur­de von Frau­en und Män­nern glei­cher­ma­ßen ge­wählt. Die AfD da­ge­gen pro­fi­tier­te deut­lich stär­ker von männ­li­chen Fo­to: Imago, Jür­gen Hein­rich Wäh­lern, auch bei FDP und Lin­ke mach­ten mehr Män­ner als Frau­en ihr Kreuz. Doch heißt das, dass Frau­en grund­sätz­lich an­ders wäh­len als Män­ner?100 Jah­re nach der Ein­füh­rung des Frau­en­wahl­rechts am 12. No­vem­ber 1918 woll­ten rau­en wäh­len so, wie sie es für rich­tig hal­ten. Viel in­ter­es­san­ter als die Fra­ge, wie Frau­en wäh­len, ist aber doch, war­um im­mer noch so we­ni­ge Frau­en in den Par­la­men­ten sind. 100 Jah­re nach Ein­füh­rung des Frau­en­wahl­rechts ist nur je­de drit­te Ab­ge­ord­ne­te im Bun­des­tag weib­lich.Das ist ei­ne de­sas­trö­se Bi­lanz.Da­her ist ei­ne Quo­te zen­tral.“ wir wis­sen, was je­ne Frau­en da­zu den­ken, die sich den gan­zen Tag mit Po­li­tik be­fas­sen, mit vie­len Bür­ge­rin­nen spre­chen – aber auch selbst Wäh­le­rin­nen sind. Das Er­geb­nis: sie­ben Ant­wor­ten, sie­ben Sicht­wei­sen. b Frau­en an­ders wäh­len, ist ei­ne mü­ßi­ge Fra­ge. Ent­schei­dend ist, dass sie die glei­chen Rech­te ha­ben wie Män­ner und wie al­le, die nicht in die zwei Ge­schlech­ter­ord­nun­gen pas­sen. Das Wahl­recht von Frau­en ist ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Die­se Selbst­ver­ständ­lich­keit muss­te hart er­kämpft wer­den. An die­ser Tra­di­ti­on des selbst­be­wuss­ten Er­kämp­fens gilt es auch heu­te an­zu­knüp­fen, wenn wir wei­te­re Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten er­kämp­fen. Oder an­ders­rum: Auch Män­ner ha­ben ein Recht dar­auf, je­de zwei­te Win­del zu wech­seln und je­den zwei­ten El­tern­abend wahr­zu­neh­men. Im Ge­gen­zug könn­ten wirFrau­en sie dann bei den gut be­zahl­ten, schwe­ren, ver­ant­wor­tungs­vol­len Füh­rungs­po­si­tio­nen zur Hälf­te ent­las­ten.“ b Frau­en an­ders wäh­len als Män­ner? Das kann ich nicht be­ur­tei­len. Denn als Mann ha­be ich noch nicht ge­wählt. Ich kann le­dig­lich be­ur­tei­len, was mir bei der Aus­wahl von Per­so­nen wich­tig ist: Dass sie und ih­re Aus­sa­gen, ih­re Zie­le, das Auf­tre­ten stim­mig sind. Kopf und Bauch spie­len ei­ne Rol­le. Bei Män­nern si­cher auch. Aber es kann durch­aus sein, dass ei­ni­ge Män­ner we­ni­ger auf das ver­mit­teln­de Ele­ment, das ei­ni­ge Po­li­ti­ke­rin­nen be­sit­zen, Wert le­gen, son­dern mehr auf ab­so­lu­te, mar­ki­ge Aus­sa­gen. Das sind aber Ste­reo­ty­pe. Was ich aber schon glau­be: Wenn im­mer mehr Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen in der Po­li­tik sind, dass sich Män­ner nach Män­nern als Füh­rungs­per­son seh­nen, weil sie schlicht­weg über Jahr­zehn­te ein an­de­res Bild ge­wohnt wa­ren. Aber es ist ei­ne Fra­ge der Zeit. 100 Jah­re Frau­en­wahl­recht sind Grund zum Fei­ern, aber auch im­mer wie­der zum un­gläu­bi­gen Kopf­schüt­teln: Wirk­lich, erst seit 100 Jah­ren? Wel­che Un­gleich­heit und Un­ge­rech­tig­keit über Jahr­hun­der­te herrsch­ten und wie un­klug es war, auf die Ta­len­te von Frau­en in der Po­li­tik zu ver­zich­ten! Das, was Ge­ne­ra­tio­nen vor uns für die Frau­en er­kämpft ha­ben, soll­ten wir heu­te nicht leicht­fer­tig auf­ge­ben. Die Rol­le der Frau ist ein Seis­mo­graf für die Ent­wick­lung in ei­ner Ge­sell­schaft, für die De­mo­kra­tie­fes­tig­keit – und ge­nau des­halb soll­ten wir auch ver­stärkt Wert auf die gleich­wer­ti­ge Rol­le der Frau­en un­ter den Mi­gran­ten Wert le­gen.“ rau­en be­ob­ach­ten die po­li­ti­schen Pro­zes­se sehr kri­tisch und wä­gen ih­re Ent­schei­dun­gen stark ab. Wich­ti­ges Kri­te­ri­um für die meis­ten west­li­chen Frau­en ist die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Kar­rie­re. Die Po­li­tik muss dar­auf ei­ne Ant­wort ge­ben kön­nen und ei­ne po­si­ti­ve Vi­si­on zeich­nen, um die Teil­ha­be an po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen zu för­dern.“ Fo­to: Imago,Hein­richDer Bun­des­tag hat das Pfle­ge­pa­ket der gro­ßen Ko­ali­ti­on be­schlos­sen, mit dem die Ar­beits­be­din­gun­gen in der Al­ten­und Kran­ken­pfle­ge ver­bes­sert wer­den sol­len. Im Rah­men ei­nes So­fort­pro­gramms wer­den 13.000 zu­sätz­li­che Stel­len in Al­ten­hei­men ge­schaf­fen – 5000 mehr als im Ko­ali­ti­ons­ver­trag vor­ge­se­hen. Fi­nan­ziert wer­den sol­len die­se wie auch die meis­ten an­de­ren Maß­nah­men von der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung.Au­ßer­dem zurr­te der Haus­halts­aus­schuss des Bun­des­tags den Bun­des­etat für das kom­men­de Jahr fest. Der Bun­des­haus­halt 2019 sieht Aus­ga­ben in Hö­he von 356,4 Mil­li­ar­den Eu­ro vor, 400 Mil­lio­nen Eu­ro we­ni­ger als von Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) vor­ge­se­hen. Neue Schul­den soll es wei­ter­hin nicht ge­ben. Durch Ein­spa­run­gen ge­won­ne­ne Spiel­räu­me sol­len für in­ne­re und äu­ße­re Si­cher­heit ge­nutzt wer­den. Der Aus­schuss be­wil­lig­te zu­dem die Mit­tel für das Über­set­zen von Bun­des­tags­de­bat­ten durch Ge­bär­den­dol­met­scher und Un­ter­ti­te­lung. Ge­hör­lo­se sol­len so zu­künf­tig al­le on­line über­tra­ge­nen De­bat­ten bar­rie­re­frei ver­fol­gen kön­nen.Am Don­ners­tag­abend wur­de ein Ge­setz ver­ab­schie­det, dass an­er­kann­te Flücht­lin­ge da­zu ver­pflich­tet, am Wi­der­rufs­ver­fah­ren zur Klä­rung ih­res Asyl­sta­tus mit­zu­wir­ken. Er­schei­nen Flücht­lin­ge im Wi­der­rufs­ver­fah­ren nicht bei Amts­ter­mi­nen, kann ein Zwangs­geld ver­hängt wer­den. (afp/tma)Die FDP hat von Groß­bri­tan­ni­en die vol­le Ein­hal­tung der Grund­rech­te und des Da­ten­schut­zes auch nach dem Br­ex­it ver­langt. „Die EU und Deutsch­land ha­ben ein gro­ßes In­ter­es­se dar­an, dass es nach dem Br­ex­it ei­ne Si­cher­heits­ko­ope­ra­ti­on gibt“, sag­te der in­nen­po­li­ti­sche Spre­cher der FDP-Frak­ti­on, Kon­stan­tin Kuh­le, un­se­rer Re­dak­ti­on. Die Zu­sam­men­ar­beit von Po­li­zei und Nach­rich­ten­diens­ten im Kampf ge­gen Ter­ro­ris­ten und or­ga­ni­sier­te Kri­mi­nel­le er­for­de­re auch ei­nen Aus­tausch von sen­si­blen Da­ten. Kuh­le hebt her­vor: „Der Br­ex­it darf nicht zu ei­nem Aus­ver­kauf der Bür­ger­rech­te füh­ren.“Die FDP-Frak­ti­on for­dert die Bun­des­re­gie­rung und die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on in ei­nem An­trag da­zu auf, bei ei­ner Ko­ope­ra­ti­on mit den Bri­ten nach dem Br­ex­it die Grund­rech­te­char­ta und die EU-Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ein­zu­hal­ten. (cu)Ste­phan Har­b­arth soll neu­er Vi­ze­prä­si­dent und spä­ter Prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerG) wer­den. Wie die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung“be­rich­tet, ha­ben sich dar­auf die Frak­ti­ons­füh­run­gen von Uni­on, SPD, Grü­nen und FDP ge­ei­nigt. Har­b­arth ist An­walt und Vi­ze-Chef der Uni­ons­frak­ti­on; er folgt als Vor­sit­zen­der des Ers­ten Se­nats in Karls­ru­he auf Fer­di­nand Kirch­hof. Tur­nus­ge­mäß wür­de er dann nach dem Aus­schei­den von Prä­si­dent Andre­as Voß­kuh­le Prä­si­dent des BVerG. (red)

Der Haus­halt fällt klei­ner aus als von Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz ge­plant. Fo­to:imago

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