Je­der zehn­te Po­li­zist in Thü­rin­gen ist krank

S Laut ei­ner Stu­die der Ge­werk­schaft be­las­ten fast die Hälf­te der Be­diens­te­ten psy­chi­sche Pro­ble­me

Thüringer Allgemeine (Erfurt) - - Erste Seite - Von Kai Mu­dra

Er­furt. In Thü­rin­gen sind über­durch­schnitt­lich vie­le Po­li­zis­ten er­krankt. Mit mehr als zehn Pro­zent er­reich­te die Quo­te im Vor­jahr nach An­ga­ben von In­nen­mi­nis­ter Ge­org Mai­er (SPD) ei­nen neu­en Hö­he­punkt.

Da­mit liegt der Kran­ken­stand bei der Po­li­zei et­wa dop­pelt so hoch wie bei der üb­ri­gen Be­völ­ke­rung im Frei­staat. Laut AOK er­krank­ten 2017 in Thü­rin­gen durch­schnitt­lich sechs Pro­zent ih­rer Mit­glie­der. Ähn­li­che Wer­te nennt auch die Bar­mer.

Be­reits vor acht Jah­ren hat­te das In­nen­mi­nis­te­ri­um – noch un­ter CDU-Füh­rung – ver­sucht, bei der Po­li­zei ein Ge­sund­heits­ma­nage­ment ein­zu­füh­ren. Da­mals lag der Kran­ken­stand bei 8,8 Pro­zent. Auf die Be­am­ten um­ge­rech­net, fehlt täg­lich fast das kom­plet­te Per­so­nal ei­ner Lan­des­po­li­zei­in­spek­ti­on zur Er­fül­lung der Auf­ga­ben.

Doch das ist nicht die ein­zi­ge schlech­te Nach­richt zum Ge­sund­heits­zu­stand der Thü­rin­ger Po­li­zei. Ak­tu­ell legt die Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP) ei­ne Be­fra­gung zu ge­sun­der Ar­beit und wie die­se er­reicht wer­den kön­ne vor. Da­nach ist für knapp die Hälf­te der Thü­rin­ger Po­li­zis­ten (46 Pro­zent) ihr Di­enst psy­chisch be­las­tend. Nicht nur weil sich das Be­dro­hungs­po­ten­zi­al ge­gen­über den Be­am­ten ver­stärkt ha­be, son­dern auch, weil in­ter­ne Ar­beits­ab­läu­fe und Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren den Di­enst er­schwe­ren. Al­lein dar­aus er­ge­ben sich „ne­ga­ti­ve Be­an­spru­chun­gen und ho­he Be­las­tun­gen“bei der Po­li­zei, fasst die Leip­zi­ger Ge­sund­heits­wis­sen­schaft­le­rin Ma­ry Lind­ner die Er­kennt­nis­se der von ihr er­stell­ten Stu­die zu­sam­men. So ge­hö­re die Angst der Be­am­ten vor sin­ken­dem Re­spekt ih­nen ge­gen­über bei der Po­li­zei in­zwi­schen zur Rea­li­tät. Das sei aber nur ei­nes der Bei­spie­le für rea­le Ge­fah­ren, die die Be­am­ten se­hen. Die Ex­per­tin ver­weist da auf wi­der­sprüch­li­che An­for­de­run­gen an die Be­am­ten wäh­rend ih­res Di­ens­tes, aber auch die wach­sen­de Ar­beits­in­ten­si­tät so­wie feh­len­de So­zi­al­leis­tun­gen oder Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten.

Aus die­sem Pro­blem könn­ten sich dau­er­haft psy­chi­sche Er­kran­kun­gen ent­wi­ckeln, warnt GdP-Lan­des­chef Kai Christ. Er kün­digt als ei­ne der Kon­se­quen­zen aus den Er­kennt­nis­sen der Stu­die ei­ne „psy­chi­sche Ge­fähr­dungs­ana­ly­se“an. Sie soll die Ge­fah­ren für die Po­li­zis­ten deut­lich ma­chen, da­mit die­sen wirk­sa­mer be­geg­net wer­den kön­ne. Zu­dem will die GdP wei­ter auf mehr Per­so­nal drän­gen.

Der In­nen­mi­nis­ter sieht ne­ben den ge­nann­ten Ur­sa­chen auch im ho­hen Durch­schnitts­al­ter der Po­li­zei Grün­de für die vie­len Kran­ken. Die Per­so­nal­aus­stat­tung soll sich in den kom­men­den Jah­ren deut­lich ver­bes­sern, kün­digt er an. In Aus­rüs­tung und Aus­stat­tung sei in den Vor­jah­ren be­reits viel in­ves­tiert wor­den. Ge­org Mai­er bie­tet der Ge­werk­schaft zu­dem an, ei­ne Di­enst­ver­ein­ba­rung zum Ge­sund­heits­ma­nage­ment bei der Po­li­zei ab­zu­schlie­ßen. Er greift auch die For­de­rung nach Kin­der­gär­ten bei der Po­li­zei auf. Viel­leicht kön­ne in die­sem Punkt in Er­furt mit der Bun­des­wehr zu­sam­men­ge­ar­bei­tet wer­den, so Mai­er. a

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