Thü­rin­gen mit stärks­tem Lohn­plus im zu­rück­lie­gen­den Jahr­zehnt

Gro­ße re­gio­na­le Un­ter­schie­de in­ner­halb des Lan­des bei den Ein­kom­men. Lohn­ni­veau als wich­ti­ger Stand­ort­fak­tor

Thüringer Allgemeine (Ilmenau) - - Erste Seite - Von Bernd Jentsch

Er­furt. Die Löh­ne sind in den zu­rück­lie­gen­den zehn Jah­ren in Thü­rin­gen deut­lich stär­ker an­ge­stie­gen als im Durch­schnitt der neu­en Bun­des­län­der und in Deutsch­land ins­ge­samt.

So leg­te das mitt­le­re Ein­kom­men der männ­li­chen Voll­zeit­be­schäf­tig­ten in Deutsch­land von 2007 bis 2017 um 19,6 Pro­zent zu, in Ost­deutsch­land be­trug das Lohn­plus 28,2 Pro­zent und in Thü­rin­gen 30,5 Pro­zent.

Das geht aus ak­tu­el­len Da­ten der Bun­des­agen­tur für Ar­beit her­vor. Sie be­le­gen die­sen Trend auch für die voll­zeit­be­schäf­tig­ten Frau­en. De­ren mitt­le­re Ein­kom­men stei­ger­ten sich im Ver­gleichs­zeit­raum in Deutsch­land um 32,7 Pro­zent, in Ost­deutsch­land lag das Plus bei 38,0 Pro­zent und in Thü­rin­gen so­gar bei 39,9 Pro­zent.

„Der pro­zen­tua­le An­stieg der Ent­gel­te in den letz­ten Jah­ren fällt na­tür­lich in Thü­rin­gen deut­li­cher aus als im Wes­ten, weil die Aus­gangs­ba­sis im Frei­staat we­sent­lich nied­ri­ger war. Ins­ge­samt ha­ben die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer in Thü­rin­gen von der sta­bi­len und gu­ten Kon­junk­tur pro­fi­tiert. Die Ar­beits­lo­sig­keit ist ge­sun­ken und Be­schäf­ti­gung ge­wach­sen“, sag­te der Chef der Ar­beits­agen­tu­ren im Frei­staat, Kay Se­ni­us.

Auch der Min­dest­lohn ha­be zur Ent­gelt­stei­ge­rung bei­ge­tra­gen. „Der An­stieg der Brut­to­mo­nats­ent­gel­te spie­gelt die sta­bi­le wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung Thü­rin­gens in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wie­der“so Se­ni­us.

Al­ler­dings zei­ge sich noch im­mer ei­ne gro­ße Lü­cke zu den Ent­gel­ten in den west­deut­schen Bun­des­län­dern. Thü­rin­gen lie­ge bei den Ent­gel­ten noch weit un­ter dem deut­schen und leicht un­ter dem ost­deut­schen Schnitt.

Ur­sa­chen da­für sieht Se­ni­us in der klein­tei­li­gen Wirt­schafts­struk­tur in Thü­rin­gen. „Es gibt im Frei­staat we­ni­ger Groß- und Kon­zern­un­ter­neh­men, die in der Re­gel ta­rif­ge­bun­den sind und wo die Ge­häl­ter des­halb oft hö­her sind. Auch ins­ge­samt ist die Ta­rif­bin­dung in Thü­rin­gen nied­ri­ger als et­wa in west­deut­schen Län­dern. Auch das ist ein Grund da­für, dass der Frei­staat auf­holt, aber den Wes­ten noch längst nicht ein­ge­holt hat“, sag­te der Agen­tu­ren­chef. Das wer­de si­cher in ab­seh­ba­rer Zeit auch flä­chen­de­ckend nicht ge­lin­gen.

Be­mer­kens­wert blei­ben auch die re­gio­na­len Un­ter­schie­de in­ner­halb Thü­rin­gens. „In den Bal­lungs­räu­men wird mehr ver­dient als in den länd­li­chen Räu­men“, stell­te Se­ni­us her­aus. Das ha­be un­ter an­de­rem mit dem hö­he­ren An­teil des öf­fent­li­chen Di­ens­tes in Städ­ten zu tun. „Dort gibt es Uni­ver­si­tä­ten, grö­ße­re Un­ter­neh­men und auch mehr Schu­len und Ver­wal­tungs­ein­hei­ten, wo dann auch in der Re­gel hö­he­re Ge­häl­ter ge­zahlt wer­den“, er­läu­ter­te Se­ni­us.

Die Löh­ne sind noch im­mer ein Stand­ort­nach­teil für Thü­rin­gen bei der Fach­kräf­te­wer­bung. „Thü­rin­gen ist in Zu­kunft auf qua­li­fi­zier­te Ar­beits­kräf­te aus dem In- und Aus­land an­ge­wie­sen. Und: Ein we­sent­li­cher Pull­fak­tor bleibt ne­ben an­de­ren auch das Lohn­ni­veau“, be­stä­tig­te Kay Se­ni­us.

Wenn Ge­häl­ter nicht wei­ter deut­lich zu­leg­ten, dann wer­de es schwer, bei der Kon­kur­renz um qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te mit­zu­hal­ten. „Wenn wir Fach­kräf­te an­wer­ben wol­len, muss sich die Lohn­lü­cke wei­ter spür­bar schlie­ßen“, so Se­ni­us.

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