Glück­li­che Um­stän­de

W  W von Hans­gün­ter Rei­chelt, evan­ge­li­scher Pfar­rer in Stadt­ilm

Thüringer Allgemeine (Ilmenau) - - Ilm-kreis -

In ei­nem be­kann­ten Sprich­wort heißt es: „Je­der ist sei­nes ei­ge­nen Glü­ckes Schmied.“Doch trifft die­ses Wort tat­säch­lich zu? Kön­nen wir das „Glück“, oder „Zuf­rie­den­heit“wirk­lich selbst be­stim­men? Ge­schieht Glück nicht meist ganz zu­fäl­lig?

Denn ein wah­rer Glücks­pilz hat nor­ma­ler­wei­se nichts da­zu bei­ge­tra­gen, dass er Glück hat. An­de­rer­seits ge­schieht es manch­mal, dass uns tat­säch­lich et­was „ge­glückt“ist, dass uns et­was ge­lun­gen ist, wo­rum wir uns schon lan­ge be­müht ha­ben. Un­se­re Spra­che hat ein al­tes Wort be­wahrt, das uns da­bei hel­fen kann. Wenn je­mand höchs­tes Glück ge­nießt, dann be­zeich­nen wir ei­nen sol­chen Men­schen als „glück­se­lig“, al­so als „glück­lich“und „se­lig“zu­gleich.

Es ist ei­ne Er­in­ne­rung an Wor­te, die wir in der Bi­bel fin­den – die Se­lig­prei­sun­gen Je­su. Dar­in heißt es et­wa: „Se­lig sind die Barm­her­zi­gen, denn sie wer­den Barm­her­zig­keit er­lan­gen.“

An vie­len Or­ten wird an die­sem Wo­chen­en­de wie­der der Mar­tins­tag ge­fei­ert. In der Mar­tins­ge­schich­te hö­ren wir von ei­nem Men­schen, dem sol­ches Glück wi­der­fuhr, weil ein Mensch barm­her­zig wur­de, weil Mar­tin mit­fühl­te, was ein an­de­rer Mensch wirk­lich brauch­te. Manch­mal ge­hört nur ein klein we­nig Auf­merk­sam­keit da­zu, sein Glück auch mit an­de­ren zu tei­len. Dar­an er­in­nern die Zei­len ei­ner Schwes­tern­ge­mein­schaft aus Pa­ris. Es sind Wor­te, die uns hel­fen kön­nen, selbst et­was da­zu bei­zu­tra­gen, dass Men­schen zu­frie­de­ner und glück­li­cher wer­den, so wie es da­mals in der Be­geg­nung zwi­schen Mar­tin und dem Bett­ler ge­schah: „Se­lig die, die ei­nen Berg von ei­nem Maul­wurf­hü­gel un­ter­schei­den kön­nen, sie wer­den sich viel Är­ger er­spa­ren. Se­lig die, die schwei­gen und zu­hö­ren kön­nen, sie wer­den da­bei viel Neu­es ler­nen. Se­lig die, die fä­hig sind, das Ver­hal­ten der an­de­ren mit Wohl­wol­len zu in­ter­pre­tie­ren; sie wer­den zwar für na­iv ge­hal­ten wer­den, aber das ist der Preis der Lie­be.

Se­lig die, die es ver­ste­hen, die klei­nen Din­ge ernst und die erns­ten Din­ge ge­las­sen an­zu­se­hen, sie wer­den im Le­ben sehr weit kom­men.“

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