Ado­nis­rös­chen im Tie­fen Tal

Auch bei Al­ten­got­tern bil­det die Pflan­ze ei­nen gel­ben Blü­ten­tep­pich. Aber vie­le Acker­wild­kräu­ter sind vom Aus­ster­ben be­droht

Thüringer Allgemeine (Mühlhausen) - - Mühlhäuser Allgemeine - Von An­ne Chris­ti­ne Mar­tin und Ste­fan Feld­hoff

Al­ten­got­tern. Ei­ne geo­lo­gi­sche und bo­ta­ni­sche Be­son­der­heit in Thü­rin­gen: Von Mühl­hau­sen im Wes­ten bis Köl­le­da im Os­ten er­streckt sich ein Step­pen­ra­sen­gür­tel. Hier – so­wie in der Re­gi­on der Drei Glei­chen – gibt es durch war­me Tem­pe­ra­tu­ren und ver­hält­nis­mä­ßig ho­he Luft­feuch­tig­keit auf den Hän­gen idea­le Le­bens­be­din­gun­gen für vie­le Pflan­zen. Auch das Früh­lings-ado­nis­rös­chen ist in gro­ßer Zahl zu fin­den.

Na­tur­freun­de kom­men von weit­her, um sich an den strah­len­den gelb­blü­hen­den Blu­men auf den Hang­wie­sen des Un­st­rut­tals zwi­schen Nä­gel­stedt und Groß­var­gu­la zu er­freu­en. Auch in den Gr­ab­schen Ber­gen öst­lich von Mühl­hau­sen so­wie auf der so­ge­nann­ten Ado­nis­wie­se am Ran­de des al­ten Trup­pen­übungs­plat­zes nörd­lich von Gr­a­be fin­den die Früh­lings-ado­nis­rös­chen bes­te Be­din­gun­gen.

Ei­ne we­ni­ger be­kann­te Fund­stel­le liegt in­des im Tie­fen Tal nörd­lich von Al­ten­got­tern, von den Ein­woh­nern ein­fach „Loch“ge­nannt. Lei­der hin­ter­las­sen an den Hän­gen Mo­to­cros­ser Spu­ren der Zer­stö­rung.

Zot­ti­ger Spitz­kiel, duf­ten­der Thy­mi­an

Trotz­dem ent­fal­ten im April und Mai die Früh­lings-ado­nis­rös­chen ih­re Pracht, über­all blit­zen gol­de­ne Blü­ten­kro­nen her­vor. Nicht nur sie füh­len sich in die­sem ver­steck­ten Tal wohl; al­te Obst­bäu­me ste­hen bald in reich­li­cher Blü­te. Die Dor­ni­ge Hau­he­chel (April bis Sep­tem­ber), der Stän­gel­lo­se Tra­gant (Mai bis Ju­ni), Zot­ti­ger Spitz­kiel (Ju­ni bis Ju­li), duf­ten­der Thy­mi­an (Ju­ni bis Ok­to­ber), zahl­rei­che Gold­dis­teln (Ju­li bis Ok­to­ber) und Fran­sen-en­zia­ne (Au­gust bis No­vem­ber) fol­gen in den spä­te­ren Mo­na­ten.

Die karg wir­ken­de, hü­ge­li­ge Land­schaft am Ro­ten Berg schließt sich in Rich­tung Wes­ten an, nach Nor­den be­grenzt von end­lo­sen Acker­flä­chen, süd­lich des Ber­ges wird ro­ter Ton ab­ge­baut. Au­ßer dem be­kann­ten Klatsch­mohn blüht an den Fel­d­rai­nen ganz sel­ten das Som­mer-ado­nis­rös­chen (Mai bis Au­gust), die rot­haa­ri­ge Schwes­ter des Früh­lings-ado­nis­rös­chens; ein üb­les Acke­runkraut aus der Sicht man­cher Land­wir­te. Acker­wild­kräu­ter ha­ben es heut­zu­ta­ge schwer, vie­le sind vom Aus­ster­ben be­droht oder schon ver­schwun­den, Stichwort Gly­pho­sat. Es ist gar nicht lan­ge her, da lo­der­ten die Fel­d­rai­ne wie die Far­ben auf der Pa­let­te des Ma­lers Emil Nol­de, da­ge­gen sind die heu­ti­gen an­ge­leg­ten „Blüh­strei­fen“bes­ten­falls ein ho­möo­pa­thi­sches Pill­chen ge­gen das schlech­te Ge­wis­sen.

Das Som­mer-ado­nis­rös­chen hat es noch gut, bei uns ist es ver­gleichs­wei­se häu­fig zu se­hen. Schwe­rer be­trof­fen sind die Korn­ra­de (Ju­ni bis Sep­tem­ber) oder ei­ne wei­te­re Ver­wand­te des Früh­lings-ado­nis­rös­chens, das Flam­men-ado­nis­rös­chen (Mai bis Ju­li). Sei­ne tief­ro­ten Blü­ten sind kaum noch an den Ge­trei­de­fel­dern zu ent­de­cken. Bei Ma­rol­te­ro­de wur­de es vor ei­ni­ger Zeit noch­mals nach­ge­wie­sen.

Die Wan­de­rung

Die Wan­de­rung zu den Ado­nis­rös­chen, die wir emp­feh­len, be­ginnt bei der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr in Al­ten­got­tern und führt auf dem Wirt­schafts­weg in Rich­tung Körner bis zum ers­ten Ab­zweig rechts. Bald geht es steil nach oben auf die An­hö­he bis zum asphal­tier­ten Wirt­schafts­weg Al­ten­got­tern–körner. Links geht es zu­rück nach Al­ten­got­tern, zum Ro­ten Berg biegt der Weg rechts ab, bis nach 200 Me­tern ein Feld­weg links in Rich­tung ei­nes Bir­ken­wäld­chens ab­zweigt.

Auf dem Kamm des Ro­ten Ber­ges ver­läuft die Rou­te dann in west­li­cher Rich­tung an ei­nem ein­zeln ste­hen­den Lin­den­baum vor­bei, das Wahr- und Wap­pen­zei­chen des Dor­fes an der Un­st­rut.

Nach we­ni­gen Me­tern links berg­ab und an der nächs­ten Weg­kreu­zung rechts. Jetzt im­mer ober­halb der Ton­ab­bau­gru­be am Wald­saum ent­lang.

Bald durch­quert der Weg ei­ne al­te Kirsch­plan­ta­ge, an de­ren En­de ein aus­ge­wa­sche­ner Fahr­weg wie­der hin­un­ter nach Al­ten­got­tern führt.

Ei­ne mit neun Ki­lo­me­tern recht lan­ge Wan­de­rung, aber wun­der­schön und ab­wechs­lungs­reich. Soll­ten Sie das Ado­nis­rös­chen nicht mehr an­tref­fen, da durch das Wetter die Pflan­zen mal frü­her oder spä­ter blü­hen, könn­te der eben­falls gelb blü­hen­de Stän­gel­lo­se Tra­gant be­reits zu fin­den sein.

Im Tie­fen Tal bei Al­ten­got­tern blü­hen die Früh­lings-ado­nis­rös­chen (gro­ßes Bild und rechts unten). Aber auch die Obst­bäu­me leuch­ten (oben). Die Korn­ra­de (Mit­te) ist am Fel­d­rain hin­ge­gen nur noch sel­ten zu se­hen, eben­so das Som­mer-ado­nis­rös­chen. Fo­to:...

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