Die Glo­cken sind in der Stu­be

Auf­zug des neu­en Ge­läu­tes der Söm­mer­da­er Pe­tri­kir­che ver­läuft rei­bungs­los. Am ers­ten Ad­vent ge­hen die drei Bron­zeg­lo­cken in Be­trieb

Thüringer Allgemeine (Sömmerda) - - Sömmerdaer Allgemeine - Von Ina Ren­ke

Die Deut­sche Post, die sich ja seit Jah­ren mit ih­ren Fi­lia­len zu­neh­mend aus der Flä­che zu­rück­zieht, hat den­noch flä­chen­de­ckend un­ter­su­chen las­sen, wie glück­lich die Deut­schen sind – wie das die UNO welt­weit für al­le hat ma­chen las­sen. Bei­de Stu­di­en stel­len ein Nord-Süd-Ge­fäl­le fest. Nord­lich­ter sind dem­nach glück­li­cher als Süd­län­der. In Deutsch­land ist laut dem vom So­zi­al­öko­no­men Bernd Raf­fel­hü­s­chen er­stell­ten Glücks­at­las 2018 wohl der ge­mei­ne Schles­wig-Hol­stei­ner am zu­frie­dens­ten. Er bringt es auf 7,44 von 10 mög­li­chen Glückspunk­ten. Die Thü­rin­ger (7,03) fal­len ko­or­di­na­ten­mä­ßig et­was aus dem Rah­men. Sie sol­len die glück­lichs­ten Ost­deut­schen un­ter der Son­ne sein. Am we­nigs­tens glück­lich, heißt es, sei­en auf hier­zu­lan­de al­ler­dings durch­weg ho­hem Glücks­ni­veau (7,05) die Bran­den­bur­ger (6,84).

Star­ke Kon­junk­tur und die gu­te Be­schäf­ti­gungs­la­ge sei­en Ba­sis für das kon­stant ho­he Glücks­ni­veau, wird ge­mut­maßt – mehr je­den­falls als kurz­fris­ti­ge klei­ne Glücks­mo­men­te.

Es kann aber be­stimmt nichts scha­den, wenn Sie sich am Wo­che­n­en­de auch sol­che schaf­fen und sie vor al­lem ge­nie­ßen... Mat­thi­as Rüm­pler (49), Bus­fah­rer aus Söm­mer­da mit Toch­ter Jan­ni­ka (11):

Die­se Wo­che wa­ren wir schon in Wei­mar. Jan­ni­ka war das ers­te Mal dort. Es hat ihr sehr ge­fal­len. Wir ha­ben vie­le Fo­tos ge­macht und die wol­len wir uns jetzt in der Dro­ge­rie aus­dru­cken. Dann wer­den wir noch et­was um Söm­mer­da her­um mit den Rä­dern fah­ren und ir­gend­wo, wo es uns ge­fällt, Pick­nick ma­chen. Fo­to: Pe­ter Han­sen Söm­mer­da. Man hät­te ihn hö­ren kön­nen – den sinn­bild­li­chen St­ein, der vom Her­zen fällt, wä­re da nicht das Mo­to­ren­ge­räusch des Te­le­skop­stap­lers ge­we­sen. Als Pe­ter Eich­holz ges­tern kurz vor 14 Uhr die Stüh­le auf dem Pe­tri­platz ein­sam­mel­te, war er um ei­ni­ges er­leich­tert. Der Auf­zug der drei neu­en Bron­zeg­lo­cken in den Kirch­turm war oh­ne Pro­ble­me über die Büh­ne ge­gan­gen. Ganz im Ge­gen­teil: Der Pro­jekt­ver­ant­wort­li­che nahm aus vie­ler­lei Mün­dern das Lob ent­ge­gen, dass es ein be­son­ders schö­nes und er­grei­fen­des Er­eig­nis mit Fest­cha­rak­ter war.

Mit dem Auf­zug der im Mai ge­gos­se­nen Bron­zeg­lo­cken nä­hert sich das Glo­cken­pro­jekt der Söm­mer­da­er Kir­chen­ge­mein­de St. Pe­tri und Pau­li sei­nem En­de. Seit 2015 hat­ten en­ga­gier­te Ge­mein­de­glie­der das Vor­ha­ben vor­an­ge­trie­ben, die al­ten, zum Teil ge­ris­se­nen Grau­guss­glo­cken durch neue aus Bron­ze zu er­set­zen. Un­se­re Zei­tung hat dar­über be­rich­tet.

In sei­ner Be­grü­ßungs­re­de vor Glocken­seg­nung und -auf­zug er­in­ner­te Pe­ter Eich­holz an das ver­stor­be­ne Ehe­paar Bött­cher, das der Pe­tri­ge­mein­de sehr ver­bun­den war und mit sei­ner groß­zü­gi­gen Geld­spen­de den Grund­stock für das Pro­jekt schuf. Ein gro­ßes Dan­ke­schön ging auch an das Un­ter­neh­mer-Ehe­paar Ralf und He­len Uka, das den mo­der­nen Te­le­skop­stap­ler zum Trans­port des Ge­läu­tes in die Glo­cken­stu­be kos­ten­los zur Ver­fü­gung stell­te. Die Stadt sorg­te für die fach­ge­rech­te Ab­sper­rung des Are­als.

Pfar­re­rin In­ga Mer­g­ner dank­te noch­mals für „viel Geld und Ener­gie“, das Ge­mein­de­glie­der in das Glo­cken­pro­jekt steck­ten und noch ste­cken. „Mö­gen die Glo­cken dar­an er­in­nern, dass un­se­re Zeit in Got­tes Hän­den liegt und zum Frie­den mah­nen“, gab sie in ih­rer And­acht mit auf den Weg. Un­ter dem ge­mein­sa­men Ge­sang von „Bru­der Ja­kob, hörst du nicht die Glo­cken“ver­folg­ten die zahl­rei­chen Zu­schau­er das An­hän­gen der Glo­cken an die Stap­ler­ar­me. Die Pfar­re­rin seg­ne­te je­de ein­zel­ne Glo­cke, die von Fach­mann Chris­ti­an Beck drei­mal mit dem Klöp­pel an­ge­schla­gen wur­de. Der Klang der neu­en Glo­cken rief Bei­fall her­vor.

Tho­mas Hey­roth war der Ex­per­te an der Steue­rung des Stap­lers. Mil­li­me­ter­ge­nau brach­te er die Glo­cken, von klein nach groß und auf ei­ner Holz­pa­let­te ge­si­chert, nach oben durch die nörd­li­che Schall­lu­ke. Per Fla­schen­zug wur­de das Ge­läut in der Glo­cken­stu­be de­po­niert. Et­wa ei­ne Wo­che wird es noch brau­chen, ehe die Glo­cken­jo­che an- und die Klöp­pel ein­ge­baut sind, in­for­mier­te Chris­ti­an Beck. Zu­dem muss noch der elek­tri­sche An­trieb mon­tiert wer­den. Be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr war ein neu­er Glo­cken­stuhl aus Ei­chen­holz er­rich­tet wor­den.

Am Mor­gen wa­ren die drei Pe­tri-Glo­cken auf ei­nem An­hän­ger durch die Söm­mer­da­er Alt­stadt ma­nö­vriert wor­den. Punkt 8 traf der Trans­port aus der Köl­le­da­er Glo­cken­werk­statt vor der ge­schmück­ten Kir­che ein. Frau­en der Pe­tri-Ge­mein­de hat­ten Ku­chen ge­ba­cken und herz­haf­te Schnit­ten ge­schmiert, um die Gäs­te zu be­kös­ti­gen. Die Kin­der von St. Pe­tri bo­ten ih­re selbst her­ge­stell­ten Glo­cken-Plätz­chen an. Bär­bel Jorns und Jut­ta Brei­ten­stein schmück­ten das Ge­läut mit ge­bun­de­nen Krän­zen. Am frü­hen Nach­mit­tag wa­ren dann auch die flei­ßi­gen Hel­fer in Ge­mein­de­saal und -kü­che er­leich­tert, dass al­les gut ge­klappt hat­te. Am 1. Ad­vent­sonn­tag sol­len die neu­en Glo­cken in Dienst ge­stellt wer­den.

▶ . De­zem­ber,  Uhr, Fest­got­tes­dienst in der St. Pe­tri­kir­che Söm­mer­da

Nach den Sta­tio­nen Zit­tau und Haß­le­ben war die gest­ri­ge Auf­zugs­ak­ti­on für Glo­cken-Fach­mann Chris­ti­an Beck die drit­te in kur­zer Zeit. Nun ste­hen noch ei­ni­ge ab­schlie­ßen­de Ar­bei­ten in der Glo­cken­stu­be an. Wei­te­re Bil­der zeigt ei­ne Dia­schau un­ter www.ta-soem­mer­da.de. Fo­tos (): Pe­ter Han­sen

Be­vor das Ge­läut nach oben in den Turm kam, wur­de das Zu­be­hör und Ar­beits­ma­te­ri­al perTe­le­skop­stap­ler trans­por­tiert.

Chris­ti­an Beck schlug je­de Glo­cke vor dem Auf­zug drei­mal an. Pfar­re­rin In­ga Mer­g­ner gab Er­läu­te­run­gen zu den Ver­zie­run­gen und seg­ne­te die Glo­cken.

Ju­li­us Eli­as Barth und wei­te­re Kin­der der Pe­tri-Ge­mein­de hat­ten Plätz­chen in Glo­cken­form ge­ba­cken. Die­se wur­den den Gäs­ten des Glo­cken­auf­zu­ges ge­reicht. Fo­tos (): Ina Ren­ke

Lothar Meh­ler, Pe­ter Eich­holz und Bär­bel Jorns sind die Glo­cken ein Her­zens­be­dürf­nis.

Ar­min Burg­hardt denkt über das Glück­lich­sein nach

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