Es ist ent­setz­lich

Thüringer Allgemeine (Sondershausen) - - Sondershäuser Allgemeine -

über die Schän­dung jü­di­schen An­den­kens

Es ist ent­setz­lich. Un­be­kann­te ha­ben die Ge­denk­ta­fel am Ein­gang der Son­ders­häu­ser Mik­we mit Ex­kre­men­ten be­su­delt.

Die Mik­we ist Ju­den hei­lig, in ihr neh­men sie ri­tu­el­le Tauch­bä­der, um sich re­li­gi­ös zu rei­ni­gen. Sie bil­det ne­ben der Sy­nago­ge das Zen­trum der jü­di­schen Ge­mein­de. Die Mik­we in Son­ders­hau­sen stammt aus dem 13. Jahr­hun­dert und ist ei­nes der äl­tes­ten Zeug­nis­se des Ju­den­tums in Thü­rin­gen.

Am 9. No­vem­ber 1938 wird die Sy­nago­ge ge­schän­det und ent­weiht. Jü­di­sche Mit­bür­ger wer­den in der Fol­ge in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger ver­schleppt. Die Ge­mein­de ist bis Kriegs­en­de aus­ge­löscht.

Am 6. No­vem­ber 2018 gibt es sie im­mer noch – die Schän­dun­gen. Auf dem jü­di­sche Fried­hof wird zwei Ta­ge vor dem 80. Ge­denk­tag an die Reichs­po­grom­nacht ein Ha­ken­kreuz in ein Gr­ab­mal ge­ritzt. Die Ge­denk­ta­fe­lan­der­mik­we­be­schmiert.

Das ist längst nicht mehr: „Das wird man doch wohl noch sa­gen dür­fen.“Es ist schä­bi­ger An­ti­se­mi­tis­mus. Nicht zu recht­fer­ti­gen, mit nichts be­gründ­bar. Er­schüt­ternd an­ge­sichts sechs Mil­lio­nen er­mor­de­ter Ju­den, de­rer ges­tern ge­dacht wur­de.

Ab­scheu bleibt. Ab­scheu und Wut über die­sen An­griff auf uns.

An­drea Hell­mann

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