Zwi­schen Freu­de und Ent­täu­schung

Nach den Bür­ger­meis­ter­wah­len ana­ly­sie­ren Christ­de­mo­kra­ten, Bür­ger­initia­ti­ve und Freie Wäh­ler die Er­geb­nis­se

Thüringische Landeszeitung (Eichsfeld) - - EICHSFELD - VON SI­GRID ASCHOFF UND AN­TO­NIA PFAFF

EICHS­FELD. Die Wah­len sind vor­bei. Jetzt zie­hen Christ­de­mo­kra­ten, Freie Wäh­ler und Bür­ger­initia­ti­ve ei­ne ers­te Bi­lanz.

„Mit Th­adä­us Kö­nig ha­ben wir in Hei­li­gen­stadt ei­nen kom­pe­ten­ten und en­ga­gier­ten Mann ins Ren­nen ge­gen Amts­in­ha­ber Tho­mas Spiel­mann ge­schickt“, sagt Cdu-kreis­che­fin Chris­ti­na Tasch. Ge­reicht hat es mit 43,3 Pro­zent der Stim­men für den CDU-MANN am Wahl­tag nicht. Spiel­mann (BI) setz­te sich mit 56,6 Pro­zent durch.

„Es ist na­tür­lich scha­de, dass Th­adä­us Kö­nig die Wahl nicht ge­won­nen hat“, meint Tasch und gra­tu­liert dem neu­en Stadt­chef im glei­chen Atem­zug. „Es ist aber auch nicht dra­ma­tisch“, re­la­ti­viert sie. Kö­nig sei 35 Jah­re, es sei sein ers­ter An­lauf ge­we­sen, und er ha­be noch sein hal­bes Le­ben vor sich. Die Cdu­kreis­che­fin macht aber auch deut­lich, dass Spiel­mann den Amts­in­ha­ber­bo­nus in­ne hat­te. „Er hat vor sechs Jah­ren ei­ne or­dent­lich ge­führ­te Stadt von Bernd Beck über­nom­men.“Ih­rer Mei­nung nach ist das Er­geb­nis von knapp 57 zu 43 Pro­zent „kein ful­mi­nan­tes Er­geb­nis für ei­nen Amts­in­ha­ber“. „Aber das ist De­mo­kra­tie, es kann nur ei­ner ge­win­nen“, meint Tasch und schaut in die Zu­kunft: „Nach der Wahl ist vor der Wahl.“Chris­ti­an Si­mon (BI) freut sich da­ge­gen sehr, dass Tho­mas Spiel­mann als Kreis­stadt-bür­ger­meis­ter wie­der­ge­wählt wur­de. Er schließt sich Spiel­manns Wor­ten an, der meint, dass die Be­find­lich­kei­ten über­wun­den wer­den müs­sen, um ge­mein­sam an der Zu­kunft Hei­li­gen­stadts zu ar­bei­ten. Si­mon schließt nicht aus, dass es den­noch un­ter­schied­li­che Stand­punk­te gibt. „Auf der Ar­beits­ebe­ne wird es strit­ti­ge The­men ge­ben, auf bei­den Sei­ten, das bleibt nicht aus.“Für den Bi-mann steht fest: Spiel­mann hat­te den Amts­bo­nus. Mit dem Er­geb­nis ist er zu­frie­den. „Tho­mas Spiel­mann hat 16 der 17 Wahl­be­zir­ke ge­holt.“Be­son­ders freut ihn, dass Kal­ten­eber dar­un­ter war. „Mir stan­den die Trä­nen in den Au­gen.“Der Bifrak­ti­ons­chef im Stadt­rat wünscht sich, dass sich BI und CDU noch ein­mal an ei­nen Tisch set­zen, über den Wahl­kampf spre­chen und dann ge­mein­sam ar­bei­ten.

Ei­nen deut­li­chen Wahl­sieg fuhr da­ge­gen der Cdu-kan­di­dat in Din­gel­städt ein. Andre­as Fern­korn er­reich­te 96,5 Pro­zent. Er tritt die Nach­fol­ge von Par­tei­kol­le­ge Ar­nold Metz an. „Andre­as Fern­korn hat mit gro­ßer Zu­stim­mung das Ren­nen ge­macht“, ist Tasch be­geis­tert. Zu­frie­den ist auch Metz. Dass er­neut ein Christ­de­mo­krat an der Spit­ze steht, führt er dar­auf zu­rück, dass „in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in der Stadt au­gen­schein­lich nicht so viel ver­kehrt ge­macht wur­de“. Fern­korn hat­te kei­nen Ge­gen­kan­di­da­ten, und „sol­che wer­den ei­gent­lich auch dann auf den Plan ge­ru­fen, wenn Frust herrscht“.

In der Land­ge­mein­de Son­nen­stein hat sich die par­tei­lo­se Mar­git Ert­mer, die von den Frei­en Wäh­lern no­mi­niert wur­de,

Chris­ti­an Si­mon (Bür­ger­initia­ti­ve „Men­schen für Hei­li­gen­stadt“) über den Er­folg in Kal­ten­eber

ge­gen die eben­falls par­tei­lo­se Eve­lyn Hans­mann, die für die CDU kan­di­dier­te, durch­ge­setzt. Ert­mer hol­te 61,1 Pro­zent der Stim­men, Hans­mann 38,9. Er­folg­reich war Ert­mer, die aus Ho­lun­gen kommt, in Bo­ckeln­ha­gen (75,2 Pro­zent), Ho­lun­gen (87,2 Pro­zent) Sil­k­ero­de (83,6 Pro­zent), Wernin­ge­ro­de (84,7 Pro­zent), Ep­schen­ro­de (78,7 Pro­zent), Stö­ckey (90,3 Pro­zent), Zwin­ge (75 Pro­zent) so­wie bei der Brief­wahl (57,1 Pro­zent). Hans­mann, die in Wei­ßen­born-lü­de­ro­de zu Hau­se ist, ge­wann in ih­rem Hei­mat­ort (75,5 Pro­zent) so­wie in Jüt­zen­bach (57,9). Wolf­gang Mautsch­ke, Frei­er Wäh­ler, Ort­schafts­bür­ger­meis­ter von Sil­k­ero­de so­wie Ers­ter Bei­ge­ord­ne­ter, sieht ei­nen Grund, war­um das Wah­l­er­geb­nis so aus­fiel dar­in, „dass sich die klei­nen Or­te ab­ge­han­gen füh­len“. Er selbst sieht das nicht so, wie er sagt. Es sei über­all et­was pas­siert, nur sei das schlecht kom­mu­ni­ziert wor­den.

Bei­spiels­wei­se sei ein Pro­blem der Man­gel an Bau­plät­zen, da fühl­ten sich die klei­nen Ort­schaf­ten hin­ten an, wo­bei er sich in Sil­k­ero­de nicht be­kla­gen kön­ne, auch wenn es dort vor­ran­gig um Lü­cken­be­bau­ung ging. „Oh­ne Bau­plät­ze gibt es Weg­zü­ge, und wenn man den Leu­ten nichts bie­tet, ge­hen sie. Das wur­de be­män­gelt und dar­auf ver­wie­sen, dass Wei­ßen­born ein neu­es Bau­ge­biet hat.“Ge­fühlt, er­klärt Mautsch­ke wei­ter, ha­be es den Men­schen auch an Bür­ger­nä­he ge­fehlt. „Von den Feh­lern ha­ben wir pro­fi­tiert“, meint er. Und: Dass sich die Frei­en Wäh­ler das Zu­sam­men­wach­sen der Or­te auf die Fah­nen ge­schrie­ben ha­ben und dass der Sky­walk Ak­zep­tanz fin­den muss, ein Kon­zept braucht, es ei­ne Park­ord­nung so­wie Gas­tro­no­mie und zwei, drei Spiel­ge­rä­te braucht, das sei an­ge­kom­men.

Das Wah­l­er­geb­nis hat ihn nicht über­rascht. „Ich ken­ne die Stim­mung in den Or­ten, dort ha­ben sich die Pro­blem sum­miert, das Wah­l­er­geb­nis be­ein­flusst. Es kommt nicht so oft vor, dass die Frei­en Wäh­ler ei­ne Cd­u­hoch­burg knacken“, so Wolf­gang Mautsch­ke.

„Es ist be­dau­er­lich, dass Frau Hans­mann die Wahl nicht ge­won­nen hat“, fin­det ih­rer­seits Chris­ti­na Tasch. Amts­in­ha­ber Pe­ter Trap­pe (CDU) kan­di­dier­te aus Al­ters­grün­den nicht er­neut. „Es stan­den sich zwei qua­li­fi­zier­te Frau­en ge­gen­über. Frau Ert­mer über­nimmt ei­ne or­dent­lich ge­führ­te Ge­mein­de“, so Tasch. Sie kön­ne auf ei­ne zu­vor gut ge­leis­te­te Ar­beit auf­bau­en. Die Cdu-che­fin geht da­von aus, dass die Wahl am Son­nen­stein ei­ne Per­so­nen­wahl war. „Das ist kei­ne be­wuss­te Ent­schei­dung ge­gen die CDU.“

• Sei­te 

„Mir stan­den die Trä­nen in den Au­gen.“

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