Thü­rin­gen lehnt neue Bahn­steig­hö­he ab

Streit um 21 Zen­ti­me­ter: Der Frei­staat hat al­le Um­ und Neu­bau­ten mit der Bahn ab­ge­stimmt

Thüringische Landeszeitung (Eisenach) - - ERSTE SEITE - VON SI­BYL­LE GÖ­BEL

ER­FURT. Die Thü­rin­ger Lan­des­re­gie­rung lehnt ei­ne bun­des­weit ein­heit­li­che Bahn­steig­hö­he von 76 Zen­ti­me­tern grund­sätz­lich ab. Zwar ist auch ihr an ei­nem bar­rie­re­frei­en Zu­gang zu den Zü­gen ge­le­gen, den das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um da­mit er­rei­chen will. Doch ei­ne Aus­rich­tung auf 76 Zen­ti­me­ter Hö­he wür­de in Thü­rin­gen nicht nur kei­nen Fort­schritt, son­dern so­gar ei­nen Rück­schritt bei der Um­set­zung durch­ge­hen­der Bar­rie­re­frei­heit be­deu­ten, heißt es aus dem In­fra­struk­tur­mi­nis­te­ri­um.

Der­zeit hat Thü­rin­gen 457 Bahn­stei­ge. Nur 13 da­von wei­sen nach An­ga­ben des Mi­nis­te­ri­ums ei­ne Hö­he von 76 Zen­ti­me­tern auf. 223 sind hin­ge­gen 55 und wei­te­re 221 38 Zen­ti­me­ter hoch. Die 55 Zen­ti­me­ter ho­hen Bahn­stei­ge sind fast al­le erst seit An­fang der 90er Jah­re neu ge­baut wor­den – und zwar in en­ger Ab­stim­mung mit der Bahn­toch­ter DB Sta­ti­on & Ser­vice. Auch die In­fra­struk­tur an den Bahn­hö­fen wur­de an die Bahn­steig­hö­he von 55 Zen­ti­me­tern an­ge­passt – und na­he­zu der ge­sam­te Fuhr­park der Bahn­un­ter­neh­men, die im Re­gio­nal­ver­kehr in Thü­rin­gen im Ein­satz sind.

„Auch un­se­re eu­ro­päi­schen Nach­bar­län­der set­zen über­wie­gend auf ei­ne Bahn­steig­hö­he von 55 Zen­ti­me­tern“, sagt Mi­nis­te­rin Bir­git Kel­ler (Lin­ke) und er­gänzt, dass Thü­rin­gen ei­ne Über­ar­bei­tung der mehr als 100 Jah­re al­ten Ei­sen­bahn­bau­und Be­triebs­ord­nung be­für­wor­te.

Da­nach sol­len Bahn­stei­ge bei Neu- oder um­fas­sen­den Um­bau­ten auf ei­ne Hö­he von 76 Zen­ti­me­tern über der Schie­nen­ober­kan­te an­ge­ho­ben wer­den. Die Kos­ten sol­len zwar vom Bund ge­tra­gen wer­den, Thü­rin­gen be­fürch­tet aber ei­ne Be­tei­li­gung der Län­der.

HAL­LE/WEI­MAR. Bahn­rei­sen­de in Thü­rin­gen müs­sen sich auch im kom­men­den Jahr auf län­ge­re Fahr­zei­ten und Um­lei­tun­gen ein­stel­len. An zahl­rei­chen Stel­len wer­de ge­baut, be­stä­tig­te Tho­mas Klein­steu­ber von der zu­stän­di­gen DB Netz AG ges­tern in Hal­le. In Thü­rin­gen be­trifft dies un­ter an­de­rem die Stre­cken zwi­schen Wei­mar und Gera, zwi­schen Groß­he­rin­gen und Groß­kor­be­tha und zwi­schen Bad Lan­gen­sal­za und Döll­städt.

Die­ser Stre­cken­ab­schnitt im Un­st­rut-hai­nich-kreis wird im Zei­t­raum vom 5. Ju­li 2019 bis zum 18. Au­gust 2019 voll­ge­sperrt sein, kün­dig­te Klein­steu­ber an. Die ge­plan­te Glei­ser­neue­rung ma­che die­se Sper­rung un­um­gäng­lich.

Die an­ge­kün­dig­te Bau­maß­nah­men sei­en in die Pla­nung des Fahr­pla­nes für das kom­men­de Jahr be­reits auf­ge­nom­men wor­den, ver­si­cher­te der Ge­schäfts­füh­rer der Nah­ver­kehrs­ser­vice­ge­sell­schaft Thü­rin­gen, Tho­mas Gr­ewing, bei des­sen Prä­sen­ta­ti­on. Al­ler­dings han­de­le es sich da­bei zu­nächst um ei­nen ers­ten Ent­wurf.

Bes­se­re An­bin­dung für Ost­thü­rin­gen

Bis zum 4. März ha­ben laut Gr­ewing al­le Thü­rin­ger die Mög­lich­keit ih­re Wün­sche oder An­re­gun­gen zu den vor­ge­se­he­nen Zug­ver­bin­dun­gen und Fahr­zei­ten im In­ter­net kund­zu­tun. An­re­gun­gen der Po­li­tik, auch an­de­re Ka­nä­le für ei­ne Ab­stim­mung der Fahr­gäs­te an­zu­bie­ten, wer­de man für das kom­men­de Jahr prü­fen, sag­te Gr­ewing.

Zu den wich­tigs­ten Neue­run­gen im Fahr­plan ab De­zem­ber ge­hö­ren die acht Zug­paa­re im Zwei-st­un­den-takt von Saal­feld über Je­na und Naum­burg nach Leip­zig, sag­te Oli­ver Höpf­ner von der Thü­rin­ger Nah­ver­kehrs­ge­sell­schaft. „Die Fahr­zeit von Je­na nach Leip­zig ver­kürzt sich da­bei von bis­her 83 auf 65 Mi­nu­ten“, be­rich­te­te Höpf­ner. Zu­dem wür­de in Leip­zig der An­schluss zu den Ice-zü­gen nach Berlin er­reicht. Die­se bes­se­re An­bin­dung der Städ­te Saal­feld, Je­na, Naum­burg und Wei­ßen­fels an den Fern­ver­kehr fi­nan­zie­ren die Thü­rin­ger ge­mein­sam mit der Nah­ver­kehrs­ser­vice­ge­sell­schaft Sach­sen-an­halt.

Zu­sät­li­che Zü­ge auf der Ice­neu­bau­stre­cke

Neue Di­rekt­ver­bin­dun­gen im ICE von Thü­rin­gen nach Wi­en und nach War­ne­mün­de kün­dig­te Ro­bert Oh­ler vom Fern­ver­kehr der Bahn AG an. Dem­nach soll es ab De­zem­ber täg­lich ei­nen ICE von Berlin über Er­furt und Nürnberg nach Wi­en so­wie ei­nen in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung ge­ben. „Da­bei ver­kürzt sich die Fahr­zeit von Er­furt nach Wi­en um 25 Mi­nu­ten auf dann 5 St­un­den und 50 Mi­nu­ten“, sag­te Oh­ler. Dar­über hin­aus plant die Bahn für die Wo­che­n­en­den ei­nen durch­ge­hen­den ICE von War­ne­mün­de über Berlin und Er­furt nach München und ei­nen Zug in die Ge­gen­rich­tung.

Durch die neue Ice-tras­se Berlin-münchen über Er­furt hat sich die Zahl der Fahr­gäs­te auf die­ser Stre­cke mehr als ver­dop­pelt, sag­te Oh­ler. Da­her re­gie­re man mit zwei zu­sätz­li­chen Sprin­ter­zü­gen in je­de Rich­tung ab De­zem­ber. Hin­zu kom­me die Um­stel­lung von den bis­her ein­ge­setz­ten ICE-T-ZÜ­GEN auf die neu­es­te Ge­ne­ra­ti­on den ICE-4 mit mehr Sitz­plät­zen. „Da­durch ste­hen täg­lich ab dem Fahr­plan­wech­sel auf die­ser Stre­cke zu­sätz­li­che 3000 Plät­ze zur Ver­fü­gung“, er­klär­te Oh­ler.

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