„Das ver­dient den Na­men Azu­bi-ti­cket nicht“

Ju­sos ent­täuscht über Um­set­zung des rot­rot­grü­nen Ko­ali­ti­ons­ver­trags – CDU: „Ar­muts­zeug­nis“

Thüringische Landeszeitung (Eisenach) - - THÜRINGEN - VON EL­MAR OT­TO

ER­FURT. Die An­kün­di­gung des In­fra­struk­tur­mi­nis­te­ri­ums, in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode nur noch ein ab­ge­speck­tes Azu­bi­tickt auf den Weg brin­gen zu kön­nen, stößt nicht nur in der rot-rot-grü­nen Ko­ali­ti­on, son­dern auch beim po­li­ti­schen Geg­ner auf Un­ver­ständ­nis.

„Wäh­rend an­de­re Bun­des­län­der lan­des­wei­te Mo­bi­li­täts­ti­ckets für Schü­ler- und Aus­zu­bil­den­de an­bie­ten, ver­sagt die Ra­me­low-re­gie­rung bei der Ein­füh­rung ei­nes Azu­bi-ti­ckets für ganz Thü­rin­gen. Das ist ein Ar­muts­zeug­nis und sorgt nicht für ei­ne Stär­kung der dua­len Aus­bil­dung, die drin­gend nö­tig ist“, kri­ti­siert der ju­gend­po­li­ti­sche Spre­cher der Cdu-frak­ti­on, Andre­as Bühl. Nach Aus­sa­ge von In­fra­struk­tur­staats­se­kre­tär Klaus Sühl (Lin­ke) ist die Ein­füh­rung ei­nes thü­rin­gen­wei­ten Azu­bi-ti­ckets der­zeit nicht mög­lich, da Thü­rin­gen über kei­nen ein­heit­li­chen Ver­kehrs­ver­bund ver­fügt. Der Öf­fent­li­che Per­so­nen­nah­ver­kehr im Frei­staat wird durch zahl­rei­che Ver­kehrs­un­ter­neh­men or­ga­ni­siert.

Trotz ei­ner Ver­ein­ba­rung im Ko­ali­ti­ons­ver­trag und ei­nes Land­tags­be­schlus­ses von 2015 be­ab­sich­ti­ge die Lan­des­re­gie­rung, le­dig­lich in den ein­zel­nen Re­gio­nen ver­güns­tig­te Ti­ckets ein­zu­füh­ren. Die­se sol­len aus­schließ­lich für den je­wei­li­gen Ver­kehrs­be­trieb gel­ten. „Wenn es mög­lich ist, Stu­den­ten ein thü­rin­gen­wei­tes Mo­bi­li­täts­ti­cket an­zu­bie­ten, ist es Schü­lern und Aus­zu­bil­den­den schwer ver­mit­tel­bar, wie­so das für sie nicht mach­bar sein soll“, meint Bühl.

At­trak­ti­vi­tät von Lehr­be­ru­fen er­hö­hen

„Das Mot­to der Lan­des­re­gie­rung ist of­fen­sicht­lich ‚Kle­ckern statt Klot­zen‘“, sagt die Afd-bil­dungs­po­li­ti­ke­rin Wieb­ke Muh­sal. R2G ha­be lie­ber Ideo­lo­gie­pro­jek­te vor­an­ge­trie­ben, statt sich um Pro­jek­te wie das Azu­bi­ti­cket zu küm­mern.

Auch der Fdp-lan­des­vor­sit­zen­de Tho­mas Kem­me­rich be­klagt den rot-rot-grü­nen Wort­bruch. Der Li­be­ra­le er­in­nert dar­an, dass die Be­schwer­den über die zu­neh­men­de Aka­de­mi­sie­rung in der Ar­beits­welt groß sei­en und dass zwin­gend et­was ge­tan wer­den müs­se, um die At­trak­ti­vi­tät von Lehr­be­ru­fen zu er­hö­hen. Sol­che An­stren­gun­gen wür­den kon­ter­ka­riert, wenn Lehr­lin­ge schlech­ter ge­stellt sei­en als Stu­den­ten, weil sie für ih­re Fahrt zum Aus­bil­dungs­ort zur Kas­se ge­be­ten wer­den.

Die Ju­sos sind eben­falls ent­täuscht. „Die Idee der Sub­ven­tio­nie­rung des Wegs vom Wohn­ort bis zur Schu­le und An­rei­ze für Un­ter­neh­men ver­dient den Na­men Azu­bi-ti­cket nicht“, ist Lan­des­chef Oleg She­vchen­ko über­zeugt. Den Ju­sos fehlt zu­dem, dass die Aus­bil­dungs­un­ter­neh­men nicht im Boot sind: „Wir ha­ben ei­ne gro­ße De­bat­te um Fach­kräf­te­man­gel. Aber wenn es dar­um geht, Aus­bil­dung at­trak­ti­ver zu ma­chen, leh­nen sich Un­ter­neh­men zu­rück“, är­gert sich She­vchen­ko. Da­bei hät­ten ins­be­son­de­re das In­fra­struk­tur­mi­nis­te­ri­um und sein Staats­se­kre­tär Sühl ge­nau das ver­mit­teln müs­sen.

Für das Azu­bi-ti­cket ste­hen cir­ca 15 Mil­lio­nen Eu­ro für zwei Schul­jah­re zur Ver­fü­gung. Bis­lang soll aber le­dig­lich der Weg vom Wohn­ort zur Be­rufs­schu­le be­zu­schusst wer­den. Ur­sprüng­lich soll­te die Ver­güns­ti­gung auch für die Stre­cke zum Aus­bil­dungs­ort gel­ten. „Hier ist auch die Wirt­schaft ge­fragt, ih­ren An­teil bei­zu­tra­gen und da­mit die At­trak­ti­vi­tät des Aus­bil­dungs­stand­or­tes Thü­rin­gen zu stei­gern“, heißt es aus dem Haus der lin­ken Mi­nis­te­rin Bir­git Kel­ler.

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