Ein Glo­be Thea­t­re wie in En­g­land als Aus­weich­spiel­stät­te

Das Co­bur­ger Lan­des­thea­ter wird sa­niert – Stadt­rat ent­schei­det heu­te dar­über, ob als Er­satz ein höl­zer­ner Rund­bau er­rich­tet wird

Thüringische Landeszeitung (Eisenach) - - KULTUR & FREIZEIT - VON DA­VID HUTZ­LER

CO­BURG. Wenn in Co­burg das Lan­des­thea­ter re­no­viert wird, dür­fen die Zu­schau­er in ei­nen be­son­de­ren Thea­ter-neu­bau aus­wei­chen. In der ober­frän­ki­schen Stadt soll ein Glo­be Thea­ter nach eng­li­schem Vor­bild ent­ste­hen.

Nach wo­chen­lan­gem Rin­gen um die Fi­nan­zie­rung hat Bay­erns Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der (CSU) der Stadt nun zehn Mil­lio­nen Eu­ro für den höl­zer­nen Thea­ter­rund­bau in Aus­sicht ge­stellt. „Steu­er­gel­der sind bes­ser an­ge­legt, wenn sie ei­nen dau­er­haf­ten Mehr­wert für die Re­gi­on ha­ben“, be­grün­det Sö­der die Ent­schei­dung. Am heu­ti­gen Don­ners­tag will der Stadt­rat ei­ne Ent­schei­dung fäl­len.

Zu­nächst hat­te es ge­hei­ßen, der Frei­staat be­zu­schus­se nur tem­po­rä­re Über­gangs­lö­sun­gen mit 75 Pro­zent. Für die lang­fris­tig nutz­ba­re Glo­be­lö­sung wä­re je­doch nur ein Vier­tel der ge­schätz­ten Kos­ten von 15 Mil­lio­nen Eu­ro über­nom­men wor­den. Dies hat­te in Co­burg für Un­ver­ständ­nis ge­sorgt – auch bei Ober­bür­ger­meis­ter Nor­bert Tess­mer (SPD).

Zu­schüs­se vom Land Bay­ern und von Un­ter­neh­men

In ei­nem Brief an Sö­der be­ton­te er, es sei schwer ver­mit­tel­bar, „wes­halb Im­mo­bi­li­en, die nach kur­zer Zeit wie­der ab­ge­ris­sen wer­den, ei­ne stär­ke­re För­de­rung er­fah­ren als sol­che, die län­ger­fris­tig ge­nutzt wer­den“.

Un­ter­stützt wur­de er da­bei von Micha­el Sto­schek, dem Vor­sit­zen­den der Ge­sell­schafts­ver­samm­lung des Au­to­zu­lie­fe­rers Bro­se, so­wie den Un­ter­neh­men HUK Co­burg und Ka­e­ser. Die Wirt­schafts­ver­tre­ter kün­dig­ten an, im Fal­le ei­ner stär­ke­ren Be­zu­schus­sung durch den Frei­staat je­weils ei­ne Mil­li­on Eu­ro in die Fi­nan­zie­rung des Glo­be Thea­ters zu ste­cken. Den Rest wür­de die Stadt über­neh­men. Die­ser Plan traf schließ­lich im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um doch auf of­fe­ne Oh­ren.

Das Co­bur­ger Lan­des­thea­ter soll ab 2019 für ei­ne Dau­er von et­wa fünf Jah­ren grund­le­gend sa­niert wer­den. Was ge­nau mit ei­nem et­wai­gen Glo­be Thea­ter nach der Sa­nie­rung des Lan­des­thea­ters ge­sche­hen wür­de, ist noch of­fen. Sto­schek schwe­ben Ver­an­stal­tun­gen, Kon­gres­se, Ta­gun­gen oder Se­mi­na­re vor.

Er be­kom­me vie­le Mails, in de­nen Men­schen Vor­schlä­ge für die Nach­nut­zung mach­ten. Die Be­geis­te­rung in Co­burg sei in­zwi­schen sehr groß. Das sei ei­ne tol­le Chan­ce für die Stadt. Beim De­si­gn­fo­rum Ober­fran­ken, das ei­ne Kon­zept­samm­lung zum The­ma er­stellt hat, heißt es, das höl­zer­ne Thea­ter kön­ne ei­ne Büh­ne für in­no­va­ti­ve Kunst- und Kul­tur­pro­duk­tio­nen wer­den. Ent­ste­hen soll das Glo­be Thea­ter auf dem ehe­ma­li­gen Schlacht­hof- und Gü­ter­bahn­hof­ge­län­de.

Die Bau­wei­se des Thea­ters geht auf das Lon­do­ner Glo­be Thea­t­re zu­rück, das durch Auf­füh­run­gen von Sha­ke­speare-wer­ken welt­be­rühmt wur­de. Co­burg fühlt sich Groß­bri­tan­ni­en eng ver­bun­den – das Her­zo­g­haus Sach­sen-co­burg und Go­tha ist mit dem bri­ti­schen Kö­nigs­haus ver­wandt: Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. ist die Ur­ur­en­ke­lin von Al­bert von Sach­sen-co­burg und Go­tha (1819-1861), dem Ehe­mann von Queen Vic­to­ria. (dpa)

Fo­to: Nestor Bachmann, dpa

Die Ku­lis­se des Glo­be Thea­tres aus dem Film „An­ony­mous“ist sehr ge­lun­gen dem his­to­ri­schen eli­sa­be­tha­ni­schen Thea­ter­bau in Lon­don nach­emp­fun­den. Ein ähn­li­ches Ge­bäu­de könn­te in Co­burg ent­ste­hen.

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