Eis­zeit in der Dra­chen­schlucht ist ein zwei­schnei­di­ges Schwert

Pit­to­resk ge­fro­re­nes Was­ser lockt Men­schen ins Na­tur­denk­mal, doch es lau­ern Ge­fah­ren von un­ten und oben

Thüringische Landeszeitung (Eisenach) - - EISENACH - VON JENSEN ZLO­TO­WICZ

EI­SE­NACH. Bei Mi­nus­gra­den wie der­zeit, und da reicht oft schon ein ein­zi­ger klir­ren­der Tag, be­ginnt die Dra­chen­schlucht, sich an vie­len Stel­len in ei­nen Eis­pa­last zu ver­wan­deln, bil­den sich Eis­zap­fen, wer­den Fels­wän­de nach Tor­ten­guss-art groß­flä­chig mit Eis über­zo­gen, ent­wi­ckeln sich zum Teil skur­ri­le Eis­ge­bil­de. Vie­le Leu­te wis­sen um die­ses Phä­no­men und mach­ten sich am Mitt­woch, nach der ers­ten ernst­haf­ten Frost­pe­ri­ode, mit oder oh­ne Fo­to­ap­pa­rat auf in die Dra­chen­schlucht. Mi­nus vier Grad zeig­te das Qu­eck­sil­ber am Mit­tag in der Schlucht.

Auch ei­ni­ge Tou­ris­ten bahn­ten sich aus dem Ma­ri­en­tal den Weg in das über­re­gio­nal be­kann­te Na­tur­denk­mal. Ei­ni­ge von ih­nen dreh­ten al­ler­dings wie­der um, als sie be­merk­ten, dass we­der ihr Schuh­werk noch ih­re Sport­lich­keit samt Ri­si­ko­be­reit­schaft tau­gen, die an vie­len Stel­len auch am Bo­den ver­eis­te Se­hens­wür­dig­keit zu durch­que­ren. Und tat­säch­lich: Ein Gang durch die Schlucht war selbst für wa­cke­re Leu­te ei­ne heik­le An­ge­le­gen­heit. Was ih­re Ve­rei­sung be­trifft, ist die Schlucht nach der kur­zen Frost­pe­ri­ode na­tür­lich noch längst nicht das, was sie schon war und wer­den kann, an den Eng­stel­len mit­un­ter näm­lich un­pas­sier­bar, weil Ei­s­pan­zer den Weg ver­sper­ren. Es soll aber nachts wei­ter fros­tig blei­ben. Auch des­halb hat Re­vier­lei­ter Ste­fan Wich­mann (Re­vier Wart­burg) am Vor­mit­tag die Dra­chen­schlucht in­spi­ziert und die Ge­fah­ren­quel­len ana­ly­siert. Für ihn ist es we­ni­ger die Rutsch­ge­fahr auf dem Git­ter­ge­läuf über dem Bach als die mit­un­ter gro­ßen Eis­zap­fen oben an den Fels­wän­den, die im un­glück­lichs­ten Fall Men­schen er­heb­lich ver­letz­ten kön­nen.

Ei­ne Ent­schei­dung hat das For­st­amt Marksuhl als ver­ant­wort­li­che In­sti­tu­ti­on am Mitt­woch noch nicht ge­trof­fen. „Die Ten­denz geht aber zur Sper­rung der Dra­chen­schlucht“, sagt Ste­fan Wich­mann, der sich am Don­ners­tag mit For­st­amts­lei­ter Ans­gar Pa­pe be­ra­ten wird. Die Sper­rung, sagt der Re­vier­lei­ter, löst aber nicht al­le Si­cher­heits­pro­ble­me und ver­si­che­rungs­re­le­van­ten Din­ge. Di­ver­se Leu­te setz(t)en sich über die­se An­wei­sung hin­weg, im Vor­jahr so­gar Mit­ar­bei­ter des Mdr-fern­se­hens, er­in­nert sich Wich­mann.

Die Ju­ris­ten des Thü­rin­gen­fors­tes mein­ten, dass der Forst un­ge­ach­tet der Sper­r­hin­wei­se an den Ein­gän­gen der Schlucht in Scha­dens­fäl­len nicht ganz aus dem Schnei­der ist. Die Si­tua­ti­on blie­be im­mer pre­kär.

Wer das „Er­leb­nis Dra­chen­schlucht“am Mitt­woch er­fah­ren oder gar fo­to­gra­fie­ren woll­te, muss­te gut be­schuht sein und an man­chen Stel­len kon­zen­triert agie­ren, erst recht in den „Hö­hen­la­gen“der Dra­chen­schlucht. Die Eis­ge­bil­de im Na­tur­denk­mal, bei Frost­pe­ri­oden al­le Jah­re pit­to­resk und ver­lo­ckend, zie­hen Be­su­cher an. Da­zu ge­hör­te ein jun­ges Tou­ris­ten­paar aus dem Raum Nört­lin­gen. Sein Schuh­werk sah eher nach Os­ter­spa­zier­gang aus, aber er wol­le es trotz­dem mal pro­bie­ren, mein­te der jun­ge Mann.

Wer auf dem ver­eis­ten Ge­läuf aus­rutscht und ins Strau­cheln ge­rät, der ist mit ei­nem un­frei­wil­li­gen Ab­ste­cher in den Bach noch gut be­dient. Die eis­frei­en Fels­wän­de, al­le­samt Rot­lie­gen­des, sind bei die­sen Tem­pe­ra­tu­ren hart und scharf­kan­tig, so dass sich plötz­lich um Halt be­müh­te Pas­san­ten dar­an schmerz­lich ver­let­zen kön­nen.

For­st­amt ten­diert zur Sper­rung und be­rät heu­te

Für Hob­by-fo­to­gra­fen wie die­sen Mihla­er bot die Eis­welt in der Dra­chen­schlucht am Mitt­woch se­hens­wer­te Mo­ti­ve. Fo­tos: Jensen Zlo­to­wicz ()

Eis über­zieht Pflan­zen und Fels ober­halb der Schlucht.

Ein Ge­län­der von der Na­tur ver­wan­delt.

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