Al­te An­sicht wird wür­di­ger Hin­gu­cker

Zwei jun­ge Ge­ra­er sind die Bau­her­ren für ein stark ver­fal­le­nes Ein­zel­denk­mal im Stadt­zen­trum. Sie ret­ten ein Klein­od.

Thüringische Landeszeitung (Gera) - - GERA - VON CHRIS­TI­NE SCHIM­MEL

GE­RA. Aus dem stark ver­fal­le­nen Ein­zel­denk­mal, der Vil­la Ecke Leip­zi­ger Stra­ße/Cla­raZet­kin-Stra­ße wol­len Thomas Lau­bert und Al­brecht Sie­ber mit ih­rer Post­hu­mus Lau­bert und Sie­ber GbR ein kom­bi­nier­tes Ge­schäfts- und Wohn­ge­bäu­de ma­chen. Seit ei­ni­gen Wo­chen ist das an der Kreu­zung sehr prä­sent lie­gen­de Ob­jekt ein­ge­rüs­tet. Ver­schie­dens­te Si­che­rungs­maß­nah­men an der stark ver­fal­le­nen Bau­sub­stanz sind in en­ger Ab­stim­mung mit den Be­hör­den schon durch­ge­führt wor­den. Jetzt kün­di­gen die Bau­her­ren ei­nen Baustart im In­nern des Hau­ses in den nächs­ten Wo­chen an. „Die Bau­ge­neh­mi­gung ha­ben wir, die Sta­ti­ker ha­ben ihr Okay ge­ge­ben. Wir kön­nen al­so los­le­gen“, kann Lau­bert den Be­ginn der auf­wen­di­gen Bau­ar­bei­ten kaum er­war­ten. Schließ­lich soll der Roh­bau noch in die­sem Jahr fer­tig wer­den. „Al­les, was sta­tisch re­le­vant ist, wird dann ste­hen“, kün­digt Al­brecht Sie­ber an und meint nicht nur die tra­gen­den Wän­de und De­cken im kom­plett ent­kern­ten Ob­jekt, son­dern auch das neue Dach mit vie­len Gau­ben. Im kom­men­den Jahr steht dann auch die Fas­sa­den­sa­nie­rung an. Läuft al­les nach Plan, könn­ten die Ge­wer­be- und Wohn­ein­hei­ten zum Jah­res­wech­sel

2019/2020 von Mie­tern be­zo­gen wer­den.

Mitt­ler­wei­le hat Thomas Lau­bert ei­nen Teil der his­to­ri­schen Stuck­fas­sa­den­ele­men­te ab­ge­baut, um sie zu re­stau­rie­ren. Ei­ni­ge Nach­bil­dun­gen wer­den an­ge­fer­tigt, die spä­ter kom­plett ver­wit­ter­te oder zer­stör­te Re­liefs er­set­zen. „Wir ha­ben rund

15 un­ter­schied­li­che Tei­le in di­ver­sen Grö­ßen ge­si­chert. Auch die gro­ßen Be­ton­guss­fi­gu­ren wer­den sa­niert. Al­ler­dings blei­ben sie am Haus dran, denn sie sind mit er Fas­sa­de fest ver­an­kert“, be­rich­tet der jun­ge Ar­chi­tekt. Er ist froh, vie­le ori­gi­na­le Tei­le von dem zwi­schen 1879 und 1881 er­bau­ten Hau­ses ret­ten zu kön­nen. „Es ist ein ty­pi­sches Haus der Grün­der­zeit, mit Schmuck- und Gestal­tungs­ele­men­ten, die aus dem Ba­rock ad­ap­tiert sind“, weiß er. Die bis vor Kur­zem noch über dem Er­ker mon­tier­te Stahl­kon­struk­ti­on mit nicht er­hal­te­nem Bunt­glas ist eben­falls reif für die Re­stau­rie­rung und wird wie­der auf­ge­setzt. „Vor al­lem aber der Wie­der­auf­bau des nach Ori­gi­nal­plä­nen mit prunk­vol­len Gau­ben ver­se­he­nen Dach­ge­schos­ses wird dem Ge­bäu­de wie­der ein re­prä­sen­ta­ti­ves Ge­sicht ge­ben“, ist sich Al­brecht Sie­ber si­cher. Auch auf den Turm, in dem sich jetzt der Zu­gang zum Haus be­fin­det, will er ein wei­te­res Ge­schoss und ein Spitz­dach auf­set­zen. Hier wird es auch spä­ter ins Haus hin­ein­ge­hen. Aber wir wer­den den ur­sprüng­lich an­ge­leg­ten Ein­gangs­be­reich di­rekt an der Haus­ecke wie­der öff­nen, um der his­to­ri­schen An­sicht nä­her zu kom­men“, ver­si­chert er. Für die in den bei­den un­te­ren Ge­schos­sen be­find­li­chen Ge­wer­be­räu­me wird das un­ter Um­stän­den ei­ne gu­te Op­ti­on sein, sind sich die Bau­her­ren ei­nig, die bei­de hof­fen, Un­ter­neh­men mit in­no­va­ti­ven Nut­zungs­kon­zep­ten für ei­ne Ein­mie­tung zu in­ter­es­sie­ren.

Bei 150 Qua­drat­me­ter Ge­schoss­flä­che sind al­le Mög­lich­kei­ten ge­ge­ben. In­nen wird al­les neu sein, au­ßer Trep­pen­haus und Kel­ler, mit vie­len groß­zü­gi­gen Räu­men und Be­rei­chen, die al­le Mie­ter des Hau­ses ge­mein­sam nut­zen kön­nen – auch das be­geh­ba­re Dach. In den obe­ren Ge­schos­sen ent­ste­hen drei Woh­nun­gen zu je rund 100 Qua­drat­me­tern, zum Teil Mais­so­net­te“, ver­rät Thomas Lau­bert noch und freut sich schon auf den Ein­bau der ori­gi­na­len Tü­ren, die ein Hauch Ge­schich­te ins In­ne­re des Ob­jekts brin­gen. Auch farb­lich wol­len er und Al­brecht Sie­ber die Fas­sa­de am Ur­sprungs­zu­stand ori­en­tie­ren, das heißt mit ei­nem be­son­ders be­ton­ten Mit­tel­teil – so wer­den die Stu­ck­ele­men­te ganz be­son­ders gut wir­ken kön­nen.

Roh­bau soll noch 2018 fer­tig wer­den

Al­brecht Sie­ber und Thomas Lau­bert bau­en die Vil­la nach his­to­ri­schen Plä­nen auf. Fo­to: Peter Michae­lis Auch die gro­ßen Be­ton­guss­fi­gu­ren blei­ben er­hal­ten und wer­den sa­niert. Fo­to: Chris­ti­ne Schim­mel

Noch bis En­de No­vem­ber gilt die Bau­stel­len­ein­rich­tung. Da­nach kön­nen Au­to­fah­rer wie­der in die Leip­zi­ger Stra­ße ab­bie­gen. Fo­to: Peter Michae­lis

Prunk­vol­le De­tails wie die­ses Stuck­re­lief wer­den mo­men­tan ge­si­chert und re­stau­riert. Ei­ni­ge Elemente wer­den nach­ge­bil­det. Fo­to: Peter Michae­lis

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.