Deutsch­land muss Sa­mi A. zu­rück­ho­len

Der ehe­ma­li­ge Leib­wäch­ter Osa­ma bin La­dens war erst am Frei­tag­mor­gen nach Tu­ne­si­en ab­ge­scho­ben wor­den

Thüringische Landeszeitung (Jena) - - POLITIK -

BER­LIN/DÜS­SEL­DORF. Ein ExLeib­wäch­ter von Al-Kai­da-An­füh­rer Osa­ma bin La­den ist aus Deutsch­land ab­ge­scho­ben und den Be­hör­den in Tu­ne­si­en über­ge­ben wor­den – ob­wohl ein Ge­richt dies kurz zu­vor un­ter­sagt hat­te. Ein Fax mit der ent­spre­chen­den In­for­ma­ti­on er­reich­te die Be­hör­den zu spät.

Die Ab­schie­bung von A. stel­le sich als „grob rechts­wid­rig dar und ver­letzt grund­le­gen­de rechts­staat­li­che Prin­zi­pi­en“, teil­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen am Frei­tag­nach­mit­tag mit. Sa­mi A. müs­se nach Deutsch­land zu­rück­ge­holt wer­den. Ei­ne Spre­che­rin des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums hat­te zu­vor ge­sagt, der Mann sei in Be­glei­tung von vier Bun­des­po­li­zis­ten au­ßer Lan­des ge­bracht wor­den – Si­cher­heits­krei­sen zu­fol­ge am Frei­tag­mor­gen um sie­ben Uhr.

Erst am Don­ners­tag hat­te das Ge­richt ent­schie­den, dass der von den Si­cher­heits­be­hör­den als is­la­mis­ti­scher Ge­fähr­der ein­ge­stuf­te Sa­mi A. vor­erst nicht ab­ge­scho­ben wer­den dür­fe. Über das Ab­schie­be­ver­bot hat­te das Ge­richt das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) aber erst am Frei­tag­mor­gen in­for­miert. Die Ent­schei­dung vom Don­ners­tag­abend sei um 8.27 Uhr an das Bamf ge­faxt wor­den, sag­te ein Ge­richts­spre­cher.

Die BMI-Spre­che­rin sag­te am Vor­mit­tag, Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) „wur­de heu­te Mor­gen nach Be­en­di­gung der Rück­füh­rung in­for­miert, sprich mit Über­ga­be an die tu­ne­si­schen Be­hör­den“. Sie er­klär­te, ge­ne­rell sei es so, dass „wenn den Be­hör­den ein ge­richt­li­cher Be­schluss be­kannt ist, dass ei­ne Ab­schie­bung nicht durch­ge­führt wer­den darf, dann kann nicht ab­ge­scho­ben wer­den“. Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um ha­be Nord­rhein-West­fa­len bei der Ab­schie­bung „un­ter­stützt“, sag­te die Spre­che­rin.

Auf die Fra­ge, ob der Ge­fähr­der auf­grund der Ge­richts­ent­schei­dung zu­rück­ge­holt wer­den müs­se, sag­te die BMI-Spre­che­rin: „Das ist tat­säch­lich Sa­che von NRW und im Er­geb­nis des Ge­richts.“Am Abend ent­schie­den die Rich­ter dann, der Tu­ne­si­er müs­se auf Staats­kos­ten wie­der nach Deutsch­land zu­rück­ge­holt wer­den.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat­te sein Ver­bot mit feh­len­der Si­cher­heit für Sa­mi A. vor Fol­ter in Tu­ne­si­en be­grün­det. Ein Spre­cher des Aus­wär­ti­gen Am­tes sag­te, das Mi­nis­te­ri­um sei am Mon­tag über den ge­plan­ten Ab­schie­be­flug in­for­miert wor­den. Die Bot­schaft in Tu­nis ha­be dar­auf­hin beim tu­ne­si­schen Au­ßen­mi­nis­te­ri­um die­sen Flug an­ge­mel­det. (dpa)

Sa­mi A. kam im Jahr  als Stu­dent nach Deutsch­land und leb­te mit Fa­mi­lie in Bochum. Fo­to: Funke FS

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