Lebt als Kin­der des Lichts

Thüringische Landeszeitung (Jena) - - JENA - VON FRIE­DE­RI­KE COS­TA, PASTORIN IN JE­NA­WINZERLA

Lebt als Kin­der des Lich­tes; die Frucht des Lichts ist lau­ter Gü­te und Ge­rech­tig­keit und Wahr­heit. Ephe­ser 5, 8­9

Groß­for­ma­ti­ge Pla­ka­te in der Jo­han­nis­stras­se zie­hen den Blick der Pas­san­ten auf sich; schmal und hoch wie der Turm der Stadt­kir­che, des­sen Si­luet­te in der ab­ge­bil­de­ten Stra­ßen­flucht er­kenn­bar ist. Beim ge­naue­ren Hin­schau­en zeich­nen sich un­ter ei­nem braun­ro­ten Him­mel die licht­lo­sen Kon­tu­ren der Jo­han­nis­stras­se ab. Ein Zelt ist zu se­hen, da­vor ein Mensch ­ nein, viel we­ni­ger, das Sche­ma, die Scha­blo­ne ei­nes Men­schen. Kein Ge­sicht, kei­ne Haut­far­be, kei­ne Iden­ti­tät. Ein ­ Nichts!

Ich kann nicht vor­bei­ge­hen. Das Bild hält mich fest.

Das auf der lin­ken Sei­te ab­ge­bil­de­te Haus in der Jo­han­nis­stras­se13 ist seit meh­re­ren Jah­ren ei­ne An­lauf­stel­le für Men­schen, de­nen das „Nichts“auf die Stirn ge­schrie­ben zu sein scheint. Iden­ti­täts­“Nicht­se“, Ha­be­nicht­se, weil Hei­mat­lo­se und Ge­flüch­te­te. Die Bi­bel nennt sie die Ar­men und Elen­den. Ihr Si­gnum ist das Zelt, die pro­vi­so­ri­sche Be­hau­sung, die mor­gen schon ab­ge­ris­sen oder weg­ge­räumt sein kann. Und ge­ra­de in die­sem sche­men­haf­ten Men­schen kon­zen­triert sich in die­ser Darstel­lung das ein­zi­ge Licht.

Ein Wort aus dem Ephe­ser­brief er­in­nert die christ­li­che Ge­mein­de an Je­su Auf­trag: Ihr seid das Licht der Welt. Des­halb schreibt Pau­lus: Lebt als Kin­der des Lich­tes; die Frucht des Lichts ist lau­ter Gü­te und Ge­rech­tig­keit und Wahr­heit.

Ja, das Licht muss im­mer wie­der ge­gen die Fins­ter­nis, ge­gen die Dun­kel­heit an­kämp­fen. Als Ge­mein­de sind wir nur so lan­ge Licht in der Welt, wie wir uns von Gott in An­spruch neh­men las­sen, da­mit nicht die Fins­ter­nis re­giert in den Köp­fen der Men­schen und in den Struk­tu­ren der Welt, son­dern dass Men­schen Got­tes Lie­be er­fah­ren und so ins Licht und ins Le­ben fin­den.

Ge­mein­de ver­brei­tet dort Licht, wo sie hin­geht zu de­nen, die oh­ne Hil­fe sind. Ge­mein­de Je­su Chris­ti ist Licht der Welt, wo sie emp­find­sam bleibt für die Ängs­te der Men­schen, de­nen das Was­ser buch­stäb­lich bis zum Hals steht. Ge­mein­de ver­brei­tet dort Licht, wo sie Lie­be übt, Ge­rech­tig­keit ein­for­dert und nicht auf­hört, nach der Wahr­heit zu su­chen.

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