Hand­wer­ker set­zen auf Lern­ef­fek­te in Ver­wal­tung

Kam­mer­Prä­si­dent Lo­ben­stein stellt Stand­ort­test vor – Eichs­feld vorn, Erfurt ist Schluss­licht

Thüringische Landeszeitung (Weimar) - - ERSTE SEITE - VON FA­BI­AN KLAUS

Die Hand­werks­kam­mern Erfurt und Süd­thü­rin­gen ha­ben die Stadt- und Kreis­ver­wal­tun­gen in ih­ren Ge­schäfts­be­rei­chen auf Herz und Nie­ren ge­prüft. Im Mit­tel­punkt der Be­fra­gung stand: Wie gut sind die Be­din­gun­gen für die Hand­wer­ker in der je­wei­li­gen Re­gi­on?

„Das Er­geb­nis hat uns nicht über­rascht“, sagt Kam­mer­prä­si­dent Lo­ben­stein die­ser Zei­tung. Ge­won­nen hat der Land­kreis Eichs­feld, das Schluss­licht bild die Ver­wal­tung der Lan­des­haupt­stadt Erfurt. Der Stand­ort­test im Rah­men der Kom­mu­nal­wahl in die­sem Jahr ist jetzt aus­ge­wer­tet wor­den.

Lo­ben­stein kün­digt an, dass die Kam­mer vor al­lem das Ge­spräch mit den Ver­wal­tun­gen su­chen wol­le, in de­nen es nicht so rund lau­fe wie im Eichs­feld. „Wir hof­fen auf ei­nen Lern­ef­fekt, wenn wir auf­zei­gen, was an­ders­wo bes­ser läuft“, so Lo­ben­stein. Die Aus­zeich­nung für den Land­kreis Eichs­feld geht vor al­lem auf gu­te Be­wer­tun­gen in den Be­rei­chen zu­rück, für die auch die Kom­mu­nen Ver­ant­wor­tung tra­gen – bei­spiels­wei­se auf ei­ne gu­te Ver­füg­bar­keit und Er­reich­bar­keit von Ge­wer­be­flä­chen. Aber auch, dass die Ent­schei­der in den Be­hör­den stets gut er­reich­bar sei­en, wird po­si­tiv an­ge­merkt.

Von den zehn an­ge­schrie­be­nen Ver­wal­tun­gen im Kam­mer­be­zirk Erfurt hat sich le­dig­lich der Ilm-Kreis nicht be­tei­ligt.

Die Ver­ant­wort­li­chen hät­ten die Ge­le­gen­heit ge­habt, die Fra­gen auch un­ehr­lich zu be­ant­wor­ten. Es ging den Hand­wer­kern dar­um, dass sich die Ver­wal­tun­gen selbst ein­schät­zen. „Für das Eichs­feld kann ich die Selbst­ein­schät­zung der Ver­wal­tung be­stä­ti­gen“, wür­digt Kreis­hand­werks­meis­ter Jür­gen Krat­zer. Platz zwei er­reich­te der Wart­burg­kreis, auf Platz drei kam Wei­mar.

Die­se Fra­ge ge­hört be­ant­wor­tet: Wo soll die Pla­ket­te hän­gen, die aus­weist, dass die Ver­ant­wort­li­chen der Hand­werks­kam­mer Erfurt die Ver­wal­tung im Land­kreis Eichs­feld für be­son­ders hand­wer­ker­freund­lich hal­ten? Ei­ne Ant­wort gibt so­dann der Haus­herr. Land­rat Wer­ner Henning (CDU) wird sie am Haus III der Kreis­ver­wal­tung an­brin­gen las­sen, „weil die prak­ti­schen Ab­tei­lun­gen“dort be­hei­ma­tet sind; bei­spiels­wei­se die Bau­auf­sicht.

Wie der Land­kreis Eichs­feld zu der Eh­re kommt, das er­klärt sich aus ei­ner Be­fra­gung, die die Hand­werks­kam­mer Erfurt ge­mein­sam mit der Hand­werks­kam­mer Süd­thü­rin­gen vor der Kom­mu­nal­wahl durch­ge­führt hat. Sie woll­te die Ver­wal­tun­gen vor Ort zu ei­ner Selbst­ein­schät­zung ih­rer Hand­wer­ker­freund­lich­keit be­we­gen. Für den Kam­mer­be­zirk Erfurt, mi­t­hin den größ­ten im Frei­staat, ist das in neun von zehn Ver­wal­tun­gen ge­lun­gen – und das Eichs­feld schnitt mit 235 von 260 Punk­ten be­son­ders gut ab.

„Ein Er­geb­nis, das uns nicht über­rascht. Man sieht, dass hier die Wirt­schaft funk­tio­niert“, sagt Ste­fan Lo­ben­stein, Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer. In der Be­fra­gung spiel­ten vor al­lem Ge­wer­be­flä­chen und ih­re Ver­füg­bar­kei­ten, aber auch Steu­er­he­be­sät­ze, die Er­reich­bar­keit von Ent­schei­dern oder Ener­gie­prei­se ei­ne Rol­le. In den letzt­ge­nann­ten Ka­te­go­ri­en steht der Land­kreis Eichs­feld ge­gen­über den an­de­ren Ver­wal­tun­gen be­son­ders gut da. Land­rat Henning sieht in der Aus­zeich­nung ei­ne Wür­di­gung für über vie­le Jah­re ge­wach­se­ne Struk­tu­ren in der Nord­thü­rin­ger Re­gi­on. „Un­ser Er­folg hat auch et­was da­mit zu tun, dass sich Ver­wal­tung nicht als po­li­tisch und nicht als über­bor­dend an­sieht“, sagt er. In der Kreis­ver­wal­tung aber auch in den Ver­wal­tun­gen der Kom­mu­nen ge­he man vie­ler­orts da­von aus, dass je­der „weiß, was er zu tun und zu las­sen hat“. Je­der wol­le ei­nen gu­ten Job ma­chen nach al­len Vor­schrif­ten, die exis­tie­ren.

Ist das in Erfurt an­ders? Im­mer­hin schnei­det die Lan­des­haupt­stadt ge­hö­rig schlech­ter ab, kommt auf 100 Punk­te we­ni­ger. „Uns hat auch die­ses Er­geb­nis nicht wirk­lich über­rascht“, macht Lo­ben­stein, selbst Un­ter­neh­mer in Erfurt, deut­lich. Al­lein die Fra­ge nach den durch­schnitt­li­chen Steu­er­he­be­sät­zen sor­ge für ei­nen er­heb­li­chen Mi­nus­punkt für Erfurt. Die Un­ter­schie­de, das ha­be der Fra­ge­bo­gen ge­zeigt, sei­en deut­lich. Aber auch die Er­reich­bar­keit der Ent­schei­der sei in Erfurt nicht der­art gut aus­ge­prägt, wie das im Eichs­feld Fall sei. Im Kern, macht Lo­ben­stein deut­lich, „geht es aber nicht um Ge­win­ner oder Ver­lie­rer“. Wich­tig sei den Kam­mer­ver­ant­wort­li­chen, dass die Ver­wal­tun­gen vor Ort da­für sen­si­bi­li­siert wer­den, dass ih­re Hand­wer­ker In­ter­es­sen ha­ben. Wo das nicht so gut funk­tio­nie­re, sol­le das Ge­spräch ge­sucht wer­den.

Der Land­kreis Eichs­feld ver­fügt mit den kreis­ei­ge­nen Be­trie­ben „Eichs­feld­wer­ke“zu­dem über ei­nen be­son­de­ren Fak­tor, der seit der Grün­dung in den 1990er-Jah­ren mehr als 500 Mil­lio­nen Eu­ro in der Re­gi­on in­ves­tiert hat – viel Geld, das zu­vor­derst an Be­trie­be in der Re­gi­on flie­ßen konn­te, die die Auf­trä­ge ab­ge­wi­ckelt ha­ben. Zu­dem schreibt die Ver­wal­tung ih­re Auf­trä­ge nach wie vor ge­wer­ke­scharf aus und ach­tet da­bei dar­auf, dass vie­le von Un­ter­neh­men in der Re­gi­on ab­ge­wi­ckelt wer­den kön­nen. „90 Pro­zent der Auf­trä­ge wer­den von un­se­ren Be­trie­ben ab­ge­wi­ckelt“, sagt der stell­ver­tre­ten­de Land­rat Ge­rald Schnei­der (CDU), der in der Ver­wal­tung auch die Fach­auf­sicht über die Bau­the­men hat.

Aus Sicht der Kam­mer­ver­ant­wort­li­chen exis­tiert im Land­kreis Eichs­feld zu­dem ein deut­lich aus­ge­präg­te­res „Wir“-Ge­fühl. Und den­noch se­hen so­wohl die Hand­wer­ker als auch die Ver­ant­wort­li­chen in der Re­gi­on, dass das In­ter­es­se der Hand­werks­be­trie­be, für die öf­fent­li­che Hand zu ar­bei­ten, nicht son­der­lich groß ist. „Vie­le wol­len das nicht, weil sie kei­ne 40 Sei­ten An­trä­ge aus­fül­len wol­len“, sagt Ge­rald Schnei­der. Ste­fan Lo­ben­stein und Hand­werks­Ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Mal­che­rek ni­cken zu­stim­mend.

Kein In­ter­es­se an „40 Sei­ten An­trä­ge“

Die Su­che nach ei­nem Platz hat be­gon­nen: Kam­mer­prä­si­dent Ste­fan Lo­ben­stein (links) über­gab die Pla­ket­te für die hand­wer­ker­freund­lichs­te Ver­wal­tung an Land­rat Wer­ner Henning. Sie wird aber nicht, wie hier an­ge­deu­tet, am Schloss ih­ren Platz fin­den, son­dern an ei­nem an­de­ren Haus der Kreis­ver­wal­tung. Fo­to: Fa­bi­an Klaus

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