Das neue Bau­haus-Mu­se­um er­öff­net de­fi­ni­tiv oh­ne Glas­fas­sa­de

Nach ei­nem nicht bin­den­den Ju­ry­Vo­tum soll der Stif­tungs­rat der Klas­sik­Stif­tung im No­vem­ber ent­schei­den

Thüringische Landeszeitung (Weimar) - - WEIMAR - VON SU­SAN­NE SEI­DE

In den Rei­hen des Stadt­ra­tes wächst der Un­mut über die Klas­sik-Stif­tung. Das be­kam Prä­si­dent Hell­mut See­mann im jüngs­ten Kul­tur­aus­schuss zu spü­ren. Die Kri­tik be­traf nicht nur, aber in wei­ten Tei­len, den Neu­bau des Bau­hausMu­se­ums – und da na­tur­ge­mäß den mög­li­chen Weg­fall der Glas­fas­sa­de. Im Streit dar­um, ob die in der Bau­ge­neh­mi­gung fest­ge­schrie­be­ne Fas­sa­den­ge­stal­tung aus­ge­führt wird oder nicht, soll ei­ne Ju­ry be­ru­fen wer­den. De­ren Ent­schei­dung ist al­ler­dings nicht bin­dend für den Stif­tungs­rat der Klas­sik-Stif­tung, der im No­vem­ber zum The­ma tagt. Und al­lein mit dem Da­tum der Sit­zung steht fest, dass es zur Er­öff­nung des Mu­se­ums En­de April 2019 auf kei­nen Fall ei­ne Glas­fas­sa­de ge­ben wird.

Im Kul­tur­aus­schuss hat See­mann nach über­ein­stim­men­den Aus­sa­gen meh­re­rer Teil­neh­mer ge­stie­ge­ne Bau­kos­ten ins­ge­samt als Hin­ter­grund für die Über­le­gung an­ge­führt, die Glas­fas­sa­de weg­zu­las­sen. Die­ses Ar­gu­ment woll­ten aber nicht al­le Stadt­rä­te so ein­fach ste­hen las­sen, son­dern er­in­ner­ten sich an die Aus­sa­ge von Kul­tur­mi­nis­ter Ben­ja­min-Im­ma­nu­el Hoff (Lin­ke), dass bei dem Pres­ti­ge­ob­jekt für Thü­rin­gen Geld kei­ne Rol­le spie­len dür­fe. Ins­ge­samt sind für das Mu­se­um Kos­ten von 22,6 Mil­lio­nen Eu­ro vor­ge­se­hen, die Bund und Land über­neh­men. Die Glas­fas­sa­de schlug bei der Aus­schrei­bung, die die Klas­si­kStif­tung be­kannt­lich zu­rück­ge­zo­gen hat, mit knapp 1,3 Mil­lio­nen Eu­ro zu Bu­che.

Ver­är­gert zeig­ten sich Stadt­rä­te vor al­lem über das Hin und Her. Denn einst muss­ten die Ar­chi­tek­ten Hei­ke Ha­na­da und Be­ne­dict To­non in ih­rem Ent­wurf für die fi­na­le Wett­be­werbs­run­de die von der Ju­ry kri­ti­sier­te Fas­sa­den­ge­stal­tung än­dern. Da­durch wur­de aus po­lier­tem wei­ßem Be­ton ei­ne ho­ri­zon­tal ge­glie­der­te, opa­ke Glas­fas­sa­de, die dem Bau ei­ne leich­te­re, ed­le­re und durch­schei­nen­de An­mu­tung ver­lei­hen soll­te. Was al­so einst die Krö­nung und das prä­gen­de Gestal­tungs­ele­ment des Bau­werks wer­den soll­te, kann jetzt aus Stif­tungs­sicht ein­fach weg­fal­len, so die Kri­tik.

Al­ler­dings ste­cken Stadt und Stadt­rä­te in ei­ner Zwick­müh­le: Wenn sie un­ter den neu­en Be­din­gun­gen auf ei­nen ver­än­der­ten Bau­an­trag po­chen, ver­streicht Zeit. Zeit, die nie­mand hat. Denn nach dem gro­ßen Bau­ver­zug zum Start ist der Ablauf oh­ne­hin so ge­strickt, dass kei­ne Pau­sen mehr ent­ste­hen dür­fen. Wenn das Mu­se­um des­halb nicht En­de April er­öff­net wer­den kann, wä­re es ein Leich­tes für die Klas­sik-Stif­tung, der Stadt den schwar­zen Pe­ter zu­zu­schie­ben. Und mit Si­cher­heit kä­me der Vor­wurf, dass die ver­meint­li­che Pro­vinz­stadt, die einst das Bau­haus ver­trieb, nun die Fer­tig­stel­lung des Mu­se­ums mit bü­ro­kra­ti­schem Klein­klein ver­zö­gern wür­de. Das al­ler­dings will sie gar nicht, son­dern ei­nen Neu­bau, der den Er­war­tun­gen der Wei­ma­rer ent­spricht.

Das neue Bau­haus-Mu­se­um Des­sau be­kommt ei­ne Glas­fas­sa­de. Es ist als schwe­ben­der Rie­gel aus Stahl in ei­ner glä­ser­nen Hül­le kon­zi­piert. Ab­bil­dung: Stif­tung Bau­haus Des­sau

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