Was ist denn gut?

Thüringische Landeszeitung (Weimar) - - WEIMAR - VON HAR­DY RYLKE

Es ist dir ge­sagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir for­dert, näm­lich Got­tes Wort hal­ten und Lie­be üben und de­mü­tig sein vor dei­nem Gott. Micha 6,8

Was ist denn gut?

Fie­len frü­he­ren Ge­ne­ra­tio­nen Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen leich­ter? Als ich Kind war, üb­ten sich „gu­te“Kin­der in Ge­hor­sam, schwie­gen wenn Er­wach­se­ne spra­chen, grüß­ten zu­erst, be­dank­ten sich höf­lich auch wenn es Spi­nat zu Mit­tag gab.

Heu­te hängt die Ant­wort oft vom Blick­win­kel ab. Was ist wann, für wen und aus wel­chem Grund und mit wel­chem Ziel gut. Hin und wie­der fal­len Ant­wor­ten Har­dy Rylke ist Pfar­rer in der Ja­kobs­kir­che. Fo­to: C. We­ber

schließ­lich so­gar ver­schie­den aus. Und den­noch: Was ist denn gut? Und was ist dann bö­se?

Gut ist al­les, was Le­ben för­dert und stärkt, und bö­se ist all das, was Le­ben be­hin­dert. Das wä­re mei­ne Ant­wort nach drei Mi­nu­ten Nach­den­ken. Was ant­wor­ten Sie denn, lie­be Le­se­rin, lie­ber Le­ser?

Of­fen­sicht­lich rech­net der Pro­phet Micha da­mit, dass Men­schen das wis­sen. Aber wo­her? Wo­her weiß ein Mensch, was gut ist? Für Micha ist dies kei­ne Fra­ge: Hal­te dich an Got­tes Wort, übe dich in Lie­be und sei de­mü­tig vor dei­nem Gott, so spricht er mein Ge­wis­sen an.

Aber was „gut“lehr­ten mich einst mei­ne El­tern, Men­schen, die mich im Le­ben be­glei­tet ha­ben und mein Ge­wis­sen.

In Zei­ten, in de­nen kon­fes­si­ons­lo­se Men­schen in Thü­rin­gen die Mehr­heit bil­den, ist der Hin­weis auf die Lie­be wohl am bes­ten ver­ständ­lich. Doch schon hö­re ich die Ein­sprü­che: „Mit Lie­be kommst Du aber nicht sehr weit.“Du musst auch ler­nen, dei­nen Platz zu be­haup­ten und die El­len­bo­gen ein­zu­set­zen.

Got­tes Wort ist die Bi­bel. Je­de Ge­ne­ra­ti­on legt sie neu aus und fragt, je nach Si­tua­ti­on, was denn nun gut ist in. Und dann den­ke ich: Ein we­nig mehr De­mut wür­de uns Men­schen heu­te ganz gut zu Ge­sicht ste­hen und ei­ni­ge Pro­ble­me ver­klei­nern. Und mir sind man­che ein­fa­che Ant­wor­ten auf kom­pli­zier­te Din­ge in die­sen Ta­gen zu ein­fach ge­strickt.

Am Schluss: Ich wün­sche Ih­nen ein gu­tes Zwie­bel­markt­wo­chen­en­de.

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