’s geht doch!

Es gibt Men­schen, die träu­men nur von ei­ner bes­se­ren Welt. An­de­re, wie die Grün­der der Wohn­wel­ten von GRÜ­NE ER­DE, schaf­fen sie. Da­bei ori­en­tie­ren sie sich an der Na­tur und fin­den: Voll­kom­me­ne­res gibt es nicht

tina Woman - - Inhalt - Fo­tos: Be­thel Faht

War­um man auf Öko-Ma­trat­zen gut schläft? Die Grün­der von Grü­ne Er­de wis­sen es

Na, das war viel­leicht ei­ne Gau­di, als der Karl Kam­mer­ho­fer und der Rein­hard Kepp­lin­ger in wei­ßen Py­ja­mas ei­ne selbst ge­näh­te Ma­trat­ze schul­ter­ten und quer durchs ober­ös­ter­rei­chi­sche Scharn­stein un­ter dem Ge­läch­ter der Dorf­be­woh­ner zum Fluss hin­un­ter­lie­fen. Ge­schaut ha­ben die Leu­te da. Und sich ge­wun­dert über die lang­mäh­ni­gen „Spin­ner“, die ein Schlaf­la­ger durch die Land­schaft zum Ufer der Alm schlepp­ten, um es zu fo­to­gra­fie­ren. Hät­te nur noch ge­fehlt, dass die sich da nie­der­le­gen und im Frei­en näch­ti­gen. Zu­zu­trau­en war’s de­nen ja, „den Grü­nen“, die glaub­ten, die Welt ver­bes­sern zu kön­nen. Mit ei­ner Ma­trat­ze aus Schaf­wol­le! Ja mei! Da­bei gab es doch jetzt, in den 1980er-Jah­ren, al­les so schön güns­tig und in­dus­tri­ell ge­fer­tigt zu kau­fen. „Mal schaun, wie lang die’s machn“, hieß es. Als die Ma­cher ih­re Ma­trat­ze für ei­nen Ka­ta­log in Sze­ne setz­ten, glaub­te nie­mand an ei­nen Er­folg – au­ßer dem Kam­mer­ho­fer und dem Kepp­lin­ger. Die wa­ren si­cher, dass man in der Nacht auf nichts schö­ner träumt und ge­sün­der und bes­ser ruht als auf dem, was die Na­tur her­gibt.

Jetzt, gut drei Jahr­zehn­te spä­ter, sind die lan­gen Haa­re kurz und lich­ter, der Py­ja­ma wur­de ge­gen le­ge­re Lei­nenOut­fits ge­tauscht, die Ma­trat­ze na­mens „Wei­ße Wol­ke“ist ein Klas­si­ker – und die öko­lo­gi­sche Vi­si­on der um­welt­be­weg­ten Al­ter­na­ti­ven von einst, die ihr Un­ter­neh­men Grü­ne Er­de nann­ten, ist ein Me­ga-Trend.

Un­weit von Scharn­stein,

in Vorch­dorf, mit­ten auf dem Land, wer­den heu­te jähr­lich 8500 Grü­ne-Er­deMa­trat­zen ge­fer­tigt. Sie tra­gen Na­men wie „Himm­li­sche Wol­ke“, „Pa­ra­die­si­sche Wol­ke“oder „Wol­ke von Eden“. Be­quem sind sie al­le – und per­fekt kon­stru­iert, denn das Know-how im Ma­trat­zen­ma­chen wur­de stän­dig wei­ter­ent­wi­ckelt. Zwei Mit­ar­bei­ter bau­en ge­ra­de ei­nen Rah­men aus Na­tur­la­tex­zu­schnit­ten. Sorg­fäl­tig schich­ten sie dar­in ver­schie­de­ne Ma­te­ria­li­en an- und über­ein­an­der, so­dass ei­ne Art Fli­cken­tep­pich ent­steht. Pro­duk­ti­ons­lei­te­rin Re­na­te Kai­ser er­klärt uns: „Da­mit man auf die­sem Mo­dell op­ti­mal liegt, schaf­fen wir un­ter­schied­lich fes­te Zo­nen für leich­te­re und schwe­re­re Kör­per­par­ti­en. Zu­gleich sorgt der Kern für ei­ne op­ti­ma­le Be­lüf­tung. Ganz wich­tig: Wir ver­wen­den für un­se­re Ma­trat­zen wie auch für al­le an­de­ren Pro­duk­te aus­schließ­lich zer­ti­fi­zier­te Na­tur­ma­te­ria­li­en und haut­freund­li­che Stof­fe oh­ne che­mi­sche Zu­sät­ze. Dar­un­ter sind Ko­kos, Na­tur­la­tex, Schaf­schur­wol­le aus Ös­ter­reich, eu­ro­päi­sches Lei­nen und Baum­wol­le aus kon­trol­liert bio­lo­gi­schem An­bau.“Die Be­geis­te­rung über das, was hier her­ge­stellt wird, ist

Re­na­te Kai­ser auch nach 32 Jah­ren Be­triebs­zu­ge­hö­rig­keit an­zu­se­hen. Die 57-Jäh­ri­ge ist von Be­ginn an da­bei, und ih­re Au­gen strah­len vor Stolz. An­ders als in den An­fangs­jah­ren, als sie den Her­ren in der klei­nen Werk­statt, di­rekt ne­ben dem Kri­mi­nal­mu­se­um im Kel­ler des Schlos­ses Scharn­stein, das Ma­trat­zen­nä­hen bei­brach­te, sind die heu­ti­gen Pro­duk­ti­ons­stät­ten ge­räu­mig und hell. Zwar ka­men zu den Ma­trat­zen mit dem wach­sen­den Er­folg Mö­bel und Woh­nac­ces­soires von zeit­lo­sem De­sign, Na­tur­kos­me­tik und ei­ne Mo­de-Li­nie da­zu – aber an dem An­spruch von Grü­ne Er­de hat sich nur we­nig ver­än­dert. Al­les wird nach gu­ter al­ter Tra­di­ti­on von Hand ge­fer­tigt. Von Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern, die dem fa­mi­li­en­freund­li­chen Un­ter­neh­men seit vie­len Jah­ren die Treue hal­ten. Und das wohl nicht oh­ne Grund.

Die Welt, von der das Grü­ne-Er­de-Team träum­te,

be­schränk­te sich nicht auf wol­kenglei­chen Schlaf. Als Kin­der der 1968er-Ge­ne­ra­ti­on, die dem Wald­ster­ben, der Ver­schmut­zung von Ge­wäs­sern und Luft, der Un­ter­drü­ckung und Aus­beu­tung nicht län­ger ta­ten­los zu­se­hen woll­ten, form­ten sie ein fai­res und öko­lo­gi­sches Un­ter­neh­men. „Uns trieb die Sehn­sucht nach ei­nem Le­ben, in dem wir ver­ant­wor­tungs­voll mit un­se­rer Um­welt und der Na­tur um­ge­hen, in dem es so­zi­al ge­recht zu­geht und das nicht von Ge­winn­stre­ben be­herrscht wird“, sagt Rein­hard Kepp­lin­ger, der seit dem Aus­schei­den des Grün­ders Kam­mer­ho­fer ge­mein­sam mit Ku­no Haas die Ge­schäf­te führt. In die Pra­xis um­ge­setzt heißt das: Die Roh­stof­fe für Grü­neEr­de-Pro­duk­te wer­den nach­hal­tig an­ge­baut. Sie wer­den vor Ort – oh­ne Che­mie – ver­ar­bei­tet. Die Men­schen, die bei­spiels­wei­se in Asi­en das Ko­kos und Na­tur­la­tex für die Ma­trat­zen, aber auch die als Pflan­zen­dau­nen be­kann­ten Ka­pok­fa­sern ern­ten, ha­ben ein fai­res Aus­kom­men. Und: Das mehr­fach als fa­mi­li­en- und frau­en­freund­lich aus­ge­zeichnte Un­ter­neh­men mit 14 ei­ge­nen Shops in Ös­ter­reich und Deutsch­land schafft Ar­beits­plät­ze in der Re­gi­on, mitt­ler­wei­le sind es 270 an drei ver­schie­de­nen Stand­or­ten.

Die­se Idee be­geis­tert nicht nur die Mit­ar­bei­ter.

Der treue Kun­den­kreis der Grün­der­zeit wur­de mit der Er­wei­te­rung des Sor­ti­ments grö­ßer. Sie glau­ben an die Wor­te des bra­si­lia­ni­schen Bi­schofs und Men­schen­recht­lers Hél­der Câ­ma­ra, die sich Grü­ne Er­de zu ei­gen ge­macht hat: „Wenn ei­ner träumt, bleibt es ein Traum. Träu­men wir aber al­le ge­mein­sam, wird es Wirk­lich­keit.“Weil träu­men al­lein aber manch­mal nicht reicht, er­mög­li­chen sie über ein Be­tei­li­gungs­mo­dell, dass Grü­ne Er­de – un­ab­hän­gig von Ban­ken und Groß­kon­zer­nen – wach­sen kann. Und so ist die­se Welt im Klei­nen viel­leicht tat­säch­lich ein bes­se­rer Ort.

Text: Claudia Res­höft

Pu­re Na­tur und wat­te­weich: Für das op­ti­ma­le Schlaf­kli­ma wird in den Kis­sen Schur­wol­le mit den Pflan­zen­dau­nen des tro­pi­schen Ka­po­kBaums ge­mischt Am liebs­ten wä­re sie ein­fach lie­gen ge­blie­ben: Wie im Him­mel fühl­te sich un­se­re Au­to­rin auf der wol­kenglei­chen Ma­trat­ze

Bei den Stof­fen für Bett­wä­sche und Vor­hän­ge ist nicht nur die Baum­wol­le bio. Auch die Far­ben sind na­tür­li­chen Ur­sprungs

Frau­en­power: 80 Pro­zent der Be­leg­schaft von Grü­ne Er­de sind weib­lich. Und ein prä­zi­ses Hand­werk ist ihr täg­li­ches Ge­schäft

Fast fa­mi­li­är, aber den­noch hoch pro­fes­sio­nell geht es in der Pro­duk­ti­on zu. Die­se bei­den Da­men eti­ket­tie­ren die Na­tur­kos­me­tik

Frü­her hielt man sie für ei­ne Sek­te. Heu­te sind sie ei­ner der größ­ten Ar­beit­ge­ber in der Re­gi­on

Im Shop in Scharn­stein ist rund um die Grü­ne-Er­de-Wohn- und Mo­de­welt auch ei­ne öko­lo­gi­sche und fai­re Ge­nuss­welt ent­stan­den

Pro­duk­ti­ons­lei­te­rin Re­na­te Kai­ser (l.) er­laubt uns ei­nen Blick in die Mö­bel­her­stel­lung, wo Pols­ter­meis­ter Ger­hard Sand­heigl (r.) ei­nen Ses­sel fer­tigt

Haut­sym­pa­thisch und -ver­träg­lich, des­halb oh­ne jeg­li­che Che­mie ist auch die fair pro­du­zier­te Wä­sche- und Mo­de­kol­lek­ti­on

Vom grü­nen Idea­lis­ten zum fai­ren Un­ter­neh­mer mit so­zia­lem Ge­wis­sen – auch so geht Er­folg!

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