Na­tür­lich schön

Die Calen­du­la ist ei­ne Wohl­tat für un­se­re Haut. Was sie und ih­re hüb­schen Schwes­tern aus dem Pflan­zen­reich kön­nen, ha­ben wir bei ei­nem Gar­ten­spa­zier­gang ent­deckt

tina Woman - - Inhalt - Text: Clau­dia Res­höft Fo­tos: To­bi­as Ger­ber

Wie Pflan­zen un­se­rer Haut gut­tun – ein Gar­ten­spa­zier­gang bei We­le­da

Zwi­schen all dem Grün leuch­tet sie schon von Wei­tem. Und so kommt selbst an die­sem wol­ken­ver­han­ge­nen Ju­li­m­or­gen an­ge­sichts des flam­men­den Blü­ten­meers un­will­kür­lich gu­te Lau­ne auf. Ei­ne leich­te Bri­se stif­tet Aber­tau­sen­de Calen­dul­ab­lu­men da­zu an, ih­re Köp­fe zu wie­gen. Nur noch we­ni­ge Ta­ge, dann wird von die­ser Pracht nichts mehr zu se­hen sein. Denn die satt oran­ge­far­be­nen Blü­ten sind kost­bar wie Gold.

Der Re­gen und die Son­ne die­ses Som­mers wer­den für ei­ne rei­che Ern­te sor­gen. Da ist Micha­el St­raub si­cher. Der 58-Jäh­ri­ge und sein Team sind zu­stän­dig da­für, dass hier, im Gar­ten des We­le­da-Er­leb­nis­zen­trums in Wetz­gau, al­les wächst und ge­deiht. Vor al­lem auch die Calen­du­la. Vie­len von uns ist sie we­gen ih­rer leicht ge­krümm­ten Sa­men bes­ser als Rin­gel­blu­me be­kannt, an de­ren Blü­ten­blät­tern wir ab­zähl­ten, ob er uns liebt oder nicht … Micha­el St­raub in­ter­es­siert sich we­ni­ger für ro­man­ti­sche Ge­füh­le, son­dern viel­mehr für die Heil­kraft der strah­len­den Schö­nen. „Un­ter den 140 Heil­pflan­zen, die wir hier ern­ten, ist sie ei­ne der wich­tigs­ten“, sagt er. Seit 20 Jah­ren ar­bei­tet der Agrarin­ge­nieur für das Un­ter­neh­men und be­geis­tert sich noch im­mer für das Mul­ti­ta­lent. „Ur­sprüng­lich war sie im At­las­ge­bir­ge Nord­afri­kas be­hei­ma­tet. Wenn nach ei­ner Ver­let­zung ein Mit­tel mit Calen­du­la ein­ge­setzt wird, re­ge­ne­riert sich das Ge­we­be bis in die tie­fe­ren Haut­schich­ten und heilt so die Wun­de – da kann man fast zu­schau­en. Zu­dem bil­den ih­re In­halts­stof­fe ei­ne schüt­zen­de Hül­le und un­ter­stüt­zen so die na­tür­li­che Wi­der­stands­kraft der Haut.“Die­se Ei­gen­schaf­ten ma­chen sich die For­scher des Hau­ses zu­nut­ze. Doch be­vor sie sich an ihr Werk be­ge­ben, ho­len vie­le flei­ßi­ge Hän­de die Blü­ten vom Feld.

In den frü­hen Mor­gen­stun­den

sind die­se Korb­blüt­ler be­son­ders vi­tal. Sie müs­sen ge­pflückt wer­den, be­vor die Wär­me des Tages ih­nen et­was von ih­rer Kraft raubt. Ern­te­hel­fer aus dem Aus­land braucht man da­für nicht. Das er­le­di­gen die Mit­ar­bei­ter vor Ort. „Wir schi­cken an al­le ei­ne Rund-Mail und sa­gen, wo wir uns tref­fen. Wer es ein­rich­ten kann, kommt. Vor al­lem die Kol­le­gen, die sonst den gan­zen Tag auf dem Bü­ro­stuhl sit­zen, sind be­geis­tert da­bei“, er­zählt Micha­el St­raub lä­chelnd. Nach der ge­ta­nen Ar­beit ge­lan­gen die Blü­ten ern­te­frisch in die La­bo­re. Dort wer­den aus der Calen­du­la Ur­tink­tu­ren und Öl­aus­zü­ge her­ge­stellt, die in rund 30 Arz­nei­mit­teln und Kos­me­ti­ka von We­le­da ent­hal­ten sind.

Der Re­spekt und das Wis­sen um die Kreis­läu­fe der Na­tur, ein ver­ant­wor­tungs­vol­les Mit­ein­an­der und scho­nen­de Ver­ar­bei­tung von Roh­stof­fen sind ein Teil des an­thro­po­so­phi­schen Prin­zips, das den Na­tur­kos­me­tik- und Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler We­le­da in­spi­riert hat. Schöp­fer die­ses Ge­dan­kens ist Ru­dolf St­ei­ner. Er be­trach­te­te den Men­schen, das Uni­ver­sum, sei­ne Um­welt und die Na­tur als Ein­heit, in der das ei­ne nicht oh­ne das an­de­re mög­lich ist.

Wie al­les zu­sam­men­hängt, zeigt uns Micha­el St­raub bei ei­nem Rund­gang durch den 23 Hekt­ar gro­ßen Gar­ten, in dem ins­ge­samt 800 Pflan­zen­ar­ten be­hei­ma­tet sind. Che­mi­sche In­sek­ten- und Pflan­zen­schutz­mit­tel so­wie an­de­re gif­ti­ge Stof­fe sind hier ta­bu. „Wir ver­ste­hen den Gar­ten als ei­nen le­ben­di­gen Or­ga­nis­mus, der da­zu in der La­ge ist, sich selbst zu re­gu­lie­ren, wenn man op­ti­ma­le Be­din­gun­gen da­für schafft“, sagt St­raub. Da­bei hel­fen vie­le tie­ri­sche Mit­ar­bei­ter ober- und un­ter­halb des Erd­reichs. „Die Be­stäu­ber zum Bei­spiel“, sagt Strauch. „Bei uns be­ginnt die Blü­te im April mit der Sal­wei­de, sie reicht mit der Fett­hen­ne bis Ok­to­ber, so­dass Bie­nen im­mer Pol­len und Nekt­ar fin­den. Das über­rei­che Nah­rungs­an­ge­bot lockt noch an­de­re Nütz­lin­ge wie Ma­ri­en­kä­fer, Schlupf­wes­pen, Schwe­bund Flor­flie­gen, die Läu­se und an­de­re Schäd­lin­ge in Ba­lan­ce hal­ten.“

An die­sem re­gen­feuch­ten Tag

heu­te ist ihr Sum­men nicht zu hö­ren. Da­für wa­ckelt ein Lauf­en­te­ner­pel über den Ra­sen und fängt fet­te Schne­cken, die sich ge­ra­de über ein paar Blät­ter her­ma­chen wol­len, wäh­rend sei­ne Fa­mi­lie in ei­nem der Tei­che ba­det. Die Feucht­bio­to­pe wie auch die fünf Ki­lo­me­ter He­cken, die das nach bio­dy­na­mi­scher An­bau­wei­se be­gärt­ner­te Are­al

Der Gar­ten ist fürVö­gel wie ei­ne Ar­che Noah

um­ge­ben, sind zu ei­nem Vo­gel­pa­ra­dies ge­wor­den. „Vor zwölf Jah­ren ha­ben wir hier 36 ver­schie­de­ne Ar­ten ge­zählt, in­zwi­schen sind es 52! Und das, ob­wohl das Ar­ten­ster­ben auch vor der Vo­gel­welt nicht halt­macht. Hier scheint die Welt al­so noch in Ord­nung zu sein“, freut sich St­raub und greift nach ei­nem Zweig mit kräf­tig ge­a­der­ten Blät­tern. „Das ist die Ha­ma­me­lis oder Zau­ber­nuss“, stellt er das Baum­ex­em­plar vor, des­sen Kap­sel­f­rüch­te sich ex­plo­si­ons­ar­tig öff­nen und ih­re Sa­men bis zu zehn Me­ter weit fort­schleu­dern. „Ih­re Blät­ter ha­ben ei­ne stark feuch­tig­keits­re­gu­lie­ren­de Wir­kung. Au­ßer­dem ste­cken da­rin Gerb­säu­ren, die ei­nen stark zu­sam­men­zie­hen­den Ef­fekt ha­ben. Weil das wie ein na­tür­li­ches Haut-Lif­ting wirkt, nut­zen wir sie auch für un­se­re Kos­me­tik­pro­duk­te“, meint St­raub au­gen­zwin­kernd und führt uns nur ein paar Schrit­te wei­ter zur nächs­ten Pflan­ze, um die – Hob­by­gärt­ner, auf­ge­passt! – Schne­cken ei­nen gro­ßen Bo­gen ma­chen.

Prall und dick­flei­schig wu­chert ei­ne knos­pen­de Fett­hen­ne am We­ges­rand. St­raub pflückt mit ei­nem „Das ma­che ich jetzt nur für euch“bei­na­he ent­schul­di­gend ein Blatt ab, knickt es in der Mit­te und reicht es an uns wei­ter. „Zieht mal das dün­ne Häut­chen oben­drauf ab“, er­mun­tert er uns. Als das In­ne­re zum Vor­schein kommt, las­sen wir un­se­ren Fin­ger über das hül­len­lo­se Blatt glei­ten. Un­fass­bar, wie viel Feuch­tig­keit da­rin ge­spei­chert ist. Fast wie bei der Aloe ve­ra! Kein Wun­der, dass die Schön­heits­pfle­ge sich die­se Ei­gen­schaft zu­nut­ze macht.

Man muss halt nur wis­sen, wo genau die kraft­vol­len Wirk­stof­fe schlum­mern. Genau das ha­ben die For­scher her­aus­ge­fun­den. Von man­chen Pflan­zen wer­den, wie bei der Calen­du­la, nur die Blü­ten­köp­fe ver­wen­det. Bei der Wei­ßen Mal­ve, auf die wir ein paar Bee­te wei­ter sto­ßen, hin­ge­gen nur die Wur­zel. Die ist des­halb in­ter­es­sant, weil ih­re gel­ar­ti­gen Stof­fe die Pflan­ze vor dem Aus­trock­nen schüt­zen. „Und genau die­ses Prin­zip über­tra­gen wir auf die men­sch­li­che Haut“, er­klärt St­raub. Das gilt auch für den Ha­fer, der ge­gen­über dem Calen­dula­feld wächst. „Er ist in der La­ge, Kie­sel­säu­re zu spei­chern. Des­halb set­zen wir ihn zur Stär­kung

Von der Wur­zel bis zur Blü­te: Pflan­zen sind ein Ge­schenk der Na­tur

an­ge­grif­fe­ner Haa­re ein“, sagt St­raub. Bei man­chen Pflan­zen, wie der Weg­war­te, wer­den so­gar al­le Tei­le ver­ar­bei­tet. We­gen ih­rer Bit­ter­stof­fe ist sie von der Wur­zel über die Blät­ter bis zu den hüb­schen blau­en Blü­ten hilf­reich bei Pro­ble­men mit der Ver­dau­ung.

Micha­el St­raub kennt nicht nur al­le Pflan­zen und de­ren Ei­gen­schaf­ten. Er kennt auch vie­le An­ek­do­ten. So wie die von der et­wa ei­nen hal­ben Me­ter ho­hen Pflan­ze, vor der wir jetzt ste­hen. Sie hat ge­zack­te Blät­ter und von dunk­len Adern durch­zo­ge­ne hell­gel­be Blü­ten. „Das hier ist das Bil­sen­kraut. Ihr kennt viel­leicht Pil­sen, in der das Pils­ner Bier ge­braut wur­de … Die Stadt hat ih­ren Na­men von die­ser Pflan­ze. Dort hat man bis ins spä­te Mit­tel­al­ter Bier da­mit ge­braut. Al­ler­dings ha­ben die da­rin ent­hal­te­nen Al­ka­lo­ide ei­ne ex­trem hal­lu­zi­no­ge­ne Wir­kung. Das ist dem ein oder an­de­ren Zeit­ge­nos­sen nicht gut be­kom­men, wie man sich vor­stel­len kann. Des­halb ha­ben die Bay­ern 1516 als Ers­te das Rein­heits­ge­bot er­las­sen. Zum ei­nen, weil man das hoch­gif­ti­ge Bil­sen­kraut raus­ha­ben woll­te. Zum an­de­ren herrsch­te ei­ne gro­ße Hun­gers­not, wes­halb man den bis da­hin zum Brau­en ver­wen­de­ten Wei­zen zum Brot­ba­cken brauch­te. Seit­her ge­hört die Gers­te zum Bier.“Und das Bil­sen­kraut? Wird das hier nun zum pri­va­ten Ge­brauch an­ge­baut? „Nein“, lacht Micha­el St­raub. „Das brau­chen wir für un­se­re schmerz­lin­dern­den Me­di­ka­men­te.“

Ne­ben na­tür­li­chen Kos­me­ti­ka

sind die Arz­nei­mit­tel We­le­das wich­tigs­tes For­schungs­ge­biet. Vie­le der Na­men en­den auf „do­ron“. Das be­deu­tet so viel wie „Ge­schenk“. Auf die Pfle­ge­pro­duk­te über­tra­gen heißt das: ein Ge­schenk der Na­tur an die Schön­heit – ein wun­der­ba­rer Ge­dan­ke.

Micha­el St­raub (58) ist di­plo­mier­ter Land­wirt und lei­tet seit 20 Jah­ren den An­bau der We­le­daHeil­pflan­zen

Un­se­re Au­to­rin ge­nießt ein Mur­mel­bad mit Calen­du­la

Das Er­leb­nis­zen­trum von We­le­da in Wetz­gau

Mal­ve, Calen­du­la und Son­nen­hut se­hen nicht nur wun­der­schön aus, sie sind auch Na­tur­arz­nei­en

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