Ken­nen Sie den schon?

Un­ser Land gilt als spaß­be­frei­te Zo­ne. Dar­über kann un­se­re Ko­lum­nis­tin aber nur la­chen …

tina Woman - - Inhalt - Jo­han­na Jo­han­na Sven­son Sven­son fin­det (45) deut­sche färb­te sich Wit­ze in ih­rer lus­tig. Ju­gend Es sei neon­grü­ne denn, es kom­men Sträh­nen. Ärz­te Ih­re Mut­ter oder To­ma­ten war not drin amu­sed vor

Ko­lum­nis­tin Jo­han­na Sven­son über deut­schen Hu­mor

Kommt ein Mann zum Arzt …“Ge­ben Sie’s zu: Jetzt ha­ben Sie sich ge­ra­de ein we­nig er­schro­cken, weil Sie be­fürch­ten, dass ich Ih­nen ei­nen wirk­lich schlech­ten Witz er­zäh­len möch­te. Soll ich Ih­nen noch mehr Angst ein­ja­gen? Bit­te sehr: „Tref­fen sich zwei To­ma­ten …“Okay, okay, ich hö­re wie­der auf da­mit, ich will Sie ja nicht är­gern. Aber die­se bei­den Witz-An­fän­ge, die nichts Lus­ti­ges ver­hei­ßen, gel­ten nun mal ein­fach als ty­pisch deutsch.

Ja, wir sind flei­ßig, dis­zi­pli­niert, pünkt­lich. Lus­tig sind wir nicht, kein biss­chen. Die­ses Vor­ur­teil hält sich hart­nä­ckig in den Köp­fen un­se­rer eu­ro­päi­schen Nach­barn. Ins­be­son­de­re bei de­nen von der In­sel, die ja be­kannt­lich so stolz sind auf ih­ren fei­nen, schwar­zen, bri­ti­schen Hu­mor. Erst kürz­lich lan­de­ten wir in der in­ter­na­tio­na­len Um­fra­ge ei­nes In­ter­net­por­tals zum The­ma „Wel­ches Volk kann Men­schen zum La­chen brin­gen?“auf dem letz­ten Platz, mal wie­der …

Aber ist un­ser Land wirk­lich ei­ne spaß­be­frei­te Zo­ne?

Ha­ben wir statt Lach­fält­chen um den Mund nur Sor­gen­fur­chen auf der Stirn? Wenn man sich in die Nie­de­run­gen des deut­schen Wit­zes – sie­he Ärz­te und To­ma­ten – be­gibt, könn­te man das fast glau­ben. Und mal ehr­lich und un­ter uns: Den deut­schen Kar­ne­val er­tra­gen wohl tat­säch­lich nur rhei­ni­sche Froh­na­tu­ren un­ter Zu­hil­fe­nah­me von sehr, sehr viel Al­ko­hol. An­de­rer­seits ent­behrt der An­blick bier­erns­ter, schun­keln­der Män­ner mit ab­sur­den Hü­ten auf dem Kopf, den das öf­fent­lich-recht­li­che Fern­se­hen Jahr für Jahr tap­fer wi­der jeg­li­chen Zeit­geist über­trägt, auch nicht ei­ner ge­wis­sen Ko­mik.

Schau­en die rhei­ni­schen Kar­ne­va­lis­ten aus dem Sü­den al­ler­dings nun hoch an un­se­re Küs­ten, ist nicht nur das Land dort oben flach, die Wit­ze sind es auch. Uns al­len be­kannt sind schließ­lich die ar­men Ost­frie­sen, auf de­ren Kos­ten seit je­her die schlech­tes­ten Ka­lau­er ge­ris­sen wer­den. We­nigs­tens ei­ner von ih­nen hat den Spieß um­ge­dreht und be­wie­sen, dass der Nord­deut­sche an sich nach au­ßen hin viel­leicht wort­karg und ein we­nig tumb er­schei­nen mag, in Wahr­heit je­doch ein ver­dammt cle­ve­res und ein­falls­rei­ches Kerl­chen ist: Seit den 1970er-Jah­ren blö­delt Ot­to Waal­kes sich un­un­ter­bro­chen und mit schwin­del­er­re­gen­dem Er­folg quer durch die Re­pu­blik. Mitt­ler­wei­le ist er fast 70 und der bes­te Be­weis da­für, dass La­chen jung hält.

Es mag na­tür­lich sein,

dass so ein fei­ner Bri­te mit ei­nem irr­wit­zi­gen Ost­frie­sen nichts an­fan­gen kann und beim An­blick die­ses le­ben­den Pin­gpong-Balls ir­ri­tiert ei­ne Braue in die Hö­he zieht. Aber uns hat er Trä­nen in die Au­gen ge­trie­ben, und zwar nicht die der Trau­er. Genau wie Heinz Er­hardt, der ge­müt­li­che Schelm, über den un­se­re Groß­el­tern lach­ten. Oder Lo­ri­ot, Meis­ter der fein­sin­ni­gen Iro­nie, der gan­ze Ge­ne­ra­tio­nen zum Schen­kel­klop­fen brach­te. Und erst Ha­rald Schmidt, der sei­ne spitz­fin­di­gen Ge­mein­hei­ten so ele­gant um­man­tel­te, dass ihm kei­ner lan­ge bö­se sein konn­te. Ach, und Hel­ge Schnei­der mit sei­nem „Kat­ze­klo“, bei dem man nie si­cher sein kann, ob er nicht doch schon dem Wahn­sinn an­heim­ge­fal­len ist.

Lang ist sie, die Lis­te groß­ar­ti­ger deut­scher Hu­mo­ris­ten, die sich im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich nicht zu ver­ste­cken brau­chen. Und auch un­se­re jun­gen Spaß­ma­cher sind nicht oh­ne. Im­mer­hin ha­ben wir Jan Böh­mer­mann, der mit sei­ner Sa­ti­re so­gar für in­ter­na­tio­na­le Schlag­zei­len und au­ßen­po­li­ti­sche Eklats sorgt. Ganz gleich, wie man das per­sön­lich fin­det: Den sol­len uns die Bri­ten doch erst mal nach­ma­chen!

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