Die ti­na-Frau der Wo­che macht aus Zahn­sto­chern Kunst­wer­ke

Die Bild­haue­rin aus Ahau­sen macht aus Zahn­sto­chern und Baum­stäm­men ech­te Kunst­wer­ke

tina - - Willkommen In Ihrer -

wi­schen ih­rem Zei­ge­fin­ger und ­ih­rem Dau­men hält Ra­gna Reu­schK­lin­ken­berg ei­nen Zahn­sto­cher, in der an­de­ren Hand ein schma­les Mes­ser. Die win­zi­ge Spit­ze des Holz­stäb­chens ist auf den ers­ten Blick schwer zu er­ken­nen. Doch wenn man ge­nau hin­sieht, be­greift man, dass zwi­schen den Fin­gern der 54-Jäh­ri­gen gera­de die Mi­nia­tur ei­ner Frau­en­fi­gur ent­steht. Sorg­fäl­tig schnitzt Ra­gna die Kör­per­kon­tur in die Spit­ze des Zahn­sto­chers, die trans­pa­ren­te Le­se­bril­le rutscht ihr da­bei im­mer wei­ter von der Na­se. Nach we­ni­gen Mi­nu­ten ist die Frau­en­gestalt fer­tig und kann be­malt wer­den. Ra­gna zieht der wohl­ge­form­ten Da­me ro­te Pumps und ein kur­zes, knall­grü­nes Kleid an. „Fröh­li­che und selbst­be­stimm­te Frau­en schnit­ze ich am liebs­ten“, ver­rät sie schmun­zelnd und malt die zum Zopf ge­bun­de­nen Haa­re mit we­ni­gen Pin­sel­ stri­chen feu­er­rot an. Vie­le De­tails auf we­ni­gen Mil­li­me­tern Ma­te­ri­al. „Zahn­sto­cher sind die kleins­te Ein­heit Haus­halts­holz“, meint Ra­gna, die be­reits seit 17 Jah­ren Kunst aus Zahn­sto­chern macht. Wie vie­le Mo­ti­ve sie schon ge­schnitzt hat? Das kann sie nur schät­zen – weit über tau­send auf je­den Fall. Von der Gi­raf­fe und dem Fla­min­go über Mi­nia­tur-Toi­let­ten und La­ter­nen bis zum Mär­chen­frosch ist al­les da­bei. Oft­mals ge­ben Kun­den ihr Wün­sche vor und ver­schen­ken die Kunst­wer­ke in klei­nen Glas­röhr­chen zu be­son­de­ren An­läs­sen. Auf die Idee kam Ra­gna durch Zu­fall. „Da­mals ­ha­be ich an Wä­sche­klam­mern ge­schnitzt“, sagt sie. „Auf ei­nem Kunst­hand­werks­markt hat­te ich mei­ne Roh­lin­ge ver­ges­sen, und dann muss­te ich mit ei­nem Zahn­sto­cher im­pro­vi­sie­ren.“Ei­ne Im­pro­vi­sa­ti­on, die sie nicht glück­li­cher ma­chen könn­te.

Doch le­ben kön­nen Ra­gna und ihr 15-jäh­ri­ger Sohn da­von nicht.

Des­halb ar­bei­tet die Bild­haue­rin auch an grö­ße­ren Ma­te­ria­li­en wie et­wa Ei­chen­stäm­men. Aus den Stäm­men sägt sie mit­hil­fe ei­ner Ket­ten­sä­ge die ver­schie­dens­ten ­Mo­ti­ve wie et­wa tan­zen­de Frau­en in High Heels. In ih­rem über 1000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Gar­ten im nie­der­säch­si­schen Ahau­sen hat sie da­für ge­nug Platz. „Zur Mit­tags­zeit neh­me ich na­tür­lich Rück­sicht auf die Nach­barn“, be­tont Ra­gna, die zwi­schen 12 und 14 Uhr oh­ne­hin da­mit be­schäf­tigt ist, das Mit­tag­es­sen für sich und ih­ren Sohn zu­zu­be­rei­ten. Schon als jun­ges Mäd­chen ent­deck­te Ra­gna das Schnit­zen für sich. „Ich bin ein­fach neu­gie­rig“, gibt sie zu. ­„ Da­mals ha­be ich mir die Na­gel­sche­re von mei­ner Mut­ter sti­bitzt und an Blü­ten rum­ge­schnip­pelt.“Ihr Va­ter hat sie un­ter­stützt. „Er hat mir ir­gend­wann ein Ta­schen­mes­ser in die Hand ge­drückt“, er­zählt sie. 2011 wur­de Ra­gna in­ter­na­tio­nal be­kannt, als sie den Auf­trag be­kam, Köp­fe von Po­li­ti­kern aus Blei­stift­mi­nen zu schnit­zen – so­gar nach Hong­kong wur­de sie ein­ge­la­den. Heu­te sind es eben die Zahn­sto­cher und Baum­stäm­me. „Mo­men­tan ar­bei­te ich an ei­ner gro­ßen He­xe“, ver­rät Ra­gna. „Das wird wirk­lich ei­ne se­xy He­xe“, grinst sie.

Die bun­ten Mi­nia­tur-Kunst­wer­ke schnitzt die Bild­haue­rin in­ner­halb we­ni­ger Mi­nu­ten – Kos­ten­punkt: zwi­schen 10 und 25 Eu­ro pro Stück

In ih­rem gro­ßen Gar­ten hat Ra­gna ein Ge­wächs­haus – dort ar­bei­tet sie

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