„Ge­mein­sam ha­ben wir al­les ge­meis­tert“

2007 be­kam ihr Mann die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs. Ma­ri­on Töd­ter-Kurtz (63) er­in­nert sich

tina - - Aktuell - Text: Andre­as Juhn­ke

Es gibt Sa­chen“, sagt Ma­ri­on Töd­terKurtz (63) lä­chelnd, „da ist mein Mann ziem­lich ein­sich­tig. Für den Check-up al­le zwei Jah­re geht er so­gar frei­wil­lig zum Arzt.“2007 kam Hel­mut Kurtz (72) strah­lend nach Hau­se. „Er hat wie­der nichts ge­fun­den“, ver­kün­de­te er sei­ner Frau. „Aber er hat Blut ab­ge­nom­men. Für ir­gend­ei­nen Test, kei­ne Ah­nung, für wel­chen.“

Ein paar Ta­ge spä­ter klin­gel­te bei dem Paar in Soltau das Te­le­fon. Der Haus­arzt. Ob sie nicht vor­bei­kom­men könn­ten? Er wür­de gern die Blut­test-Er­geb­nis­se mit ­ih­nen be­spre­chen. Als sie dem Arzt ge­mein­sam ge­gen­über­sa­ßen, wur­de es ernst: „Herr Kurtz, ich muss Ih­nen mit­tei­len, dass Ihr PSA-Wert mit 32 ziem­lich hoch ist.“

„Ich ha­be so­fort Hor­ror-Vi­sio­nen ge­habt“,

er­in­nert sich Ma­ri­on Töd­terKurtz. „Jetzt stirbt mein Mann, dach­te ich. Die­ser Wert er­schien mir viel zu hoch.“Sie hat­te bei ih­rem Va­ter er­lebt, dass der sich schon Sor­gen mach­te, wenn der Wert des pro­stat­a­spe­zi­fi­schen An­ti­gens (PSA) bei sie­ben lag. Mit die­sem Wert kön­nen Uro­lo­gen ei­nem Pro­sta­ta­krebs auf die Spur kom­men, ins­be­son­de­re wenn sie se­hen, wie sich der Wert än­dert. Ihr Mann aber blieb ganz ru­hig. „Ja, dann ist er halt 32“, mein­te er nur.

Dass das durch­aus Grund zur Be­un­ru­hi­gung war, stell­te sich bald beim Uro­lo­gen her­aus. Mit ei­ner so­ge­nann­ten Stanz­bi­op­sie wur­den un­ter lo­ka­ler Be­täu­bung Ge­we­be­pro­ben der Pro­sta­ta ent­nom­men. Das Er­geb­nis war ein­deu­tig: Es gibt ei­nen Krebs. Und er ist in Tei­len bös­ar­tig. Nicht je­der Pro­sta­ta­krebs muss ope­riert oder be­han­delt wer­den (s. In­ter­view rechts). Der von Hel­mut Kurtz schon.

„Wir sind dann zu ei­ner Pro­sta­ta-Selbst­hil­fe­grup­pe in Soltau ge­gan­gen“, er­zählt ­Ma­ri­on Töd­ter-Kurtz. „Da wa­ren vie­le da­bei, die ein fort­ge­schrit­te­nes Pro­sta­takar­zi­nom hat­ten. Das wa­ren für mich Hor­ror­ge­schich- ten! Die ha­ben ih­re Er­fah­run­gen mit den di­ver­sen Be­hand­lungs­me­tho­den ge­schil­dert. Wir sind mit ei­nem fürch­ter­li­chen Wust im Kopf wie­der nach Hau­se ge­fah­ren.“Aber min­des­tens et­was Gu­tes hat­te die­ser Be­such doch: „Für mich war es toll, zu se­hen, dass man nicht gleich stirbt mit die­sem Krebs. Die da sit­zen, le­ben ja noch al­le, dach­te ich. Dann wird auch mein Mann noch ein paar Jah­re le­ben.“

„Der Arzt hat uns ge­hol­fen,

die ver­schie­de­nen Be­hand­lungs­mög­lich­kei­ten zu sor­tie­ren“, er­zählt Ma­ri­on. „Herr Kurtz, mein­te der Arzt, Sie sind jung, ste­hen noch voll im Le­ben, las­sen Sie sich ope­rie­ren, dann kön­nen Sie ge­sund wer­den.“

Hel­mut Kurtz ent­schied sich für die OP. Im April 2007 wur­de sei­ne Pro­sta­ta ent­fernt. Fünf Ta­ge spä­ter war er wie­der zu Hau­se. Wo­chen­lang tat ihm das Sit­zen und Lie­gen weh. Aber das gab sich wie­der. Dank aus­gie­bi­ger Be­cken­bo­den-Gym­nas­tik, schon vor der OP be­gon­nen, hat er kein Pro­blem mit In­kon­ti­nenz. „Die Po­tenz funk­tio­niert nicht mehr wie frü­her, das ist klar“, er­zählt sei­ne Frau. „Aber wir ha­ben für uns Mög­lich­kei­ten ge­fun­den.“

Und sie er­leb­te 18 Mo­na­te spä­ter, dass er Angst be­kam und sie eher ru­hig blei­ben konn­te: Da­mals be­kam sie Brust­krebs. Aber auch den ha­ben die bei­den am En­de zu­sam­men über­stan­den.

Ma­ri­on war bis zur Ren­te in der Per­so­nal­ab­tei­lung ei­nes Kran­ken­hau­ses. Heu­te ge­nießt sie den Ru­he­stand mit ih­rem Mann

Seit 25 Jah­ren sind Ma­ri­on Töd­ter-Kurtz (63) und Hel­mut Kurtz (72) ein Paar. Er en­ga­giert sich bis heu­te in der Pro­sta­ta-Selbst­hil­fe. Bei­de fin­den, dass die­se Grup­pen hilf­reich sein kön­nen

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