Opern­sän­ge­rin im ei­ser­nen Kä­fig

Ab­bie Co­nant ver­eint Schau­spiel, Ge­sang und Po­sau­nen­spiel in ei­ner Per­son

Trossinger Zeitung - - Trossingen - Von Jut­ta Bärsch

TROS­SIN­GEN - So­lo-Mu­sik­thea­ter mit Ab­bie Co­nant: So war das Do­zen­ten­kon­zert am Di­ens­tag­abend in der Mu­sik­hoch­schu­le Tros­sin­gen an­ge­kün­digt. Was dann ei­ne St­un­de ge­bo­ten wur­de, fes­sel­te und über­zeug­te durch die Ein­heit von Schau­spiel, Ge­sang und Po­sau­nen­spiel in ei­ner Per­son.

Die re­nom­mier­te ame­ri­ka­ni­sche Po­sau­nis­tin und Per­for­mance­künst­le­rin Ab­bie Co­nant zeig­te, dass neue ex­pe­ri­men­tel­le Mu­sik sehr wohl me­lo­di­ös klin­gen kann. Ihr Ge­sang be­stand größ­ten­teils aus Re­zi­ta­ti­ven, ein­ge­bet­tet in Klän­ge ei­nes com­pu­ter­ge­steu­er­ten Kla­viers und qua­dro­pho­ni­sche Elek­tro­nik. Mul­ti­me­dia­le Per­for­mance Ge­mein­sam mit dem Kom­po­nis­ten Wil­li­am Os­bor­ne, des­sen Mu­sik an ei­ni­gen Ge­s­angs­stel­len an Eu­gen d’Al­berts Re­zi­ta­ti­ve in sei­ner Oper „Tief­land“er­in­ner­te, und der sich für Re­gie so­wie Sound-De­sign ver­ant­wort­lich zeig­te, hat Ab­bie Co­nant die­se mul­ti­me­dia­le Per­for­mance ent­wi­ckelt.

In ei­nem hell er­leuch­te­ten Kä­fig auf sonst schwar­zer Büh­ne steht sie als Opern­sän­ge­rin Ale­t­heia, die sich ei­gent­lich auf ih­ren Auf­tritt bei ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Ga­la für das „Esta­blish­ment“rei­cher Opern­lieb­ha­ber freut.

Doch wäh­rend ih­rer Vor­be­rei­tung kom­men ihr Zwei­fel: Weiß sie nicht ei­gent­lich, dass sie in ei­nem Kä­fig lebt, in ei­nem Kä­fig in Form ei­ner ei­ser­nen Jung­frau?

Ihr wird be­wusst, wie falsch die Welt ist, als sie sich vor Au­gen führt, dass „ihr“wun­der­ba­res Opern­haus von De­troit in ei­ner Stadt steht, die durch den Nie­der­gang der Au­to­mo­bil­in­dus­trie nur noch ein Schat­ten ih­rer eins­ti­gen Pracht ist und ei­gent­lich in Trüm­mern liegt. Span­nung bleibt be­ste­hen Ale­t­heia be­ginnt, sich exis­ten­zi­el­le Fra­gen zu stel­len, ein Frau­en­chor der über ihr zu schwe­ben scheint, ant­wor­tet ihr. Oder ist es nur ein Traum? Von au­ßen er­klin­gen Me­lo­die­fet­zen aus „Ma­dame But­ter­fly“.

Zum Schluss ver­schwim­men ihr Po­sau­nen­spiel und das klim­pern­de Kla­vier mit den Späh­ren­klän­gen der elek­tro­ni­schen Ge­räusch­ku­lis­se.

Dank des aus­führ­li­chen Pro­gramm­hef­tes war die Hand­lung der auf Eng­lisch ge­sun­ge­nen Vor­stel­lung gut nach­voll­zieh­bar. Ab­bie Co­nant ver­moch­te 60 Mi­nu­ten lang in die­sem Kä­fig zu ste­hen, zu sin­gen, Po­sau­ne zu spie­len, zu agie­ren, oh­ne auch nur für Se­kun­den die Span­nung zu ver­lie­ren.

Ei­ne bra­vou­rö­se Leis­tung der Prot­ago­nis­tin und ei­ne tol­le Per­for­mance, die ex­pe­ri­men­tel­le Mu­sik in ei­nem to­na­len Klang­ge­spinst er­schei­nen ließ.

FO­TO: JUT­TA BÄRSCH

In ei­nem hell er­leuch­te­ten Kä­fig steht Ab­bie Co­nant als Opern­sän­ge­rin Ale­t­heia.

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