Oh­ne die Hoh­ner-Kuh ist al­les nichts

Trossinger Zeitung - - Trossingen -

Es ist ja so: Der Tros­sin­ger an sich pflegt al­te Ge­bräu­che. Über Kehr­wo­che und Spar­sam­keit ist hier schon oft be­rich­tet wor­den, eben­so über den Zwang, jähr­lich über den Pfings­markt zu wan­dern und sich So­cken und Ge­mü­se­ho­bel zu kau­fen.

In­ter­es­sant wird es im vo­ka­len Be­reich: Was der Tros­sin­ger so den lie­ben lan­gen Tag äu­ßert, hat sich teils über Jahr­hun­der­te tra­diert, et­wa die Er­kennt­nis „Hin­ter Vil­lin­ge hat's au no a paar Täg“, oder „'s isch nim­me de­es“. Ge­ra­de letz­ter Spruch wird da­zu ge­führt ha­ben, sich ei­ner al­ten Tra­di­ti­on zu er­in­nern, die vie­le Jahr­zehn­te in der Mu­sik­stadt für Ord­nung ge­sorgt hat.

Wer sorg­te sei­ner­zeit da­für, dass Bau­ern recht­zei­tig aus den Fe­dern und in die Fa­b­rik ka­men? Die Hoh­ner-Kuh! Wer sorg­te da­für, dass sie nicht vor lau­ter Ar­beits­ei­fer ver­ga­ßen, in die Mit­tags­pau­se zu ge­hen? Die Hoh­ner-Kuh! Und wer rief sie recht­zei­tig zur Ar­beit zu­rück? Die Hoh­ner-Kuh! Als sie ab 1996 nicht mehr muh­te, ka­men die Ar­bei­ter aus dem Tritt, die Pro­duk­ti­on ließ nach. Im In­dus­trie­ge­biet fand die Kuh kei­nen Platz, neue Vor­stän­de wur­den ver­pflich­tet, die Funk­ti­on selbst zu über­neh­men, was aber am stimm­li­chen Ver­mö­gen schei­ter­te, der Nie­der­gang der Fir­ma nahm be­droh­li­che Aus­ma­ße an.

„Das geht auf kei­ne Kuh-Haut“, mein­ten jetzt ei­ni­ge Tra­di­tio­na­lis­ten, und frei nach Goe­thes Spruch „Sonst, wie die Al­ten sun­gen, so zwit­scher­ten die Jun­gen“, in­stal­lier­ten sie die Kuh wie­der im Hoh­nerA­re­al in der Hoff­nung, die eins­ti­ge Pro­duk­ti­vi­tät der Mu­sik­stadt noch mal zu er­rei­chen.

Als nächs­tes wird der Hoh­ner-Ka­min wie­der auf­ge­baut, mög­lich, dass dann die gan­ze Fir­ma ins Hoh­nerA­re­al zu­rück will: Die neu­en Be­woh­nern kön­nen aber blei­ben und wahl­wei­se als Har­mo­ni­ka-Bau­er oder In­stru­men­ten­stim­mer in Heim­ar­beit mit­schaf­fen ...

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