Streit ums Ren­ten­pa­ket

Op­po­si­ti­on und So­zi­al­ver­bän­de ge­gen Re­gie­rungs­plä­ne

Trossinger Zeitung - - Erste Seite - Von Mar­kus Sie­vers

BER­LIN (dpa/her) - Im Bun­des­tag ha­ben sich Op­po­si­ti­on und Ko­ali­ti­on ei­nen hef­ti­gen Schlag­ab­tausch zur Ren­te ge­lie­fert. So­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) und Ab­ge­ord­ne­te von CDU und CSU ver­tei­dig­ten am Frei­tag ihr mil­li­ar­den­schwe­res Ren­ten­pa­ket. Es brin­ge Ver­bes­se­run­gen für al­le Rent­ner und sei be­zahl­bar. „In Zei­ten ra­san­ter Ve­rän­de­run­gen ist es wich­tig, dass wir den Men­schen Si­cher­heit und Ori­en­tie­rung ge­ben“, sag­te Heil. Die Op­po­si­ti­on ließ kein gu­tes Haar an den Plä­nen. Mit dem erst­mals im Par­la­ment dis­ku­tier­ten Ge­setz­ent­wurf soll das Si­che­rungs­ni­veau der ge­setz­li­chen Ren­te bis 2025 bei 48 Pro­zent fest­ge­schrie­ben werden. Ve­re­na Ben­te­le, der Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­ban­des VdK, geht das nicht weit ge­nug. „Wir brau­chen ab 2025 dau­er­haft ein Ren­ten­ni­veau von 50 Pro­zent“, sag­te sie der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Bei der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te müs­se nach­ge­bes­sert werden, auch sol­le die Müt­ter­ren­te mit Steu­er­gel­dern fi­nan­ziert werden.

BER­LIN - Mit sei­nem Ren­ten­pa­ket will Ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) Ar­mut im Al­ter be­kämp­fen: Bis zum Jahr 2025 soll es rund 31 Mil­li­ar­den Eu­ro mehr für Se­nio­ren ge­ben. Bei der ers­ten Be­ra­tung im Bun­des­tag warn­te vor al­lem die FDP vor neu­en Be­las­tun­gen und ei­ner teu­ren Hy­po­thek für die Jun­gen. Die Ko­ali­ti­on peilt den­noch be­reits die nächs­ten kost­spie­li­gen Re­for­men an.

Das Pa­ket: Al­le Rent­ner sol­len nach den Vor­stel­lun­gen der Bun­des­re­gie­rung von der Re­form pro­fi­tie­ren – ganz be­son­ders aber Mil­lio­nen Müt­ter so­wie kran­ke und be­hin­der­te Früh­rent­ner. Die mil­li­ar­den­schwe­ren Kos­ten müs­sen so­wohl die Bei­trag­s­als auch die Steu­er­zah­ler über­neh­men. „In Zei­ten ra­san­ter Ve­rän­de­run­gen ist es wich­tig, dass wir den Men­schen Si­cher­heit und Ori­en­tie­rung ge­ben“, sagt der zu­stän­di­ge Mi­nis­ter Heil.

Mehr Geld für äl­te­re Müt­ter: Die­se Aus­wei­tung war in der Ko­ali­ti­on lan­ge um­strit­ten. Auf dem Weg zur Gleich­be­hand­lung von äl­te­ren und jün­ge­ren Müt­tern be­kom­men nun al­le, de­ren Kin­der vor 1992 ge­bo­ren wur­den, ei­nen hal­ben Ren­ten­punkt ex­tra. Da­von pro­fi­tie­ren rund sie­ben Mil­lio­nen Frau­en. Sie ha­ben dann ins­ge­samt ei­nen An­spruch auf zwei­ein­halb Ren­ten­punk­te pro Kind. Jün­ge­re Müt­ter, de­ren Söh­ne oder Töch­ter nach 1992 auf die Welt ka­men, er­hal­ten wie bis­her drei Punk­te pro Kind. Ein Ren­ten­punkt ist im Wes­ten 32,03 Eu­ro im Mo­nat und im Os­ten 30,69 Eu­ro wert. Die Re­form bringt dem­nach im Wes­ten rund 16,02 Eu­ro im Mo­nat und im Os­ten rund 15,35 Eu­ro.

Ver­bes­se­run­gen bei der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te: Zu­sätz­li­ches Geld soll es auch für Men­schen ge­ben, die we­gen Krank­heit oder ei­ner Be­hin­de­rung vor­zei­tig aus dem Be­rufs­le­ben aus­schei­den müs­sen. Künf­tig werden sie laut dem Ge­setz so be­han­delt, als hät­ten sie bis zum je­weils ak­tu­el­len Ren­ten­al­ter ge­ar­bei­tet. Bis­her wur­de dies bei der Be­rech­nung ih­rer Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nur bis zum 62. Ge­burts­tag un­ter­stellt.

Zwei Hal­t­el­i­ni­en: Die Bun­des­re­gie­rung gibt ein dop­pel­tes Ver­spre­chen ab. Ers­tens: Bis 2025 bleibt das Ren­ten­ni­veau kon­stant min­des­tens auf dem heu­ti­gen Stand von 48 Pro­zent. Die­ser Wert gibt das Ver­hält­nis der Ren­te zu den Löh­nen an. Wenn ei­ne Re­gie­rung das Ab­rut­schen die­ser Quo­te ver­hin­dert, hilft sie al­len Emp­fän­gern ei­ner ge­setz­li­chen Ren­te. Zwei­tens: Der Bei­trags­satz soll bis Mit­te des nächs­ten Jahr­zehnts die 20-Pro­zent-Mar­ke nicht über­schrei­ten. Der­zeit liegt er bei 18,6 Pro­zent vom Brut­to­ge­halt. Der Schutz vor ei­nem noch deut­li­che­ren An­stieg soll da­für sor­gen, dass Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber nicht im­mer mehr be­zah­len müs­sen.

Die Rech­nung: Die Kos­ten tra­gen zu et­wa ei­nem Drit­tel die Steu­er­zah­ler. Sie über­neh­men nach Be­rech­nun­gen aus dem Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um rund 12 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die an­de­ren 19 Mil­li­ar­den Eu­ro fi­nan­zie­ren Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber mit ih­ren Ren­ten­bei­trä­gen. Erst ein­mal heißt das für sie, dass sie auf ei­ne sonst mög­li­che Sen­kung des Ren­ten­bei­trags von 18,6 auf 18,3 Pro­zent ver­zich­ten müs­sen. Ei­nem Durch­schnitts­ver­die­ner (3100 Eu­ro im Mo­nat) und sei­nem Ar­beit­ge­ber ent­geht da­durch je­weils ei­ne Er­spar­nis von 4,65 Eu­ro im Mo­nat. Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung for­dert ei­nen stär­ke­ren Steu­er­an­teil. Aus ih­rer Sicht werden die Bei­trags­zah­ler im­mer stär­ker für Auf­ga­ben her­an­ge­zo­gen, für die ei­gent­lich al­le Steu­er­zah­ler ver­ant­wort­lich sind. Das wür­de dann bei­spiels­wei­se Selb­stän­di­ge und Ka­pi­tal­be­sit­zer ein­schlie­ßen. Die Kon­tro­ver­se: Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer warn­te vor zu ho­hen Be­las­tun­gen für Ar­beits­plät­ze und nann­te die Fi­nan­zie­rung „un­so­li­de“. Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke lob­te den Aus­bau der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te, for­der­te aber ei­ne Bes­ser­stel­lung al­ler und nicht al­lein der künf­tig Be­trof­fe­nen. Vor­schlä­ge für ei­ne län­ger­fris­ti­ge Lö­sung soll ei­ne Ren­ten­kom­mis­si­on er­ar­bei­ten. Heil kün­dig­te jetzt schon ein­mal die Ein­füh­rung ei­ner Grund­ren­te an. Sie soll Ge­ring­ver­die­nern mit lan­ger Be­rufs­tä­tig­keit zu­gu­te kom­men. Zu­dem will Heil Selb­stän­di­ge stär­ker in die ge­setz­li­che Ren­te ein­be­zie­hen.

Fran­zis­kus ak­zep­tiert Rück­tritt von Erz­bi­schof

ROM (dpa) - We­gen ei­nes Miss­brauchsskan­dals hat Papst Fran­zis­kus nach Va­ti­kan­an­ga­ben vom Frei­tag den Rück­tritt des Erz­bi­schofs von Wa­shing­ton ak­zep­tiert. Kar­di­nal Do­nald Wu­erl steht seit Wo­chen un­ter Druck, weil er in sei­ner Zeit als Bi­schof von Pitts­burgh an der Ver­tu­schung von Miss­brauchs­fäl­len im Kle­rus be­tei­ligt ge­we­sen sein soll. Er hat­te sei­nen Rück­tritt im Sep­tem­ber in Aus­sicht ge­stellt. Die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft des US-Bun­des­staa­tes Penn­syl­va­nia hat­te fest­ge­stellt, dass sich über sie­ben Jahr­zehn­te hin­weg mehr als 300 Pries­ter an über 1000 Kin­dern und Ju­gend­li­chen ver­gan­gen hat­ten.

Pa­ri­ser Jus­tiz ver­schärft Vor­ge­hen ge­gen Le Pen

PA­RIS (AFP) - Die fran­zö­si­sche Jus­tiz ver­schärft ihr Vor­ge­hen ge­gen Ma­ri­ne Le Pen. In der Af­fä­re um Schein­be­schäf­ti­gung im Eu­ro­pa­par­la­ment wird nun auch we­gen „Ver­un­treu­ung öf­fent­li­cher Gel­der“ge­gen die 50-Jäh­ri­ge er­mit­telt, wie am Frei­tag be­kannt wur­de. Dar­auf ste­hen bis zu zehn Jah­re Haft und ei­ne Geld­stra­fe von ei­ner Mil­li­on Eu­ro. Die Er­mitt­ler ver­däch­ti­gen Le Pen und ih­re Par­tei, sich über an­geb­li­che As­sis­ten­ten im EU-Par­la­ment in den Jah­ren 2009 bis 2017 sie­ben Mil­lio­nen Eu­ro er­schli­chen zu ha­ben.

Apart­heid-Au­ßen­mi­nis­ter Bo­tha ge­stor­ben

JOHANNESBURG (AFP) - Süd­afri­kas ehe­ma­li­ger Au­ßen­mi­nis­ter Roelof „Pik“Bo­tha ist im Al­ter von 86 Jah­ren ge­stor­ben. Dies teil­te sein Sohn Piet Bo­tha der Nach­rich­ten­sei­te News24 mit. „Pik“Bo­tha war 17 Jah­re Au­ßen­mi­nis­ter Süd­afri­kas, bis zum En­de der Apart­heid im Jahr 1994. Nach der ers­ten de­mo­kra­ti­schen Wahl über­nahm er den Pos­ten des Berg­bau- und Ener­gie­mi­nis­ters im Ka­bi­nett von Nel­son Man­de­la. 1996 trat er in den Ru­he­stand. In ei­nem In­ter­view aus dem Jahr 2013 be­zeich­ne­te er Man­de­la ein­mal als „Ret­ter“.

Sie­ben Pa­läs­ti­nen­ser ster­ben am Ga­za­strei­fen

GAZA (dpa) - Bei neu­en Pro­tes­ten an der Gren­ze zwi­schen Is­ra­el und dem Ga­za­strei­fen sind sie­ben Pa­läs­ti­nen­ser ums Le­ben ge­kom­men. Sie sei­en vom is­rae­li­schen Mi­li­tär am Frei­tag er­schos­sen wor­den, teil­te das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um von Gaza mit, das die ra­di­kal­is­la­mi­sche Ha­mas kon­trol­liert. Wei­te­re 250 Pa­läs­ti­nen­ser er­lit­ten nach An­ga­ben ei­nes Mi­nis­te­ri­ums­spre­chers Ver­let­zun­gen, dar­un­ter auch zehn Min­der­jäh­ri­ge.

FO­TO: DPA

Von der Re­form sol­len al­le Rent­ner pro­fi­tie­ren – ganz be­son­ders aber Mil­lio­nen Müt­ter so­wie kran­ke und be­hin­der­te Früh­rent­ner.

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