Hier brennt BASF

Zwei To­te, Ver­letz­te, Ver­miss­te

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Das Feu­er und die Rauch­säu­le wa­ren ki­lo­me­ter­weit zu se­hen, der Knall noch in der In­nen­stadt zu hö­ren: Bei ei­ner Ex­plo­si­on und ei­nem Groß­feu­er ges­tern ge­gen 11.30 Uhr auf dem Ge­län­de des Che­mie­kon­zerns BASF im Lan­des­ha­fen Nord in Lud­wigs­ha­fen sind zwei Men­schen ums Le­ben ge­kom­men, sechs wur­den schwer ver­letzt. Mit wei­te­ren Op­fern muss aber ge­rech­net wer­den: Bei Re­dak­ti­ons­schluss die­ser Aus­ga­be wur­den noch zwei Men­schen ver­misst.

Zu der Ex­plo­si­on kam es bei Ar­bei­ten an ei­ner Rohr­lei­tungs­tras­se im Ha­fen. Die Ur­sa­che da­für war noch un­klar, für ei­nen Ter­ror­an­schlag gab aber es kei­ne Hin­wei­se. Mit der Tras­se wer­den laut BASF Vor­pro­duk­te von den Schif­fen zu den Pro­duk­ti­ons­stät­ten auf dem Fir­men­ge­län­de trans­por­tiert. Al­le im Werk ver­wen­de­ten brenn­ba­ren Ma­te­ria­len wer­den in dem Ha­fen um­ge­schla­gen – das sind jähr­lich rund 2,6 Mil­lio­nen Ton­nen. Am Un­glücks­ort la­gern da­her Tanks mit brenn­ba­ren Flüs­sig­kei­ten und un­ter Druck ver­flüs­sig­ten Ga­sen. Aus Si­cher­heits­grün­den wur­den nach der Ex­plo­si­on die zwei so­ge­nann­ten Steam­cra­cker so­wie wei­te­re An­la­gen am Stand­ort her­un­ter­ge­fah­ren. Die Steam­cra­cker sei­en das Herz­stück des Werks, in dem ei­ne gan­ze Rei­he an che­mi­schen Grund­bau­stei­nen für die Pro­duk­ti­on ent­ste­hen.

Nach der Ex­plo­si­on heul­ten die Warn­si­re­nen in Lud­wigs­ha­fen mi­nu­ten­lang. Laut BASF war noch un­klar, wel­che Stof­fe frei­ge­setzt wor­den sind und sich nun in der Luft be­fan­den. An­woh­ner wur­den da­her auf­ge­ru­fen, in ih­ren Häu­sern zu blei­ben, Tü­ren und Fens­ter ge­schlos­sen zu hal­ten so­wie Lüf­tungs­an­la­gen ab­zu­schal­ten. Kin­der­gär­ten und Schu­len wur­den vor­sorg­lich in­for­miert und Be­treu- er auf­ge­for­dert, dass ih­re Schütz­lin­ge in den Ge­bäu­den blei­ben soll­ten. Au­to­fah­rer soll­ten den Be­reich, über dem ei­ne ki­lo­me­ter­weit sicht­ba­re Rauch­säu­le auf­stieg, groß­räu­mig um­fah­ren. Im Stadt­teil Edig­heim klag­ten Men­schen über Atem­be­schwer­den.

Zur Be­kämp­fung des Feu­ers wa­ren Ein­satz­kräf­te aus dem ge­sam­ten Um­kreis im Ein­satz, dar­un­ter auch ein Lösch­boot aus Mannheim. Be­reits am Mor­gen hat­te es im rund 15 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten BASF-Werk in Lam­pert­heim ei­ne Ver­puf­fung ge­ge­ben. Da­bei wur­den vier Mit­ar­bei­ter ver­letzt.

We­gen der gi­gan­ti­schen Rauch­säu­le soll­ten An­woh­ner ih­re Fens­ter und Tü­ren schlie­ßen

Die ge­wal­ti­ge Ex­plo­si­on bei BASF er­schüt­ter­te ges­tern Lud­wigs­ha­fen. Nach der De­to­na­ti­on bil­de­te sich ein rie­si­ger Feu­er­ball auf dem Werks­ge­län­de

Fo­tos: dpa (3), im­a­go

Die Lösch­ar­bei­ten am Werks­ge­län­de ge­stal­te­ten sich schwie­rig. Vom Ha­fen aus ver­such­te die Feu­er­wehr, den Brand mit Lösch­boo­ten in den Griff zu be­kom­men

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