Ble­chen oh­ne En­de!

tz - - POLITIK - KR/ DPA

Gut ge­lau­fen ja, aber noch im­mer kein fi­na­ler Be­frei­ungs­schlag für VW in den USA. Rich­ter Charles Brey­er lob­te den Kom­pro­miss zwar am Di­ens­tag, sei­ne Ent­schei­dung will er aber erst in den nächs­ten sie­ben Ta­gen be­kannt­ge­ben. Aber selbst wenn er ja sagt, ist der Skan­dal für VW im­mer noch nicht aus­ge­stan­den. Die ana­ly­siert, ob auch da­nach das gro­ße Ble­chen wei­ter­geht – und wie ho­he Straf­zah­lun­gen VW über­haupt ver­kraf­ten kann:

■ Was be­deu­tet der Ver­gleich für die Zu­kunft von VW?

Für den Kon­zern ist es ex­trem wich­tig, ein ers­tes wirk­lich ab­ge­schlos­se­nes Ver­fah­ren in den USA in der Die­sel­af­fä­re vor­zei­gen zu kön­nen. Die USGe­rich­te sind be­son­ders ge­fürch­tet, an­ders­wo sind die Scha­den­er­satz­rech­te weit we­ni­ger aus­ge­prägt – et­wa in Deutsch­land (sie­he un­ten). VW hat­te sich mit ge­schä­dig­ten Kun­den so­wie US-Be­hör­den auf ei­ne Ver­gleichs­zah­lung von 16,5 Mil­li­ar­den Dol­lar ge­ei­nigt.

■ Wel­che Ent­schei­dung wird er­war­tet?

Es gilt als sehr wahr­schein­lich, dass Brey­er den bis­lang teu­ers­ten Ver­gleich in der Au­to­mo­bil­ge­schich­te nächs­te Wo­che ge­neh­mi­gen wird. Der Rich­ter hat­te das Ent­schä­di­gungs­an­ge­bot des Kon­zerns be­reits vor Mo­na­ten als fair ein­ge­stuft. Bei der fi­na­len Ent­schei­dung geht es vor al­lem dar­um, ob die Of­fer­te auch bei den Hun­dert­tau­sen­den be­trof­fe­nen Die­sel­be­sit­zern An­klang fin­det. Ho­he An­nah­me­quo­ten ha­ben aber be­reits ge­zeigt, dass das wohl der Fall ist.

Über­lebt VW die dro­hen­den Stra­fen?

„VW ver­kraf­tet das – es sind gro­ße Re­ser­ven da. Der Kon­zern wird sich im ■ Zu­ge des Skan­dals s ver­schlan­ken und so gut ge­rüs­tet für die Zu­kunft sein. Für Die­sel­au­tos be­deu­tet die­ser Skan­dal aber den Tod“, meint da­zu Au­to-Ex­per­te Prof. Fer­di­nand Du­den­höf­fer im Ge­spräch mit der tz. In der Bi­lanz für 2016 hat­te VW Rück­stel­lun­gen in Hö­he von 16,2 Mil­li­ar­den Eu­ro für Rechts­strei­tig­kei­ten und Män­gel­be­sei­ti­gung ein­ge­plant.

■ War­um ist der Ab­gas­skan­dal in den USA da­mit noch nicht be­wäl­tigt?

Bei der bis­lang er­ziel­ten Ei­ni­gung geht es um rund 475 000 VW-Die­sel­wa­gen mit klei­ne­ren 2,0-Li­ter-Mo­to­ren. Bei et­wa 85 000 Dick­schif­fen des Kon­zerns, die mit 3,0-Li­ter-An­trieb der Toch­ter Au­di un­ter- wegs sind, ringt man wei­ter­hin mit den USBe­hör­den um ei­ne Lö­sung. Bis zur nächs­ten An­hö­rung am 3. No­vem­ber will Brey­er kon­kre­te Vor­schlä­ge se­hen, wie die­se laut US-Re­gu­lie­rern eben­falls mit il­le­ga­ler Soft­ware zur Ab­gas­kon­trol­le aus­ge­rüs­te­ten Au­tos in ei­nen ge­set

zes­kon­for- men Zu­stand ver­setzt wer­den kön­nen.

■ Schafft VW das tech­nisch?

Die In­ge­nieu­re des Kon­zerns dok­tern schon seit Mo­na­ten dar­an her­um – bis­lang ver­geb­lich. Soll­te ei­ne tech­ni­sche Um­rüs­tung nicht mög­lich sein, könn­te VW ge­zwun­gen sein, Kun­den – wie be­reits bei den 2,0-Li­ter-Mo­del­len – Rück­käu­fe an­zu­bie­ten. Da es sich bei den Wa­gen mit­un­ter um teu­re Lu­xus­mo­del­le der Ober­klas­se­töch­ter von Au­di und Por­sche han­delt, dürf­te das noch ein­mal rich­tig ins Geld ge­hen.

Was gibt es noch für Baustellen in den USA?

Kurz nach­dem VW die ers­te grund­sätz­li­che Ei­ni­gung im Mas­sen­rechts­streit er­zielt hat­te, leg­te ei­ne Rei­he von Bun­des­staa­ten be­reits mit neu­en Kla­gen nach. Ver­mont, Ma­ry­land, Mas­sa­chu­setts, New York, Wa­shing­ton und Penn­syl­va­nia wol­len den Kon­zern we­gen Ver­stö­ßen ge­gen Um­welt­ge­set­ze zur Re­chen­schaft zie­hen. VW strebt auch hier ei­nen Ver­gleich an. „Das wird noch mal rich­tig teu­er“, so Au­to-Papst Du­den­höf­fer. „Das wird in die Mil­li­ar­den ge­hen.“

Und was ist mit den traf­recht­li­chen Vor­wür­fen?

Das ist der größ­te Brand­herd für VW! Nach­dem im Sep­tem­ber der ers­te in den Skan­dal in­vol­vier­te In­ge­nieur im Zu­ge ei­ner Straf­an­zei­ge ein Ge­ständ­nis ab­ge­legt und Ko­ope­ra­ti­on mit den US-Be­hör­den ver­spro­chen hat, bleibt ab­zu­war­ten, wen der lang­jäh­ri­ge Mit­ar­bei­ter noch al­les be­las­tet. Das USJus­tiz­mi­nis­te­ri­um prü­fe be­reits, wel­ches Straf­maß man dem Kon­zern we­gen kri­mi­nel­ler Ver­ge­hen zu­mu­ten könn­te, so der Fi­nanz­dienst Bloom­berg.

Fo­tos: dpa

US-Rich­ter Charles Brey­er. Li: End­kon­trol­le ei­nes Phae­ton im VWWerk Dres­den

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