Fern­se­hen, wie es sein soll

tz - - POLITIK -

ARD und ZDF soll­ten sich viel häu­fi­ger et­was trau­en.

Es gibt zig Grün­de, auf das öf­fent­lich-recht­li­che Fern­se­hen zu schimp­fen. Das fängt bei der Dis­kus­si­on über die hor­ren­den Sum­men für Sport­über­tra­gun­gen an und en­det bei dem Vor­wurf, die bei­den ge­büh­ren­fi­nan­zier ten Sen­der zei­gen ge­ne­rell zu viel Quatsch – und das al­les nur für die Quo­te. Heu­te darf, ja muss die ARD al­ler­dings mal ge­lobt wer­den. Was dem Ers­ten mit dem TV-Ex­pe­ri­ment Ter­ror – Ihr Ur­teil ge­lun­gen ist, ver­dient Re­spekt. Zum ei­nen hat­te der Film ei­ne ho­he künst­le­ri­sche Qua­li­tät: groß­ar­ti­ge Schau­spie­ler (was für Mo­no­lo­ge!), ei­ne klu­ge Ins­ze­nie­rung so­wie ei­ne bis zum Schluss span­nen­de Dra­ma­tur­gie. Das muss man erst mal schaf­fen. Der Ver­dienst des Films dar­über hin­aus ist aber die Tat­sa­che, dass er in den Wohn­zim­mern, auf dem Weg zur Ar­beit und abends in der Kn­ei­pe zu Dis­kus­sio­nen ge­führt hat. Schul­dig oder nicht schul­dig war die Fra­ge. Darf man 164 Men­schen tö­ten, um 70 000 zu ret­ten? Ei­ne Fra­ge, auf die es – na­tür­lich – kei­ne ein­fa­che Ant­wort ge­ben kann. Ei­ne Fra­ge aber, über die auf viel­fäl­tigs­te Ar t dis­ku­tier t wer­den kann – ju­ris­tisch, mo­ra­lisch, ethisch, phi­lo­so­phisch. Und ge­nau das ist nach dem Film pas­siert, üb­ri­gens auch in ei­ner sehr lei­den­schaft­li­chen Run­de bei Frank Plas­berg. Es war ein Abend, wie man sich ihn häu­fi­ger wünscht von ARD und ZDF. Er soll­te die bei­den Sen­der er­mu­ti­gen, sich auch in Zu­kunft et­was zu trau­en, Ex­pe­ri­men­te zu wa­gen. Denn auch da­für wer­den sie (von uns al­len!) sehr or­dent­lich be­zahlt.

Ste­fa­nie Thys­sen

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