Pro­fes­sor fliegt von Hoch­schu­le

tz - - MÜNCHEN - NI­NA PROBST

Prof. Dr. Tho­mas M. (52, Na­me ge­än­dert) wird nie wie­der an ei­ner Hoch­schu­le un­ter­rich­ten. Das hat ges­tern das Ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­den. Weil er Stu­den­ten beim ei­ge­nen Haus­bau be­schäf­tig­te, da­für bes­se­re Noten ver­teil­te und sich über Hochschul-Kon­tak­te pri­va­te wirt­schaft­li­che Vor­tei­le in Hö­he von 40 000 Eu­ro ver­schaff­te, wur­de M. aus dem Be­am­ten­ver­hält­nis ent­fernt.

Be­vor die Ver­hand­lung in Mün­chen star­ten konn­te, stell­te der ehe­ma­li­ge Pro­fes­sor per Fax ei­nen Be­fan­gen­heits­an­trag ge­gen den Vor­sit­zen­den Rich­ter Alex Gla­ser. Er füh­le sich vor­ver­ur­teilt, weil er selbst nicht zur Ver­hand­lung ge­la­den wor­den sei. Zu­dem glaub­te er, der Rich­ter sei „über die Schul­dig­keit schon si­cher“. Der An­trag wur­de ab­ge­lehnt.

Um Tho­mas M. gab es schon seit 2008 Ge­rüch­te. Er soll Stu­den­ten sei­ner Uni­ver­si­tät in Ober­bay­ern im Rah­men von Stu­di­en­ar­bei­ten am pri­va­ten Haus­bau be­schäf­tigt und ih­nen dann nach­träg­lich bes­se­re Noten ein­ge­tra­gen ha­ben. Kon­kret ging es um die In­stal­la­ti­on von Au­ßen-Whirl­pools. Ein Stu- dent, der da­mals mit ei­ner bes­se­ren No­te be­dacht wur­de, be­stä­tig­te die Vor­wür­fe als Zeu­ge vor Ge­richt. „Ich hat­te ein mul­mi­ges Ge­fühl, ob das recht­lich in Ord­nung ist“, sag­te er. Weil es aber sein Pro­fes­sor ge­we­sen sei, ha­be er sich nichts wei­ter da­bei ge­dacht.

Rich­ter Alex Gla­ser stell­te ein Di­enst­ver­ge­hen fest. Ei­ne Ar­beit sei dann zu be­wer­ten, wenn sie ab­ge­ge­ben wur­de (al­so oh­ne nach­träg­li­che Än­de­rung) – schon um die Gleich­heit al­ler Stu­den­ten zu wah­ren. Der Whirl­pool-Fall ist ei­ner von sechs Punk­ten ei­ner Dis­zi­pli­nar­k­la­ge.

Der schwer­wie­gends­te Vor­wurf aber: Der Pro­fes­sor soll sich pri­va­te Vor­tei­le im Na­men der Hoch­schu­le ver­schafft ha­ben. 40 000 Eu­ro soll er er­wirt­schaf­tet ha­ben, als er güns­tig Whirl­pools und Pel­let-Hei­zun­gen kauf­te – und zum Teil wei­ter­ver­kauf­te. Des­halb war er vom Land­ge­richt In­gol­stadt zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den.

Am En­de konn­te Rechts­an­walt Thorsten Jun­ker nichts tun, au­ßer das Ur­teil ak­zep­tie­ren. Sein Man­dant muss sich künf­tig auf die wirt­schaft­li­chen Ge­schäf­te be­schrän­ken.

Prof. Dr. Tho­mas M. darf nicht mehr un­ter­rich­ten

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