Mia san Bier

tz - - MÜNCHEN+REGION - RA­MO­NA WEI­SE

Ei­ne Bar im Nach­kriegs­deutsch­land der 1950er-Jah­re. Ein Ein­hei­mi­scher steht ne­ben ei­nem US-Ser­geant. „What do you think of Goe­the?“(„Was den­ken Sie über Goe­the?“), fragt er ihn. Der Ame­ri­ka­ner nippt an sei­nem Bier und ant­wor­tet: „Fi­ne, but per­so­nal­ly I pre­fer Lo­wen­brau“(„Gut, aber ich be­vor­zu- ge Lö­wen­bräu“). Die­se Sze­ne aus ei­nem US-Wer­be­spot zeigt: Lö­wen­bräu war in den Jah­ren des Wirt­schafts­wun­ders in­ter­na­tio­nal die be­kann­tes­te und am wei­tes­ten ver­brei­te­te deut­sche Bier­mar­ke, sagt Richard Wink- Seit Mit­te des 19. Jahr­hun­derts gab es Glas­fla­schen mit Lö­wen­bräu-Bier. Sie wa­ren mit ei­nem Kor­ken – ähn­lich wie beim Sekt – aus­ge­stat­tet. Und wur­den haupt­säch­lich ins Aus­land ex­por­tiert. Spä­ter dann gab es Fla­schen mit Schnapp­ver­schluss und mit Kron­kor­ken (Fo­to). Das ers­te Lö­wen­bräu-Do­sen­bier gab’s 1952. Aber oh­ne La­sche. „Die Leu­te muss­ten in die Do­se ste­chen, um sie zu öff­nen“, so Wink­ler. Ein PR-Clou ver­half den Do­sen zu Be­kannt­heit: Die Braue­rei stat­te­te das deutsch-ös­ter­rei­chi­sche Berg­stei­ger­team bei der Nan­ga-Par­bat-Be­stei­gung von 1953 mit den Büch­sen aus. So schaff­te es das Do­sen­bier in ei­nen Film, der die Be­stei­gung do­ku­men­tier­te … ler (57). Der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter des Baye­ri­schen Wirt­schafts­ar­chivs – ei­ner Ge­mein­schafts­ein­rich­tung der baye­ri­schen In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern – hat ein Buch über die Ge­schich­te der Münch­ner Braue­rei ge­schrie­ben (ab mor­gen er- Seit 1524 ist die Lö­wen­braue­rei ak­ten­kun­dig. Zu­nächst wur­de in der Lö­wen­gru­be (Alt­stadt) ge­braut, ab 1827 dann an der Nym­phen­bur­ger Stra­ße beim Stigl­mai­er­platz ( ). Zu bei­den Sei­ten der Stra­ße ent­stan­den aus­ge­dehn­te Braue­rei­an­la­gen. Auf ei­ner Flä­che von 79 000 Qua­drat­me­tern – das sind fast acht Fuß­ball­fel­der! Nach der Über­nah­me durch Spa­ten und spä­ter durch den größ­ten Bier­kon­zern der Welt, wur­den 2007 gro­ße Teile des Braue­rei­are­als ab­ge­ris­sen. Heu­te exis­tiert nur noch ein klei­ner Teil der ehe­ma­li­gen Braue­rei ( ). hält­lich, 29,90 €). Von1890 bis 1976 war Lö­wen­bräu die größ­te Braue­rei Bay­erns, kurz vor dem Ers­ten Welt­krieg galt sie als zweit­größ­te Bier­fa­brik Deutsch­lands. In den 60er-Jah­ren stieg sie in den USA zur meist­ge­trun­ke­nen Im­port­bier­mar­ke auf. In der Hei­mat schwä­chel­te sie ab Mit­te der 70er-Jah­re je­doch. 1997 der Ver­lust der Selbst­stän­dig­keit: Spa­ten über­nahm die Lö­wen­braue­rei. Seit 2003 ge­hö­ren bei­de zu An­heu­ser-Busch InBev, dem größ­ten Bier­kon­zern der Welt. Bis zum 1. Welt­krieg tran­ken die meis­ten Men­schen Bier nicht zu Hau­se in Fla­schen – son­dern in Gast­wirt­schaf­ten. Für den Trans­port in die Wirts­häu­ser muss­te das Bier zu­nächst von La­ger- in Trans­port­fäs­ser um­ge­füllt wer­den. Auf dem Fo­to oben sind Ar­bei­ter bei ge­nau die­ser Ar­beit um 1900 in ei­nem La­ger­kel­ler der Braue­rei zu se­hen. Der Ge­schmack zählt: Hier (Fo­to o.) zu se­hen ist ein La­bor der Braue­rei um 1906. Mit­ar­bei­ter tes­te­ten Roh­stof­fe und das Bier, so Ex­per­te Wink­ler. In den 1960erJah­ren noch hat­te Lö­wen­bräu 1500 An­ge­stell­te und Ar­bei­ter. Jetzt sind es 500 für die gan­ze Spa­ten-Fran­zis­ka­ner-Lö­wen­bräu- Grup­pe.

Das neue Buch über Lö­wen­bräu

Buch­Au­tor Richard Wink­ler

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