Stu­den­ten am Ab­zug

tz - - KULTUR + TV - MA­XI­MI­LI­AN MAI­ER

Die Aus­wahl des Stü­ckes ist ge­lun­gen: Il ri­tor­no d’Ulis­se in Pa­tria von Clau­dio Mon­te­ver­di ver­langt den Mas­ter­stu­die­ren­den der Thea­ter­aka­de­mie Au­gust Ever­ding im Fach Ge­sang viel ab, for­dert her­aus und bringt ih­nen viel bei! Zu­sätz­lich bie­tet die oh­ne In­stru­men­tie­rung, nur mit Ge­sangs- und Bass­li­nie no­tier­te Par­ti­tur reich­lich Raum zum Aus­pro­bie­ren, Um­schrei­ben, Kür­zen. Das hat Stu­di­en­gangs­lei­ter Joa­chim Tschie­del für die Aka­de­mie-Ver­si­on von Ulis­se ge­tan.

Die Aca­de­mia di Monaco ex­tra spielt nicht nur neu ar­ran­gier­te Mu­sik nach Mon­te­ver­di. Sie schafft durch Ge­räu­sche auch ei­ne zwei­te psy­cho­lo­gi­sche Ebe­ne zum Büh­nen­ge­sche­hen. Da wird auf den Sei­ten ge­wür­felt, an Röh­ren ge­klopft oder un­term Steg ge­stri­chen. Die At­mo­sphä­re des Ex­pe­ri­men­tel­len er­gänzt die kar­ge Hin­ter­büh­ne des Prinz­re­gen­ten­thea­ters.

Der schma­le, läng­li­che Raum ist ei­ne Ha­fen­fa­brik. Pe­ne­lo­pe sitzt an ei­ner Näh­ma­schi­ne und war­tet ver­zwei­felt auf die Heim­kehr ih­res Gat­ten. Die Göt­ter Net­tu­no (Ira­kli Ata­ne­lish­vili) und Mi­ner­va (Flo­re van Meers­sche) sind in der Ins­ze­nie­rung von Mar­ti­na Veh kon­kur­rie­ren­de Auf­se­her des Ha­fen­vier­tels, für die Ulis­se zum Spiel­ball ih­rer Macht­kämp­fe wer­den soll. Tele­ma­chos schafft im Be­trieb auch mit und lei­det un­ter dem ge­stör­ten, weil nicht vor­han­de­nen Va­ter­ver­hält­nis.

All die­se Pro­blem­stel­lun­gen blei­ben aber nur an­ge­deu­tet. Wie der Ein­fall, dass der im Müll an­kom- men­de Ulis­se von Mi­ner­va ei­nen Pass kriegt. War­um dann doch der Ho­kus­po­kus mit dem Span­nen der Arm­brust als Er­ken­nungs­zei­chen? Häu­fig ist der Zu­schau­er al­lein ge­las­sen, tie­fe­re Kennt­nis des Stof­fes ist an­schei­nend Vor­aus­set­zung. Wenn die Hand­lung un­be­dingt ver­stan­den wer­den muss, spre­chen die Sän­ger auf Deutsch. Was die Fra­ge stellt: War­um sin­gen sie über­haupt in der Ori­gi­nal­spra­che?

Ge­sun­gen wird je­den­falls durch­weg auf ho­hem Ni­veau. Ste­fan Sbon­nik schafft es, mit hel­lem Te­nor der Ti­tel­par­tie Tief­gang zu ge­ben. Ba­vo Or­roi spielt die Zer­ris­sen­heit des Tele­ma­chos mit ju­gend­li­cher Em­pha­se, der sein keh­li­ger, ab­ge­dun­kel­ter Ba­ri­ton schon ent­wach­sen scheint. Die Pe­ne­lo­pe ist drei­fach be­setzt. Die Re­gie bleibt die Er­klä­rung schul­dig, ob das noch an­de­re Grün­de hat, au­ßer dass gleich drei gu­te Mez­zo­sop- ra­nis­tin­nen im Stu­di­en­gang sind. In der Tri­as Pia Vio­la Bu­chert, Cla­ra Co­rin­na Scheur­le fällt Jes­si­ca-Ve­ro­ni­que Mil­ler mit sat­tem, sam­ti­gen Mez­zo auf. Stimm­lich wie dar­stel­le­risch her­aus­ste­chend: An­dro­mahi Rap­tis’ Iro, für de­ren Ver­wand­lung in ein di­ckes Ekel­pa­ket den Kom­mi­li­to­nen vom Mas­ken­bild ein ex­tra Lob ge­bührt.

Wei­te­re Auf­füh­run­gen:■ 21.10., 23.11., 29.11., 1.12 .

Ulis­se (Ste­fan Sbon­nik) beim Schuss mit der Arm­brust

Fo­tos: Je­an- Marc Tur­mes

Mi­ner­va als Auf­se­he­rin im Ha­fen: Flo­re von Meers­sche

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