Wel­pen­Irr­sinn

Ge­mei­ner Schmug­gel

tz - - SO WIRD FREIHAM - SUS

Geiz mag viel­leicht geil sein – im Tier­schutz je­doch ist über­trie­be­ne Spar­sam­keit im­mer für un­glaub­lich viel Leid ver­ant­wort­lich: Weil Men­schen sich zwar mit ei­nem Ras­se­hund schmü­cken möch­ten, aber die üb­li­chen Züch­ter­prei­se in Deutsch­land von rund 1000 Eu­ro nicht zah­len wol­len, su­chen sie in Klein­an­zei­gen im In­ter­net nach güns­ti­ge­ren An­ge­bo­ten. Und die gibt es zu­hauf: Chi­hua­huas, Bea­gles oder fran­zö­si­sche Bull­do­gen zu Prei­sen von 150 bis 350 Eu­ro. Ein Ge­schäfts­mo­dell, das aus un­säg­li­chem Tier­leid Pro­fit schlägt – und dem Wunsch der Men­schen nach ei­nem Schnäpp­chen.

Et­wa 100 000 Wel­pen wer­den je­des Jahr in Po­len, Un­garn und Tsche­chi­en und neu­er­dings in Ir­land pro­du­ziert und über die Gren­zen ge­schmug­gelt. Das er­ga­ben Re­cher­chen von Vier Pfo­ten. Ge­bo­ren von ar­men Hün­din­nen, die mit der ers­ten Läu­fig­keit im Al­ter von ci­cra sie­ben Mo­na­ten zum ers­ten Mal ge­deckt wur­den und je­des Jahr drei Wür­fe her­vor­brin­gen müs­sen.Al­lein iri­sche Wel­pen­händ­ler ma­chen je­des Jahr ei­nen Um­satz von 20 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Tie­re wer­den we­der aus­rei­chend ge­füt­tert, noch tier­ärzt­lich ver­sorgt. Wer elen­dig an Ge­bär­mut­ter­ver­ei­te­rung oder Un­ter­ernäh­rung stirbt – wird durch ei­ne jun­ge Hün­din er­setzt, die meist auch schon krank ist. Die Tie­re hau­sen in en­gen Ver­schlä­gen auf Be­ton­bö­den. Die Hun­de sind meist mit Wür­mern, Flö­hen, Mil­ben und Par­vo­vi­ro­se in­fi­ziert. Sie sind auch nicht ge­gen Stau­pe oder Toll­wut ge­impft. Die­se Krank­hei­ten ge­ben kran­ke Mut­ter­tie­re gleich an ih­ren Wurf wei­ter. Die Klei­nen sind meist un­ter­ernährt, weil die Müt­ter nur we­nig Milch pro­du­zie­ren. Ab et­wa fünf Wo­chen wer­den die Wel­pen der Mut­ter weg­ge­nom­men und in Last­wa­gen oder Au­tos st­un­den- oder ta­ge­lang Rich­tung Deutsch­land, Ita­li­en oder Nie­der­lan­de ge­karrt – dort­hin, wo die Käu­fer sind. Die Impf­päs­se der Tie­re sind ge­fälscht, ent­wurmt sind sie auch nicht. An­ti­bio­ti­ka- und Cor­ti­son­s­prit­zen ha­ben sie den Trans­port über­le­ben las­sen.

Ein Blick in die trau­ri­gen Au­gen der hilf­lo­sen Tier­kin­der, und vie­le Käu­fer schmel­zen da­hin. Das bö­se Er­wach­sen kommt meist schon in den nächs­ten Ta­gen: Wenn der Durch­fall nicht auf­hört, wenn das Tier nicht fres­sen will, wenn es ein­fach nur apa­thisch ist: Ein Be­such beim Tier­arzt er­gibt nicht sel­ten, dass die Hun­de­ba­bys tod­krank sind.

Die­ser Wel­pen­wahn­sinn kann nur ge­stoppt wer­den, wenn nie­mand mehr Wel­pen aus du­bio­ser Quel­le kauft (sie­he In­ter­view).

Fo­tos: dpa

160 Hun­de­ba­bys im Markt­wert von 60 000 Eu­ro in ei­nem Trans­por­ter: Die Wel­pen­ma­fia macht mit dem Tier­leid gu­ten Pro­fit

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.