Der Münch­ner Russ­land-Gip­fel

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Die al­ten Kon­tra­hen­ten ha­ben den Groll be­gra­ben. „Er“, sagt Ed­mund Stoi­ber mil­de und deu­tet über den Tisch, „er ist ja noch ein jun­ger Mann“. Da nimmt Ger­hard Schrö­der et­was ver­dutzt die Le­se­bril­le ab und legt die Spei­se­kar­te zur Sei­te. Jung? Nun ja, doch. 72, al­so zu­min­dest jün­ger als Stoi­ber, der ge­ra­de 75 wur­de.

Der Grund­ton für die­sen Gip­fel der Staats­män­ner i. R., die un­ser Zei­tungs­haus wie­der an ei­nen Tisch ge­bracht hat, ist da­mit ge­setzt: freund­lich, nicht mehr spöt­tisch oder ag­gres­siv wie 2002, als Schrö­der hauch­dünn über den CSU-Kanz­ler­kan­di­da­ten sieg­te.

Tri­umph oder Frust sind längst ver­klun­gen – heu­te eint bei­de, dass sie viel Ver­ständ­nis für Russ­lands Prä­si­den­ten Wla­di­mir Pu­tin auf­brin­gen. So viel, dass es mit­un­ter er­klä­rungs­be­dürf­tig ist. Schrö­der ge­riet un­längst für sei­nen neu­en Pos­ten als Ver­wal­tungs­rats­chef beim Pi­pe­line-Be- Se­pa­ra­tis­ten­ge­bie­ten erst nach der voll­stän­di­gen Kon­trol­le über die ukrai­nisch-rus­si­sche Gren­ze ab­zu­hal­ten. Der Frie­dens­plan sieht dies je­doch um­ge­kehrt vor. ■ Was ist ei­gent­lich mit der Krim?

Die von Russ­land an­nek­tier­te ukrai­ni­sche Schwarz­meer­halb­in­sel ist kein Ge­gen­stand der Ge­sprä­che. Je­doch könn­te Kiew – im Fal­le ei­ner Bei­le­gung des Kon­flikts – mit Ver­weis auf die Mins­ker Ver­ein­ba­run­gen auch ei­nen Ab­zug Russ­lands von der Krim for­dern. ■ Wird der Wes­ten den Druck auf Pu­tin mit Sank­tio­nen er­hö­hen?

Kanz­le­rin Mer­kel woll­te sich die­se Op­ti­on of­fen­hal­ten. Der Russ­land-Be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Ger­not Er­ler (SPD), sieht je­doch ein ge­wis­ses Ein­len­ken Mos­kaus in der Sy­ri- en-Kri­se und hält des­halb ei­ne Dis­kus­si­on über här­te­re Sank­tio­nen für un­an­ge­bracht. Der SPD-Po­li­ti­ker be­grün­de­te das mit der elf­stün­di­gen Feu­er­pau­se, die Russ­land heu­te für die Kämp­fe um Alep­po ge­wäh­ren will. Die sy­ri­sche Ar­mee woll­te so­gar zwei Kor­ri­do­re räu­men, da­mit die Re­bel­len ab­zie­hen kön­nen.

Wie hän­gen die Kon­flik­te in der Ukrai­ne und in Sy­ri­en zu­sam­men?

Für Ex­per­ten ist Mos­kaus Par­tei­nah­me in Sy­ri­en ein stra­te­gi­scher Schritt, um Russ­land in­ter­na­tio­nal wie­der mehr Ge­wicht zu ver­lei­hen. ■ Wie hoch sind die Hoff­nun­gen auf Fort­schrit­te?

Sehr ge­ring. Pu­tins Spre­cher er­klär­te schon vor dem Tref­fen: „Ei­nen Durch­bruch er­war­ten wir nicht.“

Fo­to: dpa Fo­tos (4): Bodmer

Erns­te Dis­kus­sio­nen, aber im Kern gro­ße Ei­nig­keit: Die Kon­tra­hen­ten von einst ver­bin­det heu­te ih­re Nä­he zu Russ­land. Ger­hard Schrö­der (SPD, li.) und Ed­mund Stoi­ber (CSU) for­dern beim Münch­ner Russ­land-Gip­fel un­se­res Zei­tungs­hau­ses mehr Ver­ständ­nis für die Po­si­tio­nen Wla­di­mir Pu­tins Die Be­grü­ßung­ze­re­mo­nie zwi­schen An­ge­la Mer­kel und Wla­di­mir Pu­tin am Mitt­woch­abend in Ber­lin lief er­staun­lich ent­spannt ab

tz-Ver­le­ger Dirk Ip­pen (li.) und der Chef­re­dak­teur des Münch­ner Mer­kur, Ge­org Ana­st­a­sia­dis, be­grü­ßen Ger­hard Schrö­der

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