47 Män­ner in ei­nem Haus

tz - - MÜNCHEN+REGION -

Im­mer öf­ter wer­den gan­ze Häu­ser als Ar­bei­ter­wohn­hei­me miss­braucht. Da­mit lässt sich viel mehr Geld ver­die­nen, als wenn or­dent­lich ver­mie­tet wird.

In ei­nem Zwei­fa­mi­li­en­haus in Lang­wied wur­den 47 pol­ni­sche Bau­ar­bei­ter un­ter ei­nem Dach zu­sam­men­ge­pfercht. Die ge­nerv­ten Nach­barn zerr­ten die Haus­be­sit­zer vor Ge­richt.

Bau­in­ge­nieur Ist­ván Bon­nyai (44): „Die Be­woh­ner war­fen ih­re Wod­ka­fla­schen ins Ge­büsch, hin­gen ih­re Wä­sche an un­se­rem Zaun auf, lärm­ten bis spät in die Nacht und park­ten un­se­re klei­ne Stra­ße völ­lig zu.“Bon­nyais Töch­ter (8, 13) muss­ten oft an den be­trun­ke­nen Bau­ar­bei­tern, die nur in der Un­ter­ho­se vor der Haus­tü­re stan­den, vor­bei­ge­hen. Bon­nyais An­walt Mar­tin Harra­ßer ver­klag­te die Be­sit­zer auf Räu­mung des Wohn­hei­mes. Bei der Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt kam ans Ta­ges­licht: Die Be­sit­zer des Dop­pel­hau­ses hat­ten ei­ne Fa­mi­lie nach 20 Jah­ren auf Ei­gen­be­darf aus dem Haus ge­klagt, um es zum Bet­ten­la­ger um­zu­funk­tio­nie­ren!

Bon­nyai: „Selbst im Kel­ler wur­den Men­schen ein­ge­pfercht, hin­ter ver­schraub­ten Kel­l­er­git­tern – ei­ne To­des­fal­le, wenn es brennt.“Es kam auch zu Schlä­ge­rei­en, Po­li­zei und Sa­ni­tä­ter rück­ten an – ein­mal so­gar mit He­li­ko­pter.

Die Nach­barn ver­stän­dig­ten schon im Früh­jahr die Stadt, die zu ei­ner an­ge­mel­de­ten Be­ge­hung vor­bei­kam. „Da wur­den die Ar­bei­ter zu­vor schnell aus­quar­tiert und fast al­le Ma­trat­zen in die Ga­ra­ge ge­räumt, so­dass die Kon­trol­leu­re nichts be­an­stan­den konn­ten“, be­rich­tet Bon­nyai. Am 7. Ju­li rück­te die Stadt wie­der an – un­an­ge­mel­det. Da­bei, so sag­te An­walt Harra­ßer vor Ge­richt, wur­den 47 Schlaf­plät­ze ge­zählt, zum Teil la­gen die Ma­trat­zen auf dem Bo­den. Die Miet­ein­nah­men wur­den auf­grund der An­ga­ben der Be­woh­ner auf ins­ge­samt 16 000 Eu­ro ge­schätzt. Denn pro Nacht und Bett wur­den 7,15 Eu­ro bis 12 Eu­ro plus Steu­er fäl­lig. Das ent­spricht ei­ner Mo­nats­mie­te von bis zu fast 400 Eu­ro pro Per­son.

Der An­walt des Ver­mie­ters stell­te die Vor­wür­fe bei der Ver­hand­lung gar nicht in Abre­de. Er ver­sprach, das Wohn­heim wer­de ge­räumt – das ist mitt­ler­wei­le auch ge­sche­hen.

In Lang­wied wohn­ten 47 Bau­ar­bei­ter mo­na­te­lang in die­sem Zwei­fa­mi­li­en­haus

Ist­ván Bon­nyai (r.) und sein An­walt Mar­tin Harra­ßer

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.