„Reichs­bür­ger“schießt auf Po­li­zis­ten

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Auf sei­nem Post­kas­ten steht „Re­gie­rungs­be­zirk Wolf­gang – mein Wort ist hier Ge­setz“. Im Gar­ten weht ei­ne Reichs­bür­ger­flag­ge mit zwei Lö­wen und dar­un­ter dem Nach­na­men des Haus­her­ren. Und was der Mann in die­sem Ge­bäu­de in Ge­or­gens­g­münd (Kreis Roth) auf­be­wahr­te, das wuss­ten Be­am­te­des­Land­rats­amts und Po­li­zis­ten des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos Nord­bay­ern nur zu gut – 31 Schuss­waf­fen! Der Be­sitz war le­gal, denn Wolf­gang P. (49) ist Jä­ger. Doch „we­gen Un­zu­ver­läs­sig­keit“wur­de ihm die Waf­fen­li­zenz jetzt ent­zo­gen: Ge­gen 6.30 Uhr nä­her­ten sich des­halb ges­tern Po­li­zis­ten dem Grund­stück – und wur­den so­fort be­schos­sen. „Der Tä­ter war im ers­ten Stock und er­öff­ne­te von oben das Feu­er“, be­rich­te­te Jo­hann Rast, Po­li­zei­prä­si­dent von Mit­tel­fran­ken. Ein Be­am­ter des SEK (32) wur­de le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt. Sein Zu­stand wur­de ges­tern nach ei­ner OP aber im­mer­hin mit „sta­bil“be­schrie­ben. Ein Po­li­zist (31) wur­de am Ober­arm ge­trof­fen, zwei Kol­le­gen (bei­de 37) wur­den durch Glas­split­ter ver­letzt. Auch der Schüt­ze er­litt bei der Fest­nah­me leich­te Ver­let­zun­gen.

Wolf­gang P., ge­gen den jetzt we­gen ver­such­ten Mor­des er­mit­telt wird, hält sich für ei­nen Reichs­bür­ger ( sie­he rechts). Er er­kennt die Bun­des­re­pu­blik nicht als Staat an. Ein Vi­deo, das im Sep­tem­ber ent­stand, zeigt ihn, wie er Po­li­zis­ten und Be­hör­den­ver­tre­ter mit den Wor­ten „hier steht ein Mensch und er steht dem Ge­setz ge­gen­über“am Be­tre­ten sei­nes „Staats­ka­pi­tols“hin­dert. P., der frü­her Kampf­sport­leh­rer und auch „Fach­trai­ner für Ge­walt­prä­ven­ti­on“war, be­schreibt ei­ne ehe­ma­li­ge Mit­schü­le­rin so: „Ge­spon­nen hat der schon im­mer.“Sonst sei er harm­los ge­we­sen. Auch Ex-Kol­le­ge mag sich ei­nen Ge­walt­aus­bruch kaum vor­stel­len. „Er sprach von Har­mo­nie, Glück und gu­tem Mit­ein­an­der.“Doch seit ei­ni­ger Zeit hing Wolf­gang P. auch Ver­schwö­rungs­theo­ri­en nach und pos­te­te im In­ter­net al­les Mög­li­che über ei­ne neue Wel­t­ord­nung, die Hoch­fi­nanz und Po­li­ti­ker an­geb­lich pla­nen.

Der Ro­ther Land­rat Her­bert Eck­stein be­rich­te­te da­von, dass der Mann im Som­mer Kon­trol­leu­re von sei­nem Grund­stück ver­wies, die ver­sucht hat­ten, die Auf­be­wah­rung sei­ner Waf­fen zu über­prü­fen. Der 49-Jäh­ri­ge hat­te in die­sem Zu­sam­men­hang dem Land­rat auch ei­nen „wil­den Brief“ge­schickt, in dem er sich als „Reichs­bür­ger“er­klär­te und dar­auf ver­wies, dass er sich an staat­li­che Maß­nah­men nicht hal­te. Zu­erst war der Zoll auf P. auf­merk­sam ge­wor­den, als er sich wei­ger­te, die Kf­zS­teu­er zu be­zah­len.

Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann zeig­te sich „„ent­setzt über den Fall“. Es sei ei­ne „bis­her so in Bay­ern nicht ge­kann­te Es­ka­la­ti­on“. Er kün­dig­te an, dass die Be­we­gung stär­ker in den Blick ge­nom­men wer­de. Die bei­den Po­li­zei­ge­werk­schaf­ten for­der­ten ein här­te­res Vor­ge­hen ge­gen die Grup­pie­rung.

Wolf­gang P. lehnt die BRD ab. Die Be­hör­den er­klär­ten vor dem Ein­satz sei­nen Jagd­schein und die Waf­fen­be­sitz­kar­te für un­gül­tig

eolf­manm Das Haus des Schüt­zen: Reichs­bür­ger­flag­ge im Gar­ten, ei­ge­ner „Re­gie­rungs­be­zirk“am Post­kas­ten

F.: re­por­ter2n, dpa

Er­schüt­tert: In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann

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